Über diesen Artikel
Datum:
03.06.2012
Autor:
Sascha Steuer
Aktionen:
Drucken
URL:
https://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/facebook-jetzt-sind-die-kinder-dran.html
Title:
Facebook will noch mehr Nutzer: Jetzt sind die Kinder dran
Kategorie:
Jugendmedienschutz
gastautoren stift

Facebook will noch mehr Nutzer: Jetzt sind die Kinder dran

Mark Zuckerberg kann es nicht lassen. Wie das Wall Street Journal berichtet, testet Facebook derzeit einen Zugang zu seinem Netzwerk für Kinder unter 13 Jahren. Bisher sehen die Nutzungsregeln vor, dass ein Kind mindestens 13 Jahre alt sein muss, um bei Facebook ein Profil eröffnen zu dürfen. Nach jüngsten Studien schummeln sich jedoch trotzdem Millionen Minderjährige unter Zuhilfenahme falscher Altersangaben in das Soziale Netzwerk.

Laut Wall Street Journal, wird nun eine Variante geprüft, nach der der Account der Kinder mit dem Account der Eltern verknüpft werden solle. Bisher hat Facebook Accounts  für unter 13-Jährige abgelehnt, da dies schärfere Datenschutzregeln notwendig gemacht hätte. Mit einer Verknüpfung der Eltern- und Kind-Accounts wären die Eltern letztendlich für die Aktivitäten ihrer Kinder verantwortlich. Diese scheinbare „Lösung“ des Problems birgt jedoch weitere Risiken. So würde Facebook einmalige Einblicke in die Interaktion von Familien und damit in die kleinste soziale Einheit unserer Gesellschaft erhalten, die aus guten Gründen des besonderen Schutzes bedarf. Ob die Verknüpfung des Nutzerverhaltens von Kindern und Eltern überhaupt mit dem deutschen Datenschutzrecht vereinbar ist, wäre zunächst zu prüfen.

Erst vor Kurzem warnte der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftraget Dr. Thilo Weichert vor dem Einsatz von Facebook in der Schule. Die Initiative von Facebook, dass Schüler in geschlossenen Benutzergruppen miteinander Dokumente, Aufgaben und Texte tauschen können, nannte Weichert  „frech, zumal das Unternehmen weiß, dass zumindest in Europa dem der Datenschutz entgegen steht“.

In der vergangenen Woche rief Bundesfamilienministerin Kristina Schröder den Protest ihrer Kabinettskollegin Ilse Aigner hervor, als sie eine sogenannte Medienkompetenzinitiative von Facebook unterstützte. Aigner ließ erklären, dass sich das Bundesverbraucherministerium „bewusst dagegen entschieden hat, an dieser PR-Kampagne zu beteiligen“. Wenn Facebook wirklich etwas für Kinder und Jugendliche tun möchte, könne das Unternehmen endlich die Datenschutz- und Sicherheitseinstellungen verbessern, so das Ministerium. Das Verbraucherschutzministerium forderte Facebook auf, über einen eigenen, besonders jugendschutzgerechten Bereich seines Angebots nachdenken, die Gesichtserkennung nur mit aktiver Freischaltung zuzulassen, eine Datenerhebung über den "Gefällt-mir-Button" nur zuzulassen, wenn dieser angeklickt wird. Außerdem sollte die Erhebung von Daten Dritter, die Facebook gar nicht nutzen, durch den Freunde-Finder abgeschaltet werden. Gegen den Freunde-Finder hatte die Verbraucherzentrale jüngst einen Etappensieg vor dem Landgericht Berlin errungen, allerdings ist Facebook in Berufung gegangen.

Über diesen Artikel
Datum:
03.06.2012
Autor:
Sascha Steuer
Aktionen:
Drucken
URL:
https://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/facebook-jetzt-sind-die-kinder-dran.html
Title:
Facebook will noch mehr Nutzer: Jetzt sind die Kinder dran
Kategorie:
Jugendmedienschutz
gastautoren stift
Weiterführende Links
Diesen Artikel teilen