Über diesen Artikel
Datum:
10.09.2012
Autor:
Sven Becker
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URL:
https://www.digital-lernen.de/nachrichten/schulpraxis/einzelansicht/artikel/kontinente-verschieben-und-selbstwertgefuehl-aufbauen-digitale-medien-an-der-toulouse-lautrec-schu.html
Title:
Kontinente verschieben und Selbstwertgefühl aufbauen - digitale Medien an der Toulouse-Lautrec-Schule
Kategorie:
Schulpraxis
redaktion sven becker

Kontinente verschieben und Selbstwertgefühl aufbauen - digitale Medien an der Toulouse-Lautrec-Schule

Toulouse-Lautrec-Schule
© Toulouse-Lautrec-Schule

„Ich kann Kontinente verschieben“, freut sich ein Schüler der Toulouse-Lautrec-Schule in Berlin-Reinickendorf. Er ist schwermehrfachbehindert und kann trotzdem „an die Tafel gehen.“ Von seinem E-Rollstuhl aus bearbeitet er an der interaktiven Tafel mit einer Bluetooth-Maus eine geografische Karte – und die ganze Klasse sieht es. Gerade dieser Nachsatz ist von großer Bedeutung, denn hier wird deutlich, „dass so seine tatsächlichen kognitiven Möglichkeiten durch Hilfsmittel für die Klassengemeinschaft sichtbar gemacht werden konnten.“ Der Schüler kann sich in das Klassengespräch integrieren und baut dadurch sein Selbstwertgefühl auf. Diese pädagogische Chance der digitalen Medien hat die TLS erkannt.

 

Seit kurzem ist sie das erste kreidefreie sonderpädagogische Förderzentrum im Bezirk. Eine Körperbehinderung ist hier eine notwendige Voraussetzung für die Aufnahme. „Die Schule ist auf eine kompensatorische Nutzung der digitalen Medien spezialisiert“, erzählt die Schulleiterin Uta Eling. 27 interaktive Tafeln sind bislang in den Klassenzimmern installiert worden und ersetzen dort nicht nur die traditionelle Kreidetafel. Mit ihnen können alle audiovisuellen Angebote ins pädagogische Konzept eingebunden werden - Texte, Grafiken, Bilder, Filme, Töne. Auch mit dem Internet wird gearbeitet, denn damit sei es möglich, sich Wissen nahezu gleichzeitig aus unterschiedlichen Quellen zu erarbeiten.

 

Es gibt weitere interessante Beispiele digitaler Instrumente, die im Unterricht an der TLS verschiedene Ausprägungen und Schweregrade körperlicher Behinderung kompensieren. Etwa die Mini- oder Kleinstfeldtastatur, die leicht mit nur zwei Fingern bedient werden kann. Die Steuerung ist auch per Kopfbewegungen möglich, oder über einen Joystick, der am E-Rollstuhl montiert wird. Auch Scanning-Systeme gehören dazu oder ein Buzzer. Ebenfalls einfache Software-Lösungen, wie die Balkenmaus oder die Tastaturmaus.

 

Eling hebt den Nutzen der interaktiven Tafeln für die Zielgruppe ihrer Schule hervor. Denn erst jetzt können die Schüler sich auch an der Tafel beteiligen, in der großen Runde. Eigentlich seien die Tafeln zwar bloß Beamer, doch in diesem speziellen Kontext entfalteten sie ein besonderes Potenzial. Es geht um die „Teilhabe am Unterricht für schwerer Behinderte.“ Der Vorzug der digitalen Medien im pädagogischen Konzept für einen Unterricht körperlich behinderter Schüler ist hier offenkundig: „Es steigert die Kommunikationsmöglichkeiten und damit nicht zuletzt das Selbstwertgefühl der Schüler.“ Damit unterstützen sie das Ziel, das im Medienkonzept der TLS verankert ist: die Selbständigkeit der Schüler und die Kompensation ihrer Körperbehinderung.

 

Auch die Bezirksstadträtin Katrin Schultze-Berndt betont das Potenzial der interaktiven Tafeln: „Die Toulouse-Lautrec-Schule leistet Hervorragendes für Kinder, die unserer besonderen Unterstützung bedürfen. Durch die Ausstattung mit kreidefreien Tafeln kann nun über eine Funkmaus und eine Funktastatur auch ein Kind im Rollstuhl problemlos an der Tafel mitarbeiten. Damit eröffnen sich tolle neue Chancen!“

 

Bei einem digital gestützten pädagogischen Ansatz liegt ein Hauptaugenmerk auch auf dem technologischen Konzept. Jörg Richau, zweiter Konrektor an der TLS, ist zufrieden, denn die Schule sei im Hinblick auf ihren Bedarf „voll ausgestattet“. Künftig müssten lediglich defekte oder veraltete Geräte ersetzt werden. Die 147 Schüler und 34 Lehrer der TLS nutzen 105 PCs und vier Notebooks, die alle ans Internet angebunden sind. 27 interaktive Tafeln gibt es inzwischen. Sie wurden in zwei Schritten während des Schuljahrs 2011/12 beschafft.

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10.09.2012
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