Über diesen Artikel
Datum:
05.04.2013
Autor:
Prof. Jürg Kohlas
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URL:
https://www.digital-lernen.de/nachrichten/schulpraxis/einzelansicht/artikel/gastbeitrag-informatik-am-gymnasium.html
Title:
Gastbeitrag: Informatik am Gymnasium
Kategorie:
Schulpraxis
Prof. Jürg Kohlas     

Gastbeitrag: Informatik am Gymnasium

Prof. Jürg Kohlas
Prof. Jürg Kohlas     
© Jürg Kohlas

Jürg Kohlas ist emeritierter Professor für Informatik an der Universität Freiburg in der Schweiz. Er lehrt und forscht im Bereich Programmierung, künstliche Intelligenz, theoretische Informatik und Informationstheorie. In dem jüngst von ihm und Jürg Schmid herausgegebenen Band „informatik@gymnasium“ plädiert er für die Verankerung der Informatik im Schulbereich. Für DIGITAL LERNEN präsentiert er in einem Gastbeitrag seine Argumente.

Informatik gibt unserer Welt ein neues Gesicht. Trotz ihrer unbestrittenen Bedeutung in allen Lebensbereichen hat die Informatik in der Schule – und besonders am Gymnasium – bisher noch nicht den ihr zukommenden Platz gefunden. Daher hat die schweizerische Hasler Stiftung 2006 ein mit 20 Mio. CH-Franken dotiertes Förderprogramm „FIT – Fit in Informatik“ lanciert. Ziel der Initiative ist die Verankerung echt informatischer Bildung in der Schule, über die reine Medienbildung hinaus.

Als Teil dieses Programms hat die Stiftung eine Gruppe von Experten damit beauftragt, die Argumente für ein Fach Informatik am Gymnasium zu Handen der Bildungsinteressierten und –verantwortlichen zu erarbeiten. Die Ergebnisse sind in einem soeben erschienen Buch „informatik@gymnasium“ (Verlag NZZ Libro, nzz-libro.ch/informatikatgymnasium) zusammengestellt. Darin wird die Informatik als eigenständige Wissenschaft präsentiert, welche die Gesetzmässigkeiten und Verfahren erschliesst, die dem Computer seine enormen Wirkungsmöglichkeiten verleihen. Bildung in Informatik ist verschieden von der reinen Ausbildung in der sachgerechten Anwendung von IT-Anwendungen wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation oder Google-Recherchen. Sie ist auch etwas anderes als die Erziehung zum verantwortungsbewussten Umgang mit sozialen Medien, Facebook, Twitter, usw.  Dies sind wichtige Themen die aber eher in der obligatorischen Schulzeit zu behandeln sind.

Die Aufnahme in den Fächerkanon des Gymnasiums darf der Informatik aus folgenden Gründen nicht länger verweigert werden:

Die Informationstechnologie ist die prägende Gestaltungskraft der heutigen und zukünftigen Gesellschaft. Deren wissenschaftliche Grundlage ist die Informatik. Um die Wirkungsmechanismen unserer Welt zu verstehen, muss man die Informatik kennen.

Informatische Modelle sind heute für praktisch alle Wissenschaftsdisziplinen unerlässliche Elemente der Lehre und Forschung. Eine Schulung in konstruktivem Informatikdenken ist notwendig, um solche Modelle sinnvoll zu nutzen und zu gestalten.

Informatik macht die konstruktiven Aspekte abstrakter Prozesse sichtbar. Damit setzt sie kreative Kräfte für die Lösung von Problemen frei. Gleichzeitig vermittelt sie den Jugendlichen einen Zugang zur Denkweise der Technik, ein Element, das heute am Gymnasium weitgehend fehlt.

In der Schweiz öffnet die gymnasiale Maturität (das Abitur) Zugang zu allen universitären Studiengängen. Ihre Gestaltung liegt in der Hoheit der Kantone, aber ein eidgenössisches Maturitätsanerkennungsreglement (MAR) setzt die Rahmenbedingungen. Aktuell ist darin nur ein kleines Wahlfach (sog. Ergänzungsfach) Informatik vorgesehen. Das Ziel ist es, im MAR Informatik als obligatorisches Grundlagenfach, gleichberechtigt neben Physik, Chemie und Biologie, vorzuschreiben.

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Datum:
05.04.2013
Autor:
Prof. Jürg Kohlas
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Gastbeitrag: Informatik am Gymnasium
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