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Datum:
06.07.2012
Autor:
Sven Becker
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URL:
https://www.digital-lernen.de/nachrichten/schulpraxis/einzelansicht/artikel/die-technik-rast-die-didaktik-humpelt-hinterher.html
Title:
"Die Technik rast, die Didaktik humpelt hinterher"
Kategorie:
Schulpraxis
Friedrich Ebert Werkrealschule, Mannheim     

"Die Technik rast, die Didaktik humpelt hinterher"

Friedrich Ebert Werkrealschule, Mannheim
Friedrich Ebert Werkrealschule, Mannheim     
© Friedrich Ebert Werkrealschule, Mannheim

Tablet-Computer gelten zurzeit als die Zukunft des Lernens in der Schule. Dabei ist eine wichtige Frage noch gar nicht geklärt: Nämlich ob die Tablets überhaupt einen didaktischen Mehrwert bieten. Trotzdem werden Tablet-Klassen in immer mehr Schulen eingeführt, oft unterstützt durch Initiativen großer Unternehmen, die Bildung als lukrativen Markt erkannt haben. Doch die Frage bleibt vorerst offen – jedenfalls bis zum nächsten Sommer.

Bis dahin gibt die Unklarheit den Technik-Pessimisten ein gutes Argument an die Hand. Und auch den Optimisten, wie etwa Frank Thissen. Für den Professor an der Hochschule der Medien Stuttgart sind „Tablet-Computer weder Laptops ohne Tastatur noch etwas größere Mobile Phones, sondern eine völlig neue Art von Computer“, was er beispielsweise an der haptischen Bedienung festmacht. Speziell an der Schule könnten sie „den problemorientierten und explorativen Unterricht stärken. Denn diese Geräte sind zunächst mal nicht Schulbücher oder Wiedergabegeräte für Lehrfilme, sondern Werkzeuge, um sich mit etwas auseinanderzusetzen, Themen zu erkunden, zu recherchieren, auszuprobieren und die Ergebnisse zu dokumentieren und zu präsentieren.“ Die Antwort auf die Frage, ob das nicht auch für jede andere Art von Computer gelte, sei dem Leser überlassen.

Die Frage nach dem didaktischen Sinn von Tablets ist hingegen eine Forschungslücke, die der Erziehungswissenschaftler Dirk Ifenthaler von der Universität Mannheim nun schließen will. Seit wenigen Monaten begleitet die Universität ein Tablet-Modellprojekt an drei Schulen, das durch den Forschungsfonds der Universität und die Stadt finanziert wird. Ein erstes positives Zwischenfazit ist schon gezogen: Die Schüler sind zufrieden und motiviert, und ebenso die Lehrer. Das ist wichtig, denn „die Akzeptanz der Anwender ist der entscheidendste Faktor bei der Einführung einer neuen Technologie." Eine notwendige Bedingung für den Erfolg ist damit erfüllt - aber noch keine hinreichende.

Denn "die Technik rast, die Didaktik humpelt hinterher", wie Ifenthaler formuliert. Zwar hätten die Geräte aus technologischer Sicht ein großes Potenzial. Doch Skepsis sei geboten, erklärt der Wissenschaftler: „Pädagogen sollen sich nicht von der Technik vorschreiben lassen, wie der Unterricht abläuft. Vielmehr sollen sich Pädagogen mit empirischen Erkenntnissen der Erziehungswissenschaft auseinandersetzen und auf dieser Grundlage die pädagogische Intervention planen und umsetzen.“ Bisher aber fehlten diese didaktischen Modelle noch, und das ist das Kernproblem. Denn das Fehlen ist nicht bloße Unkenntnis, die leicht zu beheben wäre. Vielmehr wisse man noch gar nicht, ob die Tablets auch einen pädagogischen Mehrwert haben. Dies soll das Projekt im kommenden Schuljahr klären.

Dazu werden Schüler- und Lehrerdaten gesammelt, um mehr über die Akzeptanz und Performanz mit Tablet-Computern in der Schule zu erfahren. Die Forscher haben sich für die Methode des Experience-Sampling entschieden. Knapp gefasst werden dabei die Schüler und Lehrer zu unterschiedlichen Zeitpunkten direkt über das Tablet dazu aufgefordert, jetzt und hier ihre momentane Einstellung zur Tablet-Arbeit aufzuschreiben. In der Sammlung der Erfahrungs-Schnippsel erkennen die Forscher dann Muster, aus denen sie weitere Schlüsse ableiten können.

Darüber hinaus werden ausgewählte Pädagogen für die Integration von Tablet-Computern im Unterricht geschult. Dazu „werden unterschiedliche didaktische Modelle entwickelt und empirisch getestet, die das Ziel haben, einen High-Level Nutzen der Tablet-PCs im Unterricht zu erreichen. So zeichnet sich ein Low-Level-Nutzen (z.B.

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06.07.2012
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