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Datum:
26.07.2010
Autor:
Redaktion
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URL:
https://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/debatte-loeschen-oder-sperren-pornografischer-internetseiten.html
Title:
Debatte: Löschen oder Sperren pornografischer Internetseiten
Kategorie:
Jugendmedienschutz
gastautoren stift

Debatte: Löschen oder Sperren pornografischer Internetseiten

Nach dem Missbrauch Minderjähriger durch Minderjährige während des Aufenthalts in einem Ferienlager hat die bayerische Justizministerin Beate Merk die Diskussion um das Löschen oder Sperren pornografischer Internetseiten neu in Gang gebracht. Sie machte die FDP mit verantwortlich dafür, dass heute noch pornografische Inhalte im Internet frei zugänglich seien. Die FDP verhindere im Wesentlichen das Sperren von Seiten, bestünde stattdessen auf dem Löschen. Hierfür fehlt es allerdings an den Rahmenbedingungen, wie auch eine neue Studie des Bundeskriminalamtes bestätigt.

Da die meisten Seiten auf Servern im Ausland liegen, können Internetseiten nicht einfach so gelöscht werden. Beim Bundeskriminalamt gingen in diesem Jahr nur 20 direkte Löschungsbestätigungen ein, hauptsächlich aus der Russischen Föderation. Laut einer internen BKA-Studie, die der WELT vorliegt, stehen die meisten Server in Russland, den USA und Niederlanden. Die Fahnder können demnach die zuständigen Provider wegen Untervermietung oder Umleitungen ins Ausland oft nur schwer ermitteln, heißt es in der Expertise. Bis zur Löschung blieben die Seiten ohnehin weiter abrufbar und die Nutzerzahlen seien „immens“. Laut WELT komme das Papier zu dem Ergebnis, dass dies zu einer „Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ führe. Einen Teil der Informationen bestätigte das BKA jetzt auf seiner Website. Die Seiten müssten bis zu ihrer Löschung gesperrt werden. Aber diese Diskussion wurde bereits rund um das Sperrgesetz der Bundesregierung eingehend geführt. Wer darf wann welche Seiten sperren, ist bis heute die umstrittene Frage.

Auch die CDU rückt immer mehr von ihrem Sperr-Gesetz ab, so bekräftigt nun der der stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Bundestag Michael Kretschmer auf Blogfraktion "das Löschen dieser abscheulichen Inhalte das erste Mittel der Wahl, auch wenn wir dazu womöglich einen langen Atem brauchen. Alle Kräfte müssen nach wie vor in die Löschung der Seiten investiert werden, eine Sperre ist nur eine Scheinlösung, weil sie allzu leicht zu umgehen ist".

Auch ist die Frage ob Ermittler angesichts der Größe des Internets überhaupt in der Lage sein können, das Problem zu bewältigen. Die Anzahl der neuen Internetseiten steigt jährlich um über 30%, allein die Anzahl der in Deutschland registrierten Domains lag laut denic Ende April 2010 bei über 13 Millionen und die .com Domains bei 87 Millionen. Unter den Domains versammeln sich hunderte von Seiten, es kann weltweit von etwa 8 Milliarden Internetseiten ausgegangen werden. Allein im Bereich Pornografie gibt es etwa 560 Millionen jugendgefährdende Internetseiten, davon wiederum etwa 13 Millionen Internetseiten mit kinderpornografischen Inhalten.

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26.07.2010
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