Über diesen Artikel
Datum:
10.06.2014
Autor:
Dr. Thorsten Junge
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URL:
https://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/gastbeitrag-cyber-mobbing-an-schulen-ein-praeventionsprojekt-der-rwth-aachen.html
Title:
Gastbeitrag: Cyber-Mobbing an Schulen. Ein Präventionsprojekt der RWTH Aachen.
Kategorie:
Jugendmedienschutz, Gastbeitrag / Interview

Gastbeitrag: Cyber-Mobbing an Schulen. Ein Präventionsprojekt der RWTH Aachen.

Illustration ETS-Projekt
© ETS-Projekt, Thorsten Junge

386), ist zudem anzunehmen, dass nur eine geringe Bereitschaft vorhanden ist, sich eigenständig mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Die skizzierte Situation war Ausgangspunkt unserer Überlegungen zur Gestaltung eines entsprechenden Praxisprojekts. Nach unserer Einschätzung ist es wichtig, das notwendige Problem- und Verantwortungsbewusstsein bei Lehramtsstudierenden stärker als bisher zu entfalten. Dies muss jedoch einhergehen mit einer Förderung ihrer medienpädagogischen Kompetenz, damit sie adäquat auf die kritischen Einflüsse digitaler Medien reagieren können. Die medienpädagogische Kompetenz umfasst neben dem Wissen über die kindlichen Medienwelten und einer ausgeprägten Sensibilität für Medienthemen auch Wissen über pädagogisch-didaktische Konzepte (vgl. Aufenanger 1999).

Darüber hinaus ist es erforderlich, technische Medienkompetenz zu vermitteln, so dass Lehramtsstudierende zukünftig in der Lage sind, medienspezifische Themen mittels digitaler Medien gemeinsam mit den SchülerInnen bearbeiten zu können. Dies umfasst v. a. Fähigkeiten im Bereich der digitalen Audio-, Video- und Bildbearbeitung. Damit im Unterricht kein unverhältnismäßiger Arbeitsaufwand entsteht, sind Methoden und Kenntnisse zu speziellen Tools zu vermitteln, die eine einfache Umsetzung ermöglichen. Im Vordergrund stehen hierbei Möglichkeiten, die sich durch die Nutzung von Tablet-PCs ergeben.

Die genannten Schwerpunkte haben wir bei der Konzeptionierung unseres Projekts „Lehrer in der digitalen Welt. Einsatz von Tablet-PCs zur praxisorientierten Umsetzung des innovativen Konzepts ‚Lernen durch Gestalten‘.“ (Projektlaufzeit: Januar 2014 bis September 2014) berücksichtigt. In der ersten Projektphase wird den angehenden Lehrkräften Hintergrundwissen zum Thema Cyber-Mobbing vermittelt. Hernach werden sie mit bestehenden Konzepten zur Prävention von Cyber-Mobbing vertraut gemacht. Auf dieser Grundlage sind die Lehramtsstudierenden dazu aufgefordert, eigene Konzepte zu entwickeln. Hierbei geht es uns nicht nur darum, Informationsmaterialien bereitzustellen, die eine theoretisch-orientierte und kommunikative Aufarbeitung mit den SchülerInnen ermöglichen. Vielmehr gilt es, im Sinne der handlungs- und interaktionsorientierten Medienerziehung (vgl. Tulodziecki/Herzig/Grafe 2010) auch eigene Medienprojekte zu realisieren. Es wird darauf abgezielt, den Lehramtsstudierenden die notwendigen Kompetenzen zu vermitteln, um eigene Projekte in ihrem späteren Lehralltag durchführen zu können. In Pilotprojekten hat sich bereits gezeigt, das Tablets sinnvoll in der Schule eingesetzt werden können (vgl. Groebel/Wiedermann 2012). In Kooperation mit Aachener Schulen wird den TeilnehmerInnen des medienpädagogischen Trainings die Möglichkeit gegeben, die entwickelten Konzepte in der simulierten Schulpraxis in Form von Unterrichtseinheiten zu erproben.

Wir gehen davon aus, dass Lehramtsstudierende durch die Teilnahme an unserem Projekt ihren medialen Habitus verändern. Die bestehende Skepsis gegenüber digitalen Medien kann dadurch verringert werden, dass zwar die möglichen Risiken erörtert werden, aber gleichzeitig die zielorientierte Anwendung der digitalen Medien zu Aufklärungszwecken aufgezeigt wird. Zudem kann die Bereitschaft gesteigert werden, sich aktiv und handlungsorientiert mit digitalen Medien auseinanderzusetzen. Indem die Distanz gegenüber digitalen Medien reduziert wird, erreichen wir, dass Lehramtsstudierende aufgeschlossener gegenüber den Nutzungsmöglichkeiten digitaler Medien sind. Durch die (Weiter-)Entwicklung ihrer technischen Handhabung fühlen sie sich zudem sicherer im Umgang mit Tablet-PCs. Dies kann sich förderlich auf die didaktische Implementierung von Medien auswirken.

Letztendlich werden wir mit unserem Projekt nicht nur erweiterte Konzepte zur Prävention von Cyber-Mobbing an Schulen entwickeln, sondern es kann gleichsam der Anspruch realisiert werden, digitale und mobile Medien stärker als bisher in die LehrerInnenbildung zu implementieren. Es werden die hierfür notwendigen didaktischen und medienpädagogischen Potenziale vermittelt. Damit bieten sich u. a. Anknüpfungspunkte an die gegenwärtigen Überlegungen zum Einsatz von Tablet-PCs an Schulen.

Im Rahmen des Projekts sind mehrere Evaluationsphasen geplant.

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Datum:
10.06.2014
Autor:
Dr. Thorsten Junge
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Gastbeitrag: Cyber-Mobbing an Schulen. Ein Präventionsprojekt der RWTH Aachen.
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Jugendmedienschutz, Gastbeitrag / Interview
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