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Datum:
07.12.2012
Autor:
Thorsten Greb
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URL:
https://www.digital-lernen.de/nachrichten/netzpolitik/einzelansicht/artikel/der-letzte-gang-zur-wahlurne.html
Title:
Der letzte Gang zur Wahlurne
Kategorie:
Netzpolitik
gastautoren stift

Der letzte Gang zur Wahlurne

facebook
© facebook Pressroom

Es erinnert ein wenig an die sprichwörtliche 'Wahl zwischen Pest oder Cholera', was Facebook seinen Nutzern in der jüngsten und möglicherweise letzten Mitgliederbefragung zur Auswahl stellt: Wollen die Nutzer in Zukunft ein Soziales Netzwerk ohne direkte Mitgliederbefragung oder wünschen sie sich wie bisher, Mitgliederbefragungen, die wenig Chancen auf ein erfolgreiches Nutzervotum haben? Noch bis zum 10. Dezember hat die Facebook-Gemeinde die Möglichkeit, eine Wahlentscheidung zu treffen, bei der das geringere Übel schwer auszumachen ist.

Alles begann im Jahr 2009 mit der Idee von Facebook, seine Mitglieder bei Änderungen der Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen zu befragen und einbeziehen zu wollen. Ob ernst gemeint oder nicht, diesen Schritt muss man dem US-Unternehmen zugutehalten, schließlich ist die demokratische Beteiligung im Internet längst keine Selbstverständlichkeit - oder wurden sie schon einmal von anderen World Wide Web-Schwergewichten wie Amazon, Apple oder Google zu einem ähnlichen Sachverhalt befragt? Im Internet regiert vielerorts noch immer das autokratische Prinzip „Fakten schaffen und danach informieren“. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, hat Facebook seiner Community zumindest die theoretische Chance auf echte Mitbestimmung eröffnet.

Was jedoch als Einbeziehung der Mitglieder in Gestaltungsprozesse des Sozialen Netzwerks geplant war, entwickelte sich mit jeder Abstimmung mehr und mehr zur Farce: So hat Facebook in der Vergangenheit wenig Elan an den Tag gelegt, wenn es darum ging, seine Nutzer über anstehende Wahlen zu informieren. Anstelle breit angelegter und transparenter Informationskampagnen für alle Nutzer, entschied sich das US-Unternehmen, Bekanntmachungen auf der eigens für diesen Zweck eingerichteten „Facebook Governance Site“ zu publizieren. Wer über anstehende Wahlen, Terminfristen und die zur Abstimmung stehenden Inhalte informiert bleiben wollte, musste also entweder von der Existenz dieser Seite wissen oder diese optimaler weise gleich „liken“, um automatische Benachrichtigungen zu erhalten. Stand heute 7. Dezember 2012 „gefällt“ diese Seite knapp 2,7 Millionen Nutzern, was deutlich weniger als einem Prozent der gesamten Facebook-Gemeinde entspricht.

Als weiterer ‚Geburtsfehler‘ stellte sich mehr und mehr die unüberwindbar scheinende Hürde des erforderlichen Quorums für ein erfolgreiches Wählervotum heraus. Wollten die Nutzer die angestrebten Änderungen seitens Facebook kippen, war dafür stets die Teilnahme von 30 Prozent aller Facebook-Nutzer notwendig. Bei einer geschätzten Größe des Sozialen Netzwerks von etwa einer Milliarde Nutzern entspricht das immerhin schon mehr als 300 Millionen Menschen. Kein einfaches Unterfangen, bedenkt man außerdem, dass es zahllose Mehrfachaccounts und inaktive Nutzer innerhalb der Facebook-Gemeinde gibt.

Alles in allem führte das bisher dazu, dass zu wenige Mitglieder über Wahlen informiert waren und/ oder sich zu wenige Nutzer aktiv an den Abstimmungen beteiligt hatten. An der letzten Abstimmung im Juni 2012 hatten nur 0,04 Prozent der Facebook-Gemeinde teilgenommen. Unter den Facebook-Nutzern, in Internetforen sowie in den Netzrubriken und Feuilletons der Tages- und Wochenpresse stellte sich nicht zuletzt deswegen die Meinung ein, dass Facebook es überhaupt nicht ernst meine mit der demokratischen Mitgliederbeteiligung.

Rund drei Jahre und einige Abstimmungen später scheint es Facebook offenbar selbst leid zu sein, seinen Mitgliedern eine Wahlplattform bereitzustellen, wenn diese nur von einem geringen Bruchteil genutzt wird. Das bisherige Beteiligungssystem sei nicht mehr effektiv genug, um die Mitglieder adäquat an Entscheidungsprozessen zu beteiligen, teilt Facebook mit.

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07.12.2012
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Thorsten Greb
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