Über diesen Artikel
Datum:
04.07.2012
Autor:
Thorsten Greb
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URL:
https://www.digital-lernen.de/nachrichten/medienforschung/einzelansicht/artikel/multiplikatorenschulungen-und-interaktive-tafeln-auf-dem-pruefstand.html
Title:
Multiplikatorenschulungen und Interaktive Tafeln auf dem Prüfstand
Kategorie:
Medienforschung
Interaktive Tafel      

Multiplikatorenschulungen und Interaktive Tafeln auf dem Prüfstand

Interaktive Tafel
Interaktive Tafel      
© SMART Technologies

In rund einem Viertel aller Unterrichtsräume der Hamburger Schulen hängen inzwischen Interaktive Tafeln an der Wand. Die bloße Existenz dieses digitalen Mediums macht den Unterricht aber nicht automatisch besser. Dazu müssen die Tafeln zunächst einmal sinnvoll eingesetzt werden. Wissen um die technischen Finessen der interaktiven Tafeln und die bestehenden Vorbehalte seitens vieler Lehrer, entschloss sich das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung der Hansestadt Hamburg, ein breit angelegtes  Multiplikatorenschulungsprogramm durchzuführen, um im nächsten Schritt möglichst viele Lehrer in den Hamburger Schulen zu erreichen. Die Effektivität der Interaktiven Tafeln und der Mutliplikatorenschulungen wurde nun auf den Prüfstand gestellt und die Ergebnisse in einer Evaluationsstudie veröffentlicht.

Darin kommt das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung unter anderem zu dem Ergebnis, dass das „neue Medium im Großen und Ganzen aus Pädagogensicht seine Bewährungsprobe bestanden“ habe. Auch die Multiplikatorenschulung habe ihre Ziele weitgehend erreicht. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Maßnahme „fühlen sich nach Abschluss der Qualifizierung und mehr noch nach Ablauf eines halben Jahres kompetent sowohl für die eigene Nutzung des Medium als auch für die Schulung von Kolleginnen und Kolleginnen“, heißt es dazu im Evaluationsbericht. Der Wissenstransfer zwischen den Multiplikatoren und den Lehrern des Kollegiums wird verhalten positiv beurteilt. Die Lehrkräfte fühlten sich nach schulinternen Fortbildungen und Gesprächen mit den Multiplikatoren sicherer als vorher, im Umgang mit den Interaktiven Tafel. Auch sei das „Interesse an der Arbeit mit digitalen Medien gestiegen“. Gleichzeitig zeigen die Evaluationsergebnisse aber auch, dass sich die Mehrheit der befragten Lehrerinnen und Lehrer noch nicht vollständig von den Kreidetafeln verabschieden wollen, sondern situationsbedingt entscheiden möchten, in welchen Unterrichtsfächern und bei welchen Themen die Interaktiven Tafeln zum Einsatz kommen sollen.  

Im Schulunterricht selbst habe sich durch die Interaktiven Tafeln vor allem eine Aktivierung der Schüler eingestellt. Die Schüler seien deutlich motivierter und zeigten mehr Interesse am Unterricht als vorher. Die erweiterten Möglichkeiten gegenüber der Kreidetafel würden insgesamt zu einem anschaulicheren und abwechslungsreicheren Unterricht beitragen. „Individualisierte Lernformen, kompetenzorientierter Unterricht oder die Beteiligung von Schülern am Unterrichtsprozess sind nach Aussagen der Lehrkräfte durch die Whiteboardarbeit dagegen kaum berührt. Insgesamt zeigt das Board bislang seine Stärken mehr im lehrerzentrierten als im schülerzentriertem Unterricht“, heißt es dazu im Evaluationsbericht.

Neben den positiven Ergebnissen zeigt die Evaluation einige kleinere Baustellen auf, die es in der Zukunft zu beheben gilt. So wissen viele Lehrer beispielsweise nicht oder nur unzureichend um die verschiedenen Internetangebote, auf denen das digitale Unterrichtsmaterial für die Nutzung der Interaktiven Tafeln bereit gestellt wird. Die Ergebnisse zeigen hier eine vergleichsweise große Wissenskluft zwischen den qualifizierten Multiplikatoren und den Lehrern ohne entsprechende Schulung. Auch die Streuung der Lehrerantworten fällt bei dieser Kategorie vergleichsweise stark aus, so dass unterm Strich sichtbare Wissensunterschiede, hinsichtlich der verfügbaren digitalen Unterrichtsmaterialen, festgehalten werden kann. Ingo Kriebisch, Leiter des Referats Medienpädagogik am Landesinstitut für Lehrerfortbildung und  Schulentwicklung, sieht darin aber weniger ein Nichtwissen der Lehrkräfte an den Schulen, als vielmehr die Tatsache, dass Multiplikatoren meist eine höhere Affinität zu IT-Themen hätten und damit auch besser Bescheid wüssten über die verschiedenen Materialangebote im Internet. Außerdem würden die Multiplikatoren nicht ihre gesamte Schulung eins zu eins in den Schulen wiederholen, so dass ein gewisser Wissensvorsprung gegenüber den Lehrkräften nichts Ungewöhnliches sei, so Kriebisch weiter.

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04.07.2012
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Medienforschung
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