Über diesen Artikel
Datum:
11.02.2013
Quelle:
Prof. Dr. Arvid Kappas/ Dr. Dennis Küster
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URL:
https://www.digital-lernen.de/nachrichten/medienforschung/einzelansicht/artikel/gastbeitrag-roboter-in-der-lehre-mit-empathie-in-die-zukunft.html
Title:
Gastbeitrag: Roboter in der Lehre - Mit Empathie in die Zukunft
Kategorie:
Medienforschung

Gastbeitrag: Roboter in der Lehre - Mit Empathie in die Zukunft

EMOTE
© EMOTE

Prof. Dr. Arvid Kappas und Dr. Dennis Küster forschen an der Jacobs University Bremen im EU-Projekt EMOTE an einer neuen Generation von Robotern mit Wahrnehmungsvermögen, die als Ergänzung zu traditionellen Unterrichtsformen dienen sollen und empathisch mit Schülern interagieren können. Im Online-Magazin DIGITAL LERNEN stellen sie das Projekt in einem Gastbeitrag vor.

Das EU-Projekt EMOTE (EMbOdied-perceptive Tutors for Empathy-based learning) befasst sich mit neuen Wegen, Technologie im Unterricht zu nutzen. In der generellen Diskussion über die Rolle von Computern im Unterricht ist oft die Rede vom Internet, eventuell auch von spezifischen Programmen für Präsentationen oder das Arbeiten in der Gruppe. Es gibt aber auch ganz andere Möglichkeiten, die vor kurzem noch in den Bereich der Science-Fiction verortet wurden: die Verwendung von Robotern als Tutoren. Seit vielen Jahren gibt es ein Interesse an sogenannten intelligenten Tutoren, bei dem EMOTE Projekt geht es allerdings um künstliche Tutoren die über emotionale Intelligenz verfügen sollen und um die Rolle, die die Bindung von Schüler und Tutor im Unterricht spielen kann.

Gemeinsam mit Partnern in Schweden, Großbritannien und Portugal arbeitet das Bremer Team (Leitung: Prof. Arvid Kappas) daran, Robotern eine Art Grundverständnis von Emotionen und einfühlsamem Verhalten zu geben. Man geht dabei von der Annahme aus, dass Schüler mit viel Neugier und Aufgeschlossenheit auf Roboter wie den Nao zugehen können und dass sie viel aus dieser Interaktion lernen können. Möglicherweise lässt sich dieser Lerneffekt in abgeschwächter Form später auch im virtuellen Raum reproduzieren, was natürlich wesentlich breitere und kostengünstigere Einsatzmöglichkeiten erschliessen würde. Der Vergleich von physischen und virtuellen Tutoren ist daher auch ein wesentlicher Teil des Projektes.

Konkret sollen den EMOTE-Robotern einige grundlegende perzeptive und kommunikative Fähigkeiten beigebracht werden. So werden die Roboter u.a. Gesichter und Gesichtsausdrucksverhalten (z.B. Lächeln, Stirnrunzeln) interpretieren, und mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch richtig darauf reagieren können. Hierzu können die Naos auf Informationen einer tischgroßen integrierten berührungsempfindlichen Oberfläche ("touchtable") zugreifen, sowie kameragestützte Daten zur Gestik und Aufmerksamkeitszuwendung der Schüler verwenden. Während bei weitem keine menschliche Intelligenz in Bezug auf emotionale Wahrnehmung und Empathie erwartet werden kann, bildet dieses Modell jedoch sozusagen ein Grundgerüst, auf dessen Basis sich die Naos orientieren können. So können sie dann Lernhinweise geben und als Tutoren die Schüler konkret an ansonsten eher abstraktes Unterrichtsmaterial heranführen. 

Lernen lässt sich dabei als interaktiver Prozess verstehen, in dem zunächst einmal der Roboter selbst in die Lehre geht. Natürlich lernen zahlreiche Schüler schon heute mit herkömmlicher Lernsoftware, sei es in der Schule oder daheim am PC. Jedoch haben handelsübliche Lernprogramme bislang keine oder nur minimale Möglichkeiten, auf einen einzelnen Schüler und dessen Emotionen im Lerngeschehen einzugehen. Wie könnte sich dies jedoch ändern, wenn Schüler in Zukunft statt mit einer Tastatur mit einem "lebendigen", verständnisvollen und physisch präsenten elektronischem Tutor interagieren können? Unsere Absicht ist dabei ausdrücklich nicht, etwa Lehrer im Unterricht zu ersetzen. Dennoch ist bereits heute absehbar, dass sich der Markt für Lerngeräte und Lernsoftware weiterentwickeln wird. Zum Lernen mit Mitschülern, Lehrern, Büchern und PCs werden sich in Zukunft zunehmend intelligentere künstliche Systeme gesellen. Diese Entwicklung bietet einerseits großes Potential für interaktives Lernen. Andererseits befreit es Lehrer, Eltern und Wissenschaftler natürlich nicht von der Verantwortung, auch kritisch darüber zu reflektieren, wie wir Lernen und Lehren in unserer Gesellschaft - und das heißt auch im täglichen Umgang - gestalten und begleiten wollen. Was sollen Kinder aus Textbüchern lernen, was im Umgang mit Eltern, Lehrern, Mitschülern, allein am PC - oder im Umgang mit Robotern? Dieses sind Fragen, denen wir uns sicherlich besser heute als morgen öffnen sollten. Gleichzeitig sollte man auch die Chancen nicht aus den Augen verlieren, die sich durch den Einsatz intelligenter werdender Technik in Zukunft für Kinder im Unterricht bieten können.

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Datum:
11.02.2013
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Prof. Dr. Arvid Kappas/ Dr. Dennis Küster
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