Über diesen Artikel
Datum:
19.01.2011
Autor:
Sascha Steuer
Aktionen:
Drucken
URL:
https://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/augen-auf-bei-kinderseiten-im-internet.html
Title:
Augen auf bei Kinderseiten im Internet
Kategorie:
Jugendmedienschutz
gastautoren stift

Augen auf bei Kinderseiten im Internet

KIND
© Ft_photogr, dreamstime.com

Viele Eltern wissen nicht, was ihre Kinder im Internet tun, zu diesem Ergebnis kam erneut die jüngst veröffentlichte Studie „EU Kids Online“. Doch auch kritische Eltern, die ihre Kinder vor allem auf sogenannten Kinderseiten surfen lassen, sollten aufpassen. Nicht jede Internetseite die im Gewand einer Kinderseite daherkommt, ist unproblematisch und in jeder Hinsicht auch für Kinder geeignet. Eltern sollten immer genau hinschauen, dies rät auch der Bundesverband der Verbraucherschutzzentralen. Im Dezember 2010 testete die Verbraucherschutzzentrale NRW beispielsweise Weihnachtskalender im Netz. Das Ergebnis: Die Kinder müssen fast ausnahmslos mehr Daten preisgeben, als die Verbraucherzentrale für erforderlich hält. Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale NRW reicht es für eine Gewinnbenachrichtigung völlig aus, nach der E-Mail-Adresse und gegebenenfalls einem Kennwort zu fragen. Doch häufig, so das Ergebnis der Stichprobe, nutzen Firmen die Unerfahrenheit und Spielfreude von Kindern aus, um an weitere persönliche Daten zu gelangen.

Dies ist kein Einzelfall: Immer wieder vermischen sogenannte Kinderseiten gute Angebote mit gezielter Werbung für Kinder. Eine Ausnahme bildet die Kindersuchmaschine „Blinde Kuh“. Hier finden die Kinder gute Links, die Seite selbst ist frei von Werbung. Entstanden ist Blinde Kuh als private Initiative, die Ende der 90er Jahre Kindern eine Auswahl guter Internetseiten zur Verfügung stellen wollte. Heute wird die Seite vom Bundesfamilienministerium bezuschusst.

Eigentlich ist auch „Helles Köpfchen“ , für die eine Agentur verantwortlich ist, eine empfehlenswerte Seite, auf der Kinder vielfältige Informationen über eine große Anzahl von Themengebieten bekommen. Allerdings wird die Seite auch durch zum Teil sehr aufdringliche Werbung mitfinanziert. Es ist unerfreulich, dass die Suchmaschine von Helles Köpfchen, oft zu Informationen führt, die von Werbeeinblendungen unterbrochen werden. Kritisch zu sehen ist auch die grafisch gut aufgemachte Suchmaschine „FragFinn“, die 2007 als öffentlich geförderter geschützter Surfraum für Kinder startete, aber mittlerweile auch zu einem Werbekanal geworden ist. Die Suchergebnisse führen oft zu Produktwerbung. Im Gegensatz zu Helles Köpfchen oder Blinde Kuh gibt es auf FragFinn keine eigenen Informationen oder redaktionellen Texte.

DIGITAL-LERNEN.DE hat die drei Kinderseiten getestet. Das Suchwort „Maus“ führt bei Blinde Kuh u.a. zu Informationen über die mongolische Rennmaus, Bilder von echten Mäusen und einer Geschichte der Gebrüder Grimm über Katz und Maus in der Gesellschaft. Auf Helles Köpfchen findet sich erstaunlicherweise als erstes ein Artikel über eine Computermaus, der zweite Link führt zu Micky Maus, der dritte zu Diddl - die Produktwerbung steht im Vordergrund. Bei FragFinn findet das Kind zahlreiche Adressen zu Fernsehsendungen oder Heften, wie Micky Maus. Links zu der Sendung mit der Maus dominieren die Suchergebnisse; eine Informationsseite über Mäuse findet man erst weit hinten in der Adressenliste.

Dass die Vermischung von Inhalten und Werbung auf Kinderseiten als Problem erkannt ist, zeigen Stellungnahmen von staatlichen und halbstaatlichen Stellen. So heißt es im aktuellen Ratgeber des Bundesfamilienministeriums: „Kinder können Online-Werbung nicht gut erkennen. Daher sollten Kinderseiten möglichst überhaupt keine Werbung enthalten. Redaktionelle Inhalte dürfen nicht mit Werbung vermischt sein.“ Dem entgegen erklärt gleichzeitig die halbstaatliche Stelle Jugendschutz.net im AJS-Forum: „Ein vielfältiges und attraktives Kinderangebot im Netz ist ohne Werbung auf Kinderseiten nicht möglich. Nur die Kinderangebote der Öffentlich-Rechtlichen Rundfunksender, staatlich finanzierte Stellen oder von engagierten Privatpersonen können auf die Einnahmen durch Werbung verzichten.

1 2  
Über diesen Artikel
Datum:
19.01.2011
Autor:
Sascha Steuer
Aktionen:
Drucken
URL:
https://www.digital-lernen.de/nachrichten/jugendmedienschutz/einzelansicht/artikel/augen-auf-bei-kinderseiten-im-internet.html
Title:
Augen auf bei Kinderseiten im Internet
Kategorie:
Jugendmedienschutz
gastautoren stift
Weiterführende Links
Diesen Artikel teilen