Über diesen Artikel
Datum:
03.05.2012
Autor:
Sascha Steuer
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URL:
https://www.digital-lernen.de/nachrichten/netzpolitik/einzelansicht/artikel/evangelische-kirche-das-kindeswohl-hat-hoechste-prioritaet-interview-mit-oberkirchenrat-markus-br.html
Title:
"Das Kindeswohl hat höchste Priorität" Interview mit Ober- kirchenrat Markus Bräuer
Kategorie:
Netzpolitik
Markus Bräuer ist Medienbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland

"Das Kindeswohl hat höchste Priorität" Interview mit Ober- kirchenrat Markus Bräuer

Markus Bräuer ist Medienbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland

Kinder im Grundschulalter sollten nur eine begrenzte Zeit am Tag am Computer und im Internet verbringen. Kindergerechte Internetsuchmaschinen wie blinde-kuh.de oder fragfinn.de http://www.blinde-kuh.de/sind eine gute Alternative zu Google.

 

Wie gut ist es um den Jugendmedienschutz in Deutschland bestellt?

 

Der Jugendmedienschutz hat aus der Sicht der evangelischen Kirche eine bedeutende Aufgabe. Die Würde eines jeden Menschen ist ein Geschenk Gottes. Mit diesem Geschenk verantwortungsvoll umzugehen stellt uns aber auch vor die Aufgabe, Kinder vor Inhalten zu schützen, die ihre Entwicklung stören und ihre Seele verletzen könnten. Das Kindeswohl hat höchste Priorität. Auch im Bereich des institutionalisierten Jugendmedienschutzes gibt es noch viel zu tun: Ich halte es für dringend geboten, den Jugendmedienschutz in Deutschland mit entsprechenden Symbolen und Labels so zu gestalten, dass Eltern und Großeltern wie Lehrer wesentlich einfacher erkennen, was die einzelnen Prüfsiegel bedeuten. Denn wer macht sich klar, dass das FSK-Siegel mit der Altersangabe auf der DVD über die Jugendgefährdung des Films Auskunft gibt, aber  keine pädagogische Empfehlung ist? Es ist leichter, einen Kühlschrank zu kaufen und sich über die Energieeffizienzklassen zu informieren als Eltern zu vermitteln, wie der Jugendmedienschutz organisiert ist. Und auch viele Jugendschutzprogramme für den Computer sind nicht ausgereift, so lange nicht Apple ebenso einbezogen wird wie Windows-Rechner und mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets.

 

Welche Aufgaben fallen den Eltern und welche den Schulen im Rahmen der Medienkompetenzerziehung und des Jugendmedienschutzes zu?

 

Eltern haben die Aufgabe, sich auch dann für das Internetverhalten ihrer Kinder zu interessieren, wenn sie sich selbst mehr für Fußball oder Kunst begeistern können. Nicht abzuwehren, was Kinder interessiert, sondern zu erspüren, welche Faszination von einem Computerspiel für Kinder ausgehen kann, gehört zu den elterlichen Pflichten. Und dann in ein Gespräch einzutreten und zu fragen, ob die Gewalt aus Sicht der Täter oder der Opfer gezeigt wird, ob möglicherweise Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft, ihres Glaubens verhöhnt oder diskriminiert werden. Schwieriger ist es schon mit pornographischen Inhalten. Sexualität und Pornographie sind im Gespräch zwischen Eltern und Kindern ein oft schambesetztes und daher tabuisiertes Thema. Deshalb sollten Schulen und Kirchengemeinden mit entsprechenden Medienpaketen und gut ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern hier tätig werden. Wir haben eine so rasante Entwicklung des Internets. Deshalb muss die fächerübergreifende Vermittlung von Medienkompetenz und Urteilssicherheit mit der technischen Entwicklung Schritt halten. Es wäre bedauerlich, wenn Lehrpläne und Unterrichtsinhalte aus einer Zeit stammten, als wir eine elektronische Schreibmaschine mit einem LCD-Display für den Stand der Technik hielten.

 

Was tut die Evangelische Medienarbeit dafür, um dieses Defizit auszugleichen?

 

Gemeinsam mit der Kommission Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten, der Bundeszentrale für politische Bildung und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung werden wir am 22. Januar 2013 in München eine interdisziplinär angelegte Fachtagung zum Thema „Jugendschutz, Sexualaufklärung, Medienpädagogik und Ethik im Zeitalter der sexualisierten Medien“ veranstalten, die sich nicht an Verboten, sondern an Werten orientiert und zur Medienkompetenz beitragen soll. Die Fachtagung richtet sich an Lehrer, Journalisten, Pfarrer.

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03.05.2012
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Sascha Steuer
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