Über diesen Artikel
Datum:
06.09.2013
Quelle:
Susanne Patzelt
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URL:
https://www.digital-lernen.de/nachrichten/diverses/artikel/soziale-netzwerke-im-unterricht.html
Title:
Soziale Netzwerke im Unterricht
Kategorie:
Gastbeitrag / Interview

Soziale Netzwerke im Unterricht

Susanne Patzelt
© Susanne Patzelt

Susanne Patzelt ist Journalistin und arbeitete von 2002 bis 2004 in der Nachrichtenredaktion von Lehrer-Online. In ihrem Beitrag schreibt sie darüber, warum es wichtig ist Soziale Netzwerke im Unterricht zu thematisieren.

Facebook, Twitter und andere soziale Netzwerke sind längst mehr als nur eine Spielwiese von Jugendlichen, sie haben sich inzwischen als wichtige Recherche- und Marketinginstrumente in der Arbeitswelt etabliert. Auch für den Unterricht gibt es vielfältige Möglichkeiten, das kommunikative, politische, berufliche und kreative Potenzial des Social Web zu nutzen. Dabei können sowohl die Risiken als auch die Chancen der Sozialen Netzwerke zum Gegenstand des Unterrichts werden.

Weltweit sind über eine Milliarde Menschen Mitglied in einer Netzgemeinschaft, so genannten Communities. Die sozialen Medien dienen ihnen als Plattform der Selbstdarstellung und der Kommunikation und ersetzen in jüngster Zeit zunehmend konventionelle Internetanwendungen oder Büroverwaltungs-Software. Pioniere von Facebook, YouTube, Twitter und ähnliche Diensten waren von Beginn an die "digital natives", die Generation, die von Kindesbeinen an mit digitalen Medien und dem Internet vertraut ist. Medien, Unternehmen und die Politik folgten den jungen Trendsettern in die Communities und haben inzwischen Arbeits- und Marketingtechniken entwickelt, die spezifisch auf die Bedürfnisse und Kommunikationsformen der Netzgemeinschaften zugeschnitten sind. Auf politischer Ebene spielen Social Media in Bürgerbewegungen eine immer wichtigere Rolle. Das Schneeballprinzip der Netzwerke ermöglicht es, Informationen rasant zu verbreiten und gemeinschaftliches Handeln zu organisieren.

In den letzten Jahren konnte man beobachten, wie Inhalte des Internets zunehmend in die sozialen Netzwerke verlagert werden: Webpräsenzen, Werbung, Spiele oder E-Mail-Funktionen. Dies hat auch negative Folgen. Das dezentral angelegte World Wide Web erfährt gerade eine Phase der Monopolisierung, da immer mehr Fäden bei den sozialen Netzwerken zusammenlaufen. Viele Medienkritiker sehen die Freiheit des Netzes und die Autonomie der User durch die intransparenten Geschäftsmodelle der Betreiber der Sozialen Netzwerke bedroht und insbesondere Jugendliche relativ schutzlos den Unternehmensinteressen ausgesetzt.

Der Großteil der Bildungsmedien konzentriert sich in Publikationen auf die Gefahren der Sozialen Netzwerke als Thema für den Unterricht. Datenschutzbestimmungen und ein bewusster Umgang mit persönlichen Daten, Missbrauch von Informationen aus Userprofilen, versteckte Werbebotschaften oder Mobbing sind Themen typischer Lerninhalte, die Schülerinnen und Schüler befähigen sollen, kompetent den Fallstricken der virtuellen Gemeinschaften die Stirn zu bieten. Solche Orientierungshilfen sollen sie in die Lage versetzen, die Risiken der Sozialen Netzwerke möglichst gering halten zu können.

Wer jedoch nur die möglichen Gefahren als Thema für den Unterricht im Blick hat, verkennt das große Potenzial, das Soziale Netzwerke für die Gestaltung eines abwechslungsreichen Unterrichts bieten. Richtet man seine Aufmerksamkeit auf die positiven Aspekte des Social Web, lassen sich gerade hier besonders spannende Unterrichtsprojekte realisieren: zum Beispiel Mitstreiter für Umweltaktionen in der Gemeinde finden, Experten oder Betroffene über Facebook-Gruppen als Interviewpartner rekrutieren, Kurzprosa im 140-Zeichen-Twitterformat schreiben, Marketing für die eigene Schülerfirma betreiben, Echtzeit-Debatten mit einem Kommunalpolitiker führen oder als Trendscout gesellschaftliche Strömungen aufspüren. Insbesondere auf dem Gebiet der empirisch-quantitativen Informationsgewinnung und im Bereich der argumentativen Kommunikation leisten Soziale Netzwerke gute Dienste.

Es gibt eine Reihe geeigneter Unterrichtsthemen und Aufgabenstellungen rund um die Sozialen Netzwerke, von denen ich hier nur einige zur Inspiration auflisten will.

  • Partizipation und Engagement im Netz: demokratische Teilhabe durch Bildung von virtuellen Interessensgemeinschaften
  • Kommunikations- und Streitkultur, dialogisches Schreiben, Moderationstechniken (auch im Fremdsprachenunterricht)
  • Gesprächspartner und Unterstützer finden und ansprechen
  • glaubwürdige Selbstdarstellung und Präsentation eigener Stärken als Teilaspekt einer Bewerbung
  • Marketingaspekte und Unternehmenskommunikation in sozialen Netzwerken als Berufsvorbereitung und Erwerb von Social Skills im Arbeitsleben
  • Gesprächsanlässe und kreatives Verfassen von Kurztexten (Twitter)
  • Datenschutz, Umgang mit persönlichen Daten im Netz
  • Mobbing und fairer Umgang im Netz
  • Exzessive Internetnutzung und Online-Sucht
  • Präsentation von Arbeitsergebnissen, Kreative multimediale Informationsaufbereitung
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06.09.2013
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Susanne Patzelt
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Soziale Netzwerke im Unterricht
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