Über diesen Artikel
Datum:
05.02.2013
Autor:
Rolf Schmuck
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URL:
https://www.digital-lernen.de/nachrichten/technik/einzelansicht/artikel/gastbeitrag-sind-offline-medien-out.html
Title:
Gastbeitrag: Sind Offline-Medien out?
Kategorie:
Technik
VHS Kassette     

Gastbeitrag: Sind Offline-Medien out?

VHS Kassette
VHS Kassette     
© neolern GmbH

Rolf Schmuck ist Leiter des Kreismedienzentrums Ulm, in dem Schulen Medien und AV-Geräte entleihen können. Er beobachtet seit Jahren aufmerksam die wachsende Technisierung des Medieneinsatzes im Unterricht.  

 

Sind Offline-Medien out?
Glaubt man der vorherrschenden Meinung, so findet der Medieneinsatz in der Schule praktisch vollständig mit Hilfe des Internets statt: Lehrkräfte suchen aktuelles Material für ihren Unterricht bei YouTube Schüler reichern ihre Referate und Präsentationen mit Bildern und Filmclips aus dem Internet an (wenn sie nicht gleich das ganze Referat fertig downloaden). Demnächst wird das klassische Schulbuch ersetzt, und zwar durch das eBook samt dazugehörigem Reader und einem Update-Download per Abonnement. Brauchen wir angesichts dieser Situation überhaupt noch die DVDs oder gar die VHS-Kassetten aus dem Medienzentrum, die man mühsam entleihen und selbst abholen muss?  

Meine Antwort ist ein überzeugtes "Ja". Das Internet bietet eine Fülle verlockender Informationsmöglichkeiten; dennoch sprechen gewichtige Argumente dafür, weiterhin ebenso das Offline-Angebot des Medienzentrums zu nutzen.  

Offline-Medien aus dem Medienzentrum sind geprüft und legal Plattformen wie
YouTube stellen eine Fülle von Videoclips zur Verfügung. Bei solchen Medien - beispielsweise auf YouTube - muss der Nutzer allerdings selbst die Qualität und die Eignung für den Unterricht prüfen. Diese Medien dürfen in der Regel nicht gespeichert werden, und sie sind nur für die private Nutzung vorgesehen. Das schließt nach dem geltenden Urheberrecht eine Verwendung im Unterricht aus. Also geschieht die schulische YouTube-Nutzung außerhalb der Legalität.  

Die Offline-Medien aus dem Medienzentrum dürfen dagegen öffentlich vorgeführt werden. Sie sind überdies nach pädagogischen Gesichtspunkten geprüft und überwiegend auf die Lehrpläne abgestimmt. Mir persönlich erschließt sich nicht, warum jemand angesichts eines solchen Angebots überhaupt auf Quellen wie YouTube zurückgreift.  

Das Offline-Angebot des Medienzentrums ist übersichtlich
Das Internet hält zwar eine Menge Informationen bereit, doch die Suche nach bestimmten Inhalten ist meist mühsam und zeitraubend. Findet man schließlich etwas Brauchbares, so darf es häufig nicht im Unterricht verwendet werden: die aufwändige Suche war vergeblich.  

Das Offline-Angebot im Medienzentrum ist überschaubar, und gerade deshalb finden Sie schneller, was Sie wirklich brauchen. Die klare Einteilung in Schulfächer erleichtert die Suche. Außerdem steht jemand am Tresen, der Ihnen bei Bedarf geeignete Medien empfehlen kann.  

Offline-Medien sind sicher verfügbar
Downloads aus dem Internet wären bequem und zeitsparend - wenn immer ein schneller und zuverlässiger Internetzugang zur Verfügung stünde. Dies ist nicht der Fall, und das Herunterladen von Filmen wird zur Geduld- und Nervenprobe. Die besten Medien aus dem Internet nützen aber nichts, wenn es mit dem Download nicht klappt. Zudem sind auch viele Download-Medien kontingentiert. Offline-Medien sind sicher verfügbar. Die Entleihung einer DVD dauert in der Regel nur Minuten. Selbst wenn der Wunschtitel gerade verliehen sein sollte, so ist in der Regel ein Alternativtitel vorhanden. Sogar Beschaffungswünsche werden wenn irgend möglich erfüllt (haben Sie das schon mal im Internet erlebt?) 

Offline-Medien sind einfach vorzuführen
Für das Abspielen einer DVD oder einer Videokassette genügen Geräte, die in jeder Schule vorhanden und schnell startklar sind: ein Abspielgerät und ein Fernseher oder LCD-Projektor. Die Filme aus dem Internet werden als Dateien auf dem Computer gespeichert. Um sie vorzuführen, brauchen Sie in der Regel wieder einen Computer. Das macht den Einsatz aufwändiger und wird oft nicht bedacht.  

Offline-Medien besitzen eine bessere Qualität
Eine DVD speichert eine riesige Datenmenge. Bei einer einschichtigen DVD sind es bereits 4,7 Gigabyte (dafür hätte man früher über 3000 Disketten gebraucht). Ein DVD-Player kann den Film problemlos und in bestechender Qualität wiedergeben. Über das Internet kann man solche Datenmengen (noch) nicht schicken. Um halbwegs zumutbare Downloadzeiten zu ermöglichen, müssen Filme deshalb komprimiert werden. Mit der Datenmenge wird zwangsläufig auch die Bildqualität deutlich verringert. Oft wird nicht einmal die Qualität der alten VHS-Kassetten erreicht. Wollen Sie das Ihren Schülerinnen und Schülern zumuten? Es hilft übrigens auch nicht, aus den heruntergeladenen Videodateien wieder eine DVD zu machen. Die Qualität ist unwiederbringlich verloren.  

Zusammenfassung
Bei näherem Hinsehen relativieren sich die vordergründigen Vorteile des "modernen" Online-Angebots im Internet und die angeblichen Nachteile der "altmodischen" DVDs und Videokassetten. Viele hervorragende Medientitel sind nur im Medienzentrum zu bekommen, und die Bequemlichkeit der Selbstbedienung aus dem Internet entpuppt sich in der Praxis als Illusion. Wenn Tagesaktualität unerlässlich ist, kann das Internet eine sinnvolle Quelle für Information sein. Bei allen Themen, wo dies keine Rolle spielt, haben Offline-Medien aus dem Medienzentrum weiterhin ihre Berechtigung und ihre unbestreitbaren Vorteile. Nutzen Sie dieses Angebot weiterhin und lassen Sie sich nicht durch technikverliebte Argumente "moderner" Pädagogen davon abbringen.

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05.02.2013
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Rolf Schmuck
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Gastbeitrag: Sind Offline-Medien out?
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Technik
VHS Kassette     
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