Über diesen Artikel
Datum:
12.04.2013
Autor:
Dipl.-Pol. Michael Görtler
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URL:
https://www.digital-lernen.de/nachrichten/medienforschung/einzelansicht/artikel/gastbeitrag-medienkompetenz-als-aufgabe-der-politischen-bildung.html
Title:
Gastbeitrag: Medienkompetenz als Aufgabe der politischen Bildung?
Kategorie:
Medienforschung
Michael Görtler     

Gastbeitrag: Medienkompetenz als Aufgabe der politischen Bildung?

Michael Görtler
Michael Görtler     
© Michael Görtler

Am Ende darf es in diesem Zusammenhang also nicht nur um die Analyse und Bewertung von Informationen gehen, sondern auch um die Frage, welche Intentionen damit verbunden sind und welche Handlungskonsequenzen sich daraus für den Einzelnen in Bezug auf Akzeptanz und Ablehnung sowie eigene Recherchen ergeben. Im Folgenden werden nun einige Zielgruppen der politischen Bildung im Hinblick auf die politische Bildung betrachtet.

Unterschiedliche Zielgruppen   

Beginnen wir mit Kindern und Jugendlichen, die in der Regel im Mittelpunkt solcher Überlegungen stehen. Dass die digitale Medien eine zentrale Rolle im Leben von Kindern und Jugendlichen einnehmen, unterstreichen verschiedene Studien, die in den letzten Jahren durchgeführt wurden. 43 Prozent der sechs- bis dreizehnjährigen nutzen soziale Netzwerke (MPFS 2011a) - Tendenz steigend. 12-19-jährige verbringen im Schnitt 134 Minuten pro Tag im Netz (MPFS 2011b), die Shell-Jugendstudie von 2010 besagt, dass 96 Prozent der 12-25-jährigen das World Wide Web nutzen und zwar knapp 13 Stunden pro Wochen (vgl. Deutsche Shell Holding GmbH 2010). Laut ARD-ZDF-Onlinestudie 2011 gehen 52 Mio. Deutsche ab 14 Jahren ins Netz, vor allem die Anzahl der User, die unterwegs auf das Internet zugreifen, steigt an (vgl. ARD/ZDF-Onlinestudie 2012). Doch längst nicht alle Kinder und Jugendliche sind sog. „digital natives“ und gleich gut vernetzt: die Kluft zwischen den `Vernetzten`, für die der Umgang mit sozialen Netzwerken und Smartphones zur Normalität gehört, und den `Isolierten`, die nach wie vor die traditionellen Medien wie Fernsehen, Zeitungen und Radio zur Information nutzen, und folglich mit den neuen Möglichkeiten der elektronischen Partizipation gar nicht in Berührung kommen, besteht nach wie vor (vgl. Roleff 2012). In diesem Zusammenhang lohnt sich auch ein Blick die sog. bildungsfernen Schichten als Herausforderung der politischen Bildung (vgl. Detjen 2007). Dabei kristallisieren sich zwei Probleme heraus: Erstens machen beispielsweise die sog. Sinus-Milieus darauf aufmerksam, dass Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene in Bezug auf politisches Interesse und Bereitschaft je nach Milieu völlig unterschiedlich aufgestellt sind, und jeweils andere Möglichkeiten der Information und Mitwirkung bevorzugen. Zweitens hat das klassische sozio-ökonomische Standardmodell, das politisches Interesse und Partizipation mit Bildung, Einkommen und sozialem Status erklärt, nicht an Aussagekraft verloren. Es liegt auf der Hand, dass sich noch immer vor allem diejenigen politisch beteiligen, die dafür den nötigen Sachverstand und die Zeit haben. Diese beiden Aspekte machen mit Nachdruck darauf aufmerksam, dass Medienkompetenz mitnichten ein Selbstläufer ist, sondern auf günstige Rahmenbedingungen angewiesen ist. Am Ende besteht daher die Gefahr, dass eine kleine Gruppe an internetaffinen Personen ihren Vorteil im Umgang mit Neuen Medien – und das heißt vor allem: Schnelligkeit und Reaktionsfähigkeit – zu ihren Gunsten ausnutzt. Den anderen Menschen, die aufgrund von fehlender Medienkompetenz den Anschluss verlieren, fehlt dann schlicht die `Stimme im Netz`.

Ausblick

Was folgt aus den bisherigen Ausführungen für die Institution Schule? Im Vordergrund stehen zwei Dinge: die Reflexion und Bewertung von Medien, aber auch der Umgang mit Medien selbst (vgl. Besand 2005). Beides muss im Unterricht integriert werden, damit die Schülerinnen und Schüler Medienkompetenz entwickeln können, also sich zum einen darüber im Klaren sind, was in der digitalen Welt geschieht, sich zum anderen aber auch selbst der gebotenen Möglichkeiten bedienen können.

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12.04.2013
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Dipl.-Pol. Michael Görtler
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