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Datum:
29.10.2013
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https://www.digital-lernen.de/nachrichten/diverses/artikel/wenn-alle-senden-denkt-niemand-mehr-nach.html
Title:
Wenn alle senden, denkt niemand mehr nach
Kategorie:
Gastbeitrag / Interview

Wenn alle senden, denkt niemand mehr nach

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© F. Gopp / pixelio.de

Beate Großegger ist stellvertretende Vorsitzende und wissenschaftliche Leiterin des Instituts für Jugendkulturforschung in Wien. Sie ist promovierte Kommunikationswissenschafterin und seit 1996 in der Jugendforschung tätig. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind: Medien und Kommunikationstechnologien, Jugendkulturen und Lifestyles, Jugend und Politik, Jugend und Arbeitswelt, Jugend und soziale Ausgrenzung sowie Methoden qualitativer Sozialforschung.

Onlinekommunikation ist aus dem Alltag Jugendlicher kaum mehr wegzudenken. Internet und Smartphone sind für sie nahezu ebenso selbstverständlich geworden wie der Fernseher, der Kühlschrank oder die Waschmaschine. Die breite Mehrheit ist mit digitalen Medien aufgewachsen und integriert Onlinekommunikation oft bereits von frühem Kindesalter an in das persönliche Kommunikationsrepertoire. Dass diese Jugendlichen anders ticken als der Durchschnitts­erwachsene, ist bekannt. Sie sind intuitive Technologienutzer ohne große Berührungsängste gegenüber Neuem. Ihre Interessen gehen meist weit über Online-Recherche, Email-Korrespondenz und Standardanwendungen von Microsoft Office hinaus. Sie stellen sich auf Innovationen, die der Informations-, Kommunikations- und Unterhaltungstechnologie-Sektor bietet, schnell ein. Und sie erwerben Anwendungskompetenz, oft ohne eine spezielle Einschulungshilfe zu benötigen – einfach indem sie sich nach dem „Trial-and-error-Prinzip“ an neue „Tools“ heranarbeiten oder mit den Peers austauschen und sich auf ein gemeinsames „learning by doing“ verständigen.

Was die jugendlichen „Onliner“ auszeichnet, ist, dass sie das Internet als ein multimodales Angebot sehen, das Inhalte „nicht langweilig“ vermittelt, indem es Text, Ton, Grafiken, Fotos und Bewegtbilder miteinander verknüpft, das aber auch Kommunikationsräume öffnet und, von YouTube über Facebook bis Instagram und Tumblr, zudem neue Selbstdarstellungs-, Gestaltungs- und Beteiligungsmöglichkeiten bietet. Kurzum, das Internet ist für Jugendliche ein multifunktionaler Allrounder: Informationsmaschine, Kommunikationsplattform, Musik­rezeptionsmedium, Recherchetool und – nicht zu vergessen – im schulischen Kontext oft auch so etwas wie eine Lernhilfe. Letzteres hat man im Bildungsbereich erkannt und man versucht, diese Erkenntnis natürlich auch zu nutzen. Tatsächlich bietet die Onlinekommunikation heute viele neue Möglichkeiten, Lehr-Lernprozesse für junge „Onliner“ attraktiv zu gestalten und die zu vermittelnden Inhalte für zeitsouveränes Lernen freizugeben. Zugleich entstehen aber auch neue Herausforderungen. Dazu zwei Thesen.

These 1: Die Generation Web 2.0 treibt in einem Strom digitaler Echtzeitkommunikation und wird in ihrem Denken und Handeln davon mittlerweile stark geprägt. Schnelle, kleine Informationshappen liegen im Trend. Immer erreichbar und ständig connected zu sein, gilt als Leitwert. „Nein, jetzt nicht!“ sagen zu lernen, ist in diesem Szenario ein Teilaspekt von Medienkompetenz, den sich viele erst mühsam erarbeiten müssen.

Dass das Web 2.0 bei der heutigen Jugend massiv punktet, ist für all jene, die zum Thema „Jugend und Medien“ arbeiten, nicht neu. Die breite Mehrheit der Jugendlichen liebt es, im Web 2.0 aus dem eigenen Leben zu erzählen, den persönlichen Alltag mit Bildern und kurzen Texten in Echtzeit zu dokumentieren oder mit Postings ein persönliches Statement zu allen möglichen und auch unmöglichen Themen und Ereignissen abzugeben. Die so genannte „Generation Web 2.0“ ist ständig connected, x-fach vernetzt und auch fast permanent damit beschäftigt, sich online in Szene zu setzen – nicht zuletzt deshalb, weil sie glaubt, das gehöre heute irgendwie dazu. Daher bleibt das Smartphone bei vielen nachts eingeschaltet – sie stellen ihr Handy oft nicht einmal auf lautlos – und so kommt über WhatsApp nicht selten auch noch weit nach Mitternacht die eine oder andere Nachricht rein, meist mit eher banalem Inhalt.

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