Über diesen Artikel
Datum:
13.03.2012
Autor:
Sascha Steuer
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URL:
https://www.digital-lernen.de/nachrichten/technik/einzelansicht/artikel/cornelsen-digitale-schulbuecher-nur-als-leihmodellinterview-mit-wolf-ruediger-feldmann-geschaeft.html
Title:
Cornelsen-Verlag: Digitale Schulbücher nur als Leihmodell Interview mit Geschäftsführer Wolf-Rüdiger Feldmann
Kategorie:
Technik
gastautoren stift

Cornelsen-Verlag: Digitale Schulbücher nur als Leihmodell
Interview mit Geschäftsführer Wolf-Rüdiger Feldmann

Der Verband der Bildungsmedien hat zusammen mit 27 Schulbuchverlagen eine Preview-Version des „Digitalen Schulbuchs“ vorgestellt. Die Schulbuchverlage haben sich darauf geeinigt ihre Printausgaben nach und nach zu digitalisieren und in einem einheitlichen Format über eine zentrale Plattform anzubieten. Über die Initiative sprachen wir mit dem Geschäftsführer des Cornelsen Verlags, Wolf-Rüdiger Feldmann.

DIGITAL LERNEN: Mit wie vielen Büchern wird Cornelsen zum Start des Digitalen Schulbuchs im Sommer 2012 voraussichtlich dabei sein?

Wolf-Rüdiger Feldmann: Wir sind aktuell mit knapp 60 Titeln in der Previewphase dabei. Wir sind natürlich dabei, das Portfolio zu arrondieren. Doch zunächst müssen wir noch eine Vielzahl von Rechten bei denjenigen  Unterrichtsreihen klären, die wir digitalisieren wollen. Das ist ein laufender Prozess und insofern ist die endgültige Anzahl zum Schulstart im Moment noch nicht definitiv.

Cornelsen digitalisiert seine Inhalte schon länger und stellt sie den Lehrern mit interaktiven Elementen zur Verfügung. Warum sind die Digitalen Schulbücher so wenig interaktiv und warum wurden die Funktionen der Cornelsen Bücher nicht aufgenommen?

Wir haben gerade den einjährigen Geburtstag unserer Online-Lernplattform zum Cornelsen-Schulbuch mit echten interaktiven Lerninhalten gefeiert: LernCoachies.de. Insofern ist es eine berechtigte Frage. Die Tatsache aber, dass wir seit vielen Jahren digitale Bildungsmedien bereitstellen, aber die Nachfrage sehr unterschiedlich ist, hat etwas mit unserem Bildungssystem zu tun. Von Bundesland zu Bundesland und zwischen den Schulformen sind die Rahmenbedingungen für die Nutzung von Medien, ob sie nun analog oder digital sind, sehr unterschiedlich. Außerdem ist die Bildungsmedienfinanzierung in Deutschland flächendeckend unterentwickelt. Produkte, die eine hohe Wertigkeit haben, wie LernCoachies.de kosten schlichtweg Geld und dieses Geld muss auch zur Verfügung stehen. Die Schulträger kommen nun in ein Problem: Sie müssen die Hardware zur Verfügung stellen, die notwendig ist, um überhaupt Digitalisate nutzen zu können. Und es ist überhaupt nicht beantwortet, wie diese Ausstattung zu finanzieren ist. Wir haben hier einen Markt, der demografisch schrumpft und der vom Budget her nicht wächst.

Werden Sie also den Markt beobachten und je nach Nachfrage entscheiden wie viel Interaktivität die Produkte haben sollen?

Ja, das ist ein natürliches Verhalten jedes Anbieters, zu schauen was die Kunden wollen, denn die Definition, was Qualität konkret bedeutet, erfolgt hier. Nun will ich gar nicht in Frage stellen, dass der Einsatz von Tablets, Internet und PCs Unterricht und das Lernen positiv beeinflussen können, im Gegenteil. Natürlich liegen in der Digitalisierung erhebliche Chancen, effektiver und effizienter zu unterrichten und zu lernen. Der schulische Bedarf an digitalen Medien ist jedoch entwicklungsfähig. Es wird ja latent vorausgesetzt, dass digitale Medien zu besseren Lernergebnissen führen, als analoge. Empirisch belegt ist das nicht. Und insofern kann es nicht darum gehen, das Thema Bildungsmedien ausschließlich vor dem Hintergrund analog oder digital zu sehen, sondern es geht darum, Unterrichtskonzepte zu entwickeln und mehrjährige Lernkonzepte den Schulen so zur Verfügung zu stellen, dass Unterrichtsziele am besten unterstützt und erreicht werden. Das kann in Mischformen analog und digital sein. Wir erwarten nicht, dass es in Kürze eine völlig reine Welt gibt. Der Medienmix wird auch weiterhin vorherrschen. Die Kernleistung der professionellen Bildungsmedienanbieter, der Schulverlage also, liegt aber auf einer ganz anderen Ebene.

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13.03.2012
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Sascha Steuer
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Cornelsen-Verlag: Digitale Schulbücher nur als Leihmodell Interview mit Geschäftsführer Wolf-Rüdiger Feldmann
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