Über diesen Artikel
Datum:
07.02.2013
Autor:
Sven Becker
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URL:
https://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/eu-kids-online-was-kinder-und-jugendliche-online-beunruhigt.html
Title:
EU Kids online: Was Kinder und Jugendliche online beunruhigt
Kategorie:
Jugendmedienschutz
redaktion sven becker

EU Kids online: Was Kinder und Jugendliche online beunruhigt

KIND
© Ft_photogr, dreamstime.com

Das Projekt EU Kids Online fragt danach, wie Kinder und Jugendliche in Europa das Internet nutzen. Jetzt ist ein Zwischenbericht erschienen, der Kinder und Jugendliche zu Wort kommen lässt und die Frage beantworten will: „What bothers children online?“ Die Autoren heben hervor, dass es nur wenig systematische und vergleichende Forschung dazu gebe, wie Kinder und Jugendliche das Leben mit dem Internet selbst wahrnehmen. Der Bericht will dazu beitragen diese Lücke zu schließen. Die darin vorgestellten Ergebnisse basieren auf standardisierten Fragen aus der 2010 EU Kids Online-Umfrage und insbesondere auf Antworten auf eine offene Frage: „Welche Dinge im Internet beunruhigen Menschen in deinem Alter?“ Mit dieser Frage wurde beabsichtigt, herauszufinden, welche Online-Risiken Kinder und Jugendliche als am höchsten einschätzen und wie sie sie beschreiben, ob sie über Dinge besorgt sind, die noch nicht politisch thematisiert werden, und ob ihre Sorgen sich hinsichtlich ihres Alters, Geschlechts und ihrer Erfahrung unterscheiden.

Fast 10 000 Kinder und Jugendliche erzählten in der Befragung, was sie und ihre Freunde online beunruhigt. Sie gaben vielfältige Antworten und legten eine ganze Reihe von Bedenken offen. Pornografie (22 Prozent) und Gewalt (18 Prozent) wurden am häufigsten genannt. Insgesamt scheinen Jungen häufiger von Gewalt belästigt zu werden, während Mädchen öfter Risiken ansprechen, die im Zusammenhang mit Sozialkontakten stehen. Gewalt erhält zwar weniger öffentliche Aufmerksamkeit als sexuelle Belange, doch viele Kinder zeigen sich besonders angesichts gewalttätiger, aggressiver oder blutiger Online-Inhalte betroffen. Sie sprechen von Schock und Ekel beim Anblick von Grausamkeit, Tötungen, Missbrauch von Tieren; auch Nachrichtensendungen werden genannt, denn hier ist die Gewalt real und nicht fiktiv, was zu tieferen emotionalen Reaktionen führt. Wie die Kinder und Jugendlichen erzählten, seien Video-Sharing-Websites oft mit gewalttätigen und pornographischen Inhalten sowie einer Reihe weiteren inhaltsbezogenen Risiken verbunden. So antwortete beispielsweise ein neunjähriges Mädchen aus Großbritannien: „YouTube. Die Ergebnisse, die sofort erscheinen, sobald man nach der Seite sucht. Facebook zeigt beängstigende Dinge, selbst wenn man auf etwas klickt, das weder beängstigend aussieht oder klingt.“ Unter den Kindern, die diese Risiken auf bestimmte Internet-Plattformen bezogen, nannten 32 Prozent Videoseiten wie YouTube, 29 Prozent nannten Websites, 13 Prozent Social Networking Seiten und 10 Prozent von ihnen führten Spiele an. Die Erwähnung von Risiken in den Antworten steigt deutlich bei den neun bis 12-Jährigen. Während jüngere Kinder eher über Inhalte und andere Risiken sprachen, erwähnen die Älteren vermehrt Risiken, die mit dem Verhalten im Netz und dem Umgang mit Kontaktdaten verbunden sind. Dabei spielen Social-Networking-Sites wie Facebook eine prominente Rolle.

Anfang 2006 wurde das Projekt von der Europäischen Kommission im Rahmen des Safer Internet Plus Programms bewilligt. Diese internationale Vernetzungsinitiative bündelt die europaweit verfügbaren Daten zur Mediennutzung von Kindern, vermittelt internationale Kooperationspartner und identifiziert auf dieser Grundlage den Forschungsbedarf. Zurzeit sind 32 europäische Länder an dieser Initiative beteiligt.

In der ersten Projektphase von 2006 bis 2009 wurde zunächst eine Bestandsaufnahme ermittelt. Im Juni 2009 startete das Folgeprojekt EU Kids Online II. In dieser Phase wurde eine europaweite Repräsentativbefragung zur sicheren Internetnutzung von Heranwachsenden durchgeführt. Dazu wurden 25 000 Kinder und Jugendliche im Alter von neun bis 16 Jahren sowie deren Eltern aus 25 europäischen Ländern befragt. Die dritte Phase des Projekts läuft seit November 2011. Die in EU Kids Online I angelegte Datenbank mit Studien zur Onlinenutzung von Kindern in Europa wird darin aktualisiert und erweitert. Außerdem werten die Forscher die Daten aus der europaweiten Repräsentativbefragung aus. In ausgewählten Ländern werden zudem qualitative Interviews zum Risikoverständnis von Kindern durchgeführt.

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07.02.2013
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Sven Becker
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EU Kids online: Was Kinder und Jugendliche online beunruhigt
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