Über diesen Artikel
Datum:
03.08.2011
Autor:
Sascha Steuer
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URL:
https://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/datenschuetzer-fordert-ende-der-automatischen-facebook-gesichtserkennung-update.html
Title:
Datenschützer fordert Ende der automatischen Facebook-Gesichtserkennung - Update
Kategorie:
Jugendmedienschutz
Johannes Caspar     

Datenschützer fordert Ende der automatischen Facebook-Gesichtserkennung - Update

Johannes Caspar
Johannes Caspar     
© Thomas Krenz, HmbBfDI

Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte, Prof. Dr. Johannes Caspar, hat Facebook aufgefordert, die über die Gesichtserkennung gespeicherten biometrischen Daten der Nutzer zu löschen. Die Gesichtserkennung war zunächst in den USA getestet worden und ist sein Anfang Juni auch in Europa in Betrieb, den Nutzern wurde dies nicht explizit mitgeteilt, geschweige denn auf die Möglichkeit des Abschaltens hingewiesen. Derzeit wird jeder auf einem Foto markierte Nutzer in der Datenbank erfasst, der der Speicherung seiner Fotoinformationen nicht ausdrücklich widerspricht. Die Funktion der Gesichtserkennung müsse an europäische und nationale Datenschutzstandards angepasst oder abgeschaltet werden, fordert Caspar nun. Er beobachtet die Aktivitäten von Facebook und Google schon länger. Da beide Unternehmen ihren deutschen Sitz in Hamburg haben, ist er quasi zuständig.

„Wir haben Facebook wiederholt aufgefordert, die Funktion der Gesichtserkennung abzuschalten und die bereits gespeicherten Daten zu löschen. Sollte Facebook diese Funktion weiterhin aufrechterhalten, muss sichergestellt werden, dass nur Daten von Personen in die Datenbank eingehen, die zuvor wirksam ihre Einwilligung zur Speicherung ihrer biometrischen Gesichtsprofile erklärt haben. Die automatische Gesichtserkennung ist ein schwerer Eingriff in das informationelle Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen. Das muss auch ein global agierendes Unternehmen berücksichtigen. Daher darf Facebook nicht lediglich auf ein intransparentes Widerspruchsverfahren verweisen. Eine selbstbestimmte Entscheidung macht die Einwilligung des informierten Nutzers erforderlich. Facebook sollte dies erkennen und unseren Forderungen schnell nachkommen“, erklärt Caspar in kaum zu überbietender Klarheit.

Die Gesichtserkennung dient zur automatischen Erkennung von Freunden, die auf Fotos der Nutzer abgebildet sind. Hierfür wertet Facebook die von Nutzern auf ihren Fotos markierten Gesichter nach biometrischen Merkmalen aus und speichert sie. So entsteht die vermutlich weltweit größte Datenbank mit biometrischen Merkmalen einzelner Personen. Lädt ein Nutzer neue Fotos hoch, folgt ein Abgleich mit diesen Informationen. Sobald die Software auf diesen Fotos Übereinstimmungen mit Freunden erkennt, wird automatisch ein Vorschlag für die namentliche Markierung der erkannten Person generiert. Bedenklich ist dabei, dass Facebook für diese Funktion im Hintergrund eine Datenbank zur Gesichtserkennung mit Millionen von Nutzern aufbaut. Bei einer Gesamtzahl von über 75 Milliarden hochgeladener Fotos wurden bisher nach Angaben von Facebook mehr als 450 Millionen Personen getaggt. Schätzungen zu Folge werden pro Sekunde mehr als 1.000 Namens-Taggs eingetragen.

Facebook hat gegenüber der Hamburger Datenschutzbehörde schriftlich mitgeteilt, dass nach Abschalten dieser Funktion auch eine Löschung der biometrischen Daten erfolge. Laut Facebooks Online-Hilfesystem werden damit aber lediglich die Markierungsvorschläge unterdrückt. Es ist davon auszugehen, dass die biometrischen Daten gespeichert bleiben. Wenn Nutzer ihre bereits gespeicherten biometrischen Informationen löschen wollen, müssen sie zunächst das Online-Hilfesystem durcharbeiten. Darin wird zur Löschung der biometrischen Daten ein Weg über die Privatsphäre-Einstellungen gewiesen. Die entsprechende Funktion „Daten aus Fotovergleich löschen“ existiert jedoch nicht. An einer anderen Stelle im Hilfesystem findet sich ein Link, über den der Nutzer das „Facebook Foto-Team“ kontaktieren kann. Dort soll er um die Entfernung aller bisher über ihn selbst in der biometrischen Datenbank gespeicherten Fotoinformationen bitten.

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03.08.2011
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