Über diesen Artikel
Datum:
21.03.2018
Autor:
Johannes Karl
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URL:
https://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/schueler-verlassen-unterricht.html
Title:
Schüler verabschieden sich zeitweise innerlich vom Unterricht
Kategorie:
Medienforschung, Jugendmedienschutz, Schulpraxis
johanneskarl

Schüler verabschieden sich zeitweise innerlich vom Unterricht

Schueler-verlassen-unterricht

Als häufigste Form der Umgehung wurden anonyme Proxies und die Nutzung von Google Translate sowie der Einsatz eines Tor-Browsers genannt. Diese Werkzeuge kommen bei 42 % derjenigen Schüler sporadisch zum Einsatz, die durch eine (unzureichende!) Filterung in der Schule bei ihrer Internetnutzung eingeschränkt werden.

25 % der befragten Schüler haben ihre Tricks bereits in der Schule angewandt. 37 % kennen Mitschüler, die diese Tricks zur Anwendung bringen.

Das wichtigste Ergebnis der Umfrage: 81 % der Schüler konnten während der Unterrichtszeit unterrichtsfremde Internetseiten aufrufen. Sowohl bei den Mädchen als auch bei den Jungen waren soziale Netzwerke, Spiele, Verkaufsportale und Sport der Hit. Soziale Netzwerke und Spiele die „Zeitfresser“ unter den Internetangeboten - dominierten bei beiden Geschlechtern. Dies sind Angebote, die auf spezifische Art abhängig machen können. Dass dieses Risiko bei Computerspielen besteht, ist seit langem bekannt. Dass aber auch „harmlose“ Angebote wie Facebook, WhatsApp, Twitter, Second Life oder auch Versteigerungen bei Ebay süchtig machen können, ist ein neues Phänomen, das erst seit jüngster Zeit erforscht werden kann, so die Feststellungen zum Thema „Psychische Abhängigkeiten durch Computer- und Internetnutzung“ auf der Webseite www.meldestelle-sucht.de/abhaengigkeiten.html.

Über 70 % der Schüler wurden noch nie von ihrer Lehrkraft ermahnt, wenn sie unterrichtsfremde Internetseiten während der Unterrichtszeit auf ihrem schuleigenen oder privaten Endgerät aufgerufen haben.

Nur rund 50 % machten den Mangel an spannendem Unterricht für die private Nutzung des Internets während der Unterrichtszeit verantwortlich. Diesen Grund, irgendetwas Unterhaltsameres im Unterricht zu machen, hatten Schüler auch schon früher, aber ihnen wurde früher nie seitens der Schule selbst ein Medium mit derart vielen Fluchtmöglichkeiten angeboten, wie jetzt über das Internet. Langweiligem Unterricht kann der Lehrer nur durch eine interessantere Aufbereitung des Lernangebotes begegnen, aber gegen die Verführung, sich unabhängig vom Lernangebot durch Internetangebote innerlich vom Unterricht zu verabschieden, hilft nur, diese Angebote auf Unterrichtsrelevantes zu reduzieren und vor allem Angebote mit „Suchtpotential“ auszusortieren. Für Lehrer wird dies zu einer neuen Herausforderung. Sie stehen derzeit nicht nur vor der Frage, wie sie die Schüler durch einen spannenden Lehrstoff zurück in ihren Unterricht holen, sondern auch, wie sie das ablenkende Konkurrenzangebot des Internets ausschalten können, ohne auf die Internetnutzung im Unterricht zu verzichten. 

Die Lösung könnte in der Bereitstellung eines auf ihr Unterrichtsthema fokussierten Bildungsinternets bestehen. Das Bildungsinternet bietet einen überlegenswerten Beitrag, durch eine pädagogisch begründete „Verarmung“ an Information einen Reichtum an Aufmerksamkeit zu erzeugen. 

 


[1] Im Folgenden steht „Schüler“, „Lehrer“ oder „Teilnehmer“ für weibliche und männliche Personen, wenn nicht audrücklich nach Geschlecht differenziert wird. 

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21.03.2018
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Johannes Karl
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