Über diesen Artikel
Datum:
21.03.2011
Autor:
Redaktion
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URL:
https://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/berliner-schulen-nach-internet-drohungen-geraeumt-was-tun-gegen-cyber-mobbing.html
Title:
Berliner Schulen nach Internet-Drohungen geräumt - Was tun gegen Cyber-Mobbing?
Kategorie:
Jugendmedienschutz
gastautoren stift

Berliner Schulen nach Internet-Drohungen geräumt - Was tun gegen Cyber-Mobbing?

gossip
© Sascah Steuer, digital-lernen.de

Zwei Berliner Schulen mussten in der vergangenen Woche nach Amokdrohungen im Internet geräumt werden. Am Zehlendorfer Schadow-Gymnasium fiel der Unterricht gar zwei lang aus, das Thema beherrschte die Titelseiten der Berliner Tageszeitungen. Die Drohungen wurden auf der Internetseite isharegossip.com online gestellt. Die Übersetzung von Gossip mit Klatsch, Tratsch oder Geschwätz wird allerdings der Seite nicht gerecht. Tatsächlich ist die Seite eine Sammlung tausender übelster Beschimpfungen, Drohungen und extremistischen Äußerungen und das alles in schlechtestem Deutsch, vergleichbar den hingeschmierten Halbsätzen auf Herrentoiletten. Jedem normalen Leser wird davon nach einer Minute entweder übel oder langweilig. Ob es angemessen war, nach den Drohungen auf dieser Seite wirklich Schulen zu räumen, müssen die Sicherheitsbehörden entscheiden.

Es ist fraglich, ob jeden Tag Schulen geräumt werden können, weil sich Schüler anonym einen Spaß daraus machen, wilde Drohungen auszustoßen. Doch neben der rechtlichen Frage, muss vor allem darüber nachgedacht werden, wie mit diffamierenden Internetseiten gesellschaftlich umgegangen werden sollte. Während nun die einen Schulen das Verhalten im Internet zum Unterrichtsthema machen, drohen andere Schulen ihren Schülern schlicht mit strafrechtlichen Konsequenzen. Letzteres ist jedoch schwer durchzusetzen, denn der Computer, auf dem isharegossip.com gehostet wird, steht in Schweden.

Die Schulen werden nicht umhin kommen, Internetkompetenz zu einem übergeordneten Thema aller Unterrichtsfächer zu machen. Gleichzeitig müssen die Schulen mit gutem Beispiel voran gehen und ihre eigenen Rechner frei von Pornografie, Gewalt und Extremismus halten, nur so sind sie letztlich glaubwürdig. Doch häufig fehlt es an Lehrern die das Thema aktiv aufgreifen, in den meisten Bundesländern bleibt es den Schulen selbst überlassen, ob sie sich ein zeitgemäßes Medienkonzept geben und intensiv mit den Schülern die digitalen Medien nutzen. Dabei sind Amokdrohungen nur die Spitze des Eisbergs. Kopierte Hausarbeiten und Referate, Online-Benotungen von Lehrern, kursierende Abiturprüfungsaufgaben, Facebookchats während des Unterrichts, diskreditierende Youtube-Videos sind doch seit Jahren an der Tagesordnung. Politik und Schulen hätten aufwachen sollen bevor die mit Gewalt bedroht werden, Bildung ohne Vermittlung von Internetkompetenz im 21. Jahrhundert - Undenkbar.

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21.03.2011
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Berliner Schulen nach Internet-Drohungen geräumt - Was tun gegen Cyber-Mobbing?
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