Über diesen Artikel
Datum:
02.04.2012
Autor:
Sascha Steuer
Aktionen:
Drucken
URL:
https://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/kjm-diskutiert-ueber-die-anerkennung-von-jugendschutzsoftware.html
Title:
KJM diskutiert über die Anerkennung von Jugendschutzsoftware
Kategorie:
Jugendmedienschutz
KJM-Chef Siegfried Schneider     

KJM diskutiert über die Anerkennung von Jugendschutzsoftware

KJM-Chef Siegfried Schneider
KJM-Chef Siegfried Schneider     
© Bildservice BLM, {Ihr Name}

Transparenz wollte die KJM mit einer Podiumsdiskussion über die Anerkennung der zwei Jugendschutzprogramme von Telekom und JusProg herstellen. Dies schien nötig, nachdem die Anerkennung des Programms von JusProg medial heftige Kritik hervorgerufen hatte, von einem Computermagazin wurde dem Programm gar die Note 5 für mangelhaft ausgestellt. Die Anerkennung von Jugendschutzprogrammen führt durch die Regelungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages dazu, dass die Anbieter von Websites mit entwicklungsbeeinträchtigenden Inhalten ihre Alterskontrollen lockern können, da nun die auf den heimischen Computern installierte Jugendschutzssoftware den Zugang altersgerecht regelt. Solange jedoch kaum jemand eine solche Software besitzt, bedeutet die im Namen des Jugendmedienschutzes erfolgte Anerkennung der Programme eine Verschlechterung des Jugendschutzes.

Auf dem Podium im Münchner Haus der Bayerischen Landesmedienanstalt saßen neben der gut gelaunt moderierenden KJM-Leiterin Verena Weigand die Vertreter der beiden Programme, Thomas Schiemann von der Telekom und Stefan Schellenberg von JusProg, daneben Felix Barckhausen, Referatsleiter im Bundesfamilienministerium, Katharina Geiger vom Deutschen Evangelischen Frauenbund und Friedemann Schindler als Leiter von jugendschutz.net, in dessen Testlabor die Anerkennungsfähigkeit der Programme technisch geprüft wurde.

Den Auftakt machte der neue KJM-Vorsitzende Siegfried Schneider, der die Anerkennung der zwei Programme positiv hervorhob und gleichzeitig anmahnte, die technischen Defizite zu beseitigen, Anreize zur Abdeckung aller Plattformen zu schaffen und für eine maximale Verbreitung von Jugendschutzsoftwares zu sorgen. Bisher können die anerkannten Filter nur auf Windows-Rechnern installiert werden, Macs und Smartphones gehen leer aus.  Angesichts des geringen Einsatzes von Jugendschutzsoftware in den Familien müsse über eine herstellerseitige Vorinstallation der Programme auf neuen Computern nachgedacht werden, schlug Schneider vor. So wäre auf jedem Computer immer eine Jugendschutzsoftware installiert, welche von den Eltern bei Bedarf ein- oder ausgeschaltet werden könnte.

Auch Katharina Geiger, der von Verena Weigand allein die Nutzerperspektive zugeschrieben wurde, forderte eine stärkere Verbreitung ein, ehe man davon reden könne, dass „Land in Sicht sei“ – so der Titel der Veranstaltung. Geiger sagte, sie sei nicht bereit Jugendschutzsoftware gut zu heißen, solange nur zehn Prozent der Eltern sie einsetzten. Notwendig sei eine Verbreitung bei mindestens der Hälfte aller Familien. Ein Problem für eine stärkere Verbreitung erkannte Friedemann Schindler jedoch in der Qualität der Programme. Wesentlicher Hinderungsgrund sei, dass die Programme nur 80 Prozent der Websites richtig behandeln, aber nach wie vor 20 Prozent blockiert werden obwohl sie ungefährlich seien und 20 Prozent jugendgefährdender Websites trotz Filter zugänglich sind. Als neutrale Prüfinstanz überraschte Schindler mit seiner Forderung, dass mehr Unternehmen dem JusProg e.V. beitreten sollten, ihm wären weniger Programme überhaupt lieber als zu viele. Von Qualitätsverbesserungen durch Wettbewerb hält Schindler offensichtlich nicht viel.

Der Vorsitzende von JusProg, Stefan Schellenberg, relativierte die Forderung nach einer Qualitätsverbesserung des Programms, da schließlich 98 Prozent des Surfverhaltens immer auf denselben 10.000 Websites stattfände.

Wenn jedoch die Programme nicht besser werden und die Verbreitung nicht deutlich zunimmt, ist die durch die KJM-Anerkennung verbundene weitere Lockerung des Zugangs zu deutschen Erotik-Websites in Gefahr. Die unter Auflagen erfolgte Anerkennung erlaube nämlich im Moment den Erotik-Anbietern nur, Websites freizugeben, deren Inhalte ab 16 Jahren bewertet wurden. Entwicklungsbeeinträchtigende Angebote ab 18 Jahren sollen erst ab Juni 2013 frei verfügbar sein, erläutere Verena Weigand.

1 2  
Über diesen Artikel
Datum:
02.04.2012
Autor:
Sascha Steuer
Aktionen:
Drucken
URL:
https://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/kjm-diskutiert-ueber-die-anerkennung-von-jugendschutzsoftware.html
Title:
KJM diskutiert über die Anerkennung von Jugendschutzsoftware
Kategorie:
Jugendmedienschutz
KJM-Chef Siegfried Schneider     
Diesen Artikel teilen