Über diesen Artikel
Datum:
12.07.2013
Autor:
Thorsten Greb
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/technik/einzelansicht/artikel/schummeln-bis-der-detektor-kommt.html
Title:
Schummeln bis der Detektor kommt
Kategorie:
Technik
Schummeln mit dem Smartphone     

Schummeln bis der Detektor kommt

Schummeln mit dem Smartphone
Schummeln mit dem Smartphone     
© neolern GmbH, Thorsten Greb

Schüler lassen sich allerhand einfallen, wenn es ums Schummeln in Prüfungen geht. Mal werden handschriftliche Notizen vor Prüfungsbeginn auf der Toilette versteckt, um diese dann beim Besuchen der selbigen hervorzuholen, mal werden die Markenetiketten von Getränkeflaschen so umgestaltet, dass anstelle der Nährstofftabelle eine Formelsammlung abgebildet ist. Der Griff zur Flasche dient dann nicht nur der Flüssigkeitszufuhr, sondern auch der Wissensauffrischung. So funktionierte spicken, bevor Smartphones und andere technische Alleskönner im Hosentaschenformat die Möglichkeiten des Schummelns grundlegend veränderten. Heute ist vieles anders: Wozu einen Zettel handschriftlich beschreiben, der ohnehin zu klein ist, um sich im Vorfeld den kompletten Prüfungsstoff zu notieren, wenn man mit einem internetfähigen Smartphone Zugang zum gesammelten Wissen der Menschheit hat.

Das elektronische Schummeln ist inzwischen zum handfesten Problem geworden, denn es stellt die Schulen vor viele neue Herausforderungen. Während sich analoge Schummeleien durch aktives Aufsichtspersonal verhältnismäßig effektiv unterbinden lassen, ist das bei einem Smartphone schon etwas schwieriger, möchte man die Privatsphäre und Würde der Schülerinnen und Schüler nicht wegen einer Ganzkörperdurchsuchung vor Prüfungsbeginn opfern. Und die Ansage der Lehrerinnen und Lehrer, die Handys bitte während der Prüfung auszuschalten oder diese vor Prüfungsbeginn abzugeben, scheren den ambitionierten Schummler herzlich wenig, schließlich verfügen die mobilen Alleskönner über eine Stummfunktion.

Schulen, Lehrer, Behörden und die Politik wissen längst um diese Situation - schnelle Lösungen oder Patentrezepte gibt es allerdings nicht. Als eine Möglichkeit, diesem Problem entgegentreten, sind daher immer wieder sogenannte Handy-Detektoren im Gespräch, die in der Lage sind, aktivierte Mobilfunkgeräte auszuspüren. Damit ließe sich feststellen, ob sich im Prüfungsbereich angeschaltete Smartphones oder Handys befinden. Und auch wenn der Gedanke, Ortungstechnik vor und während Prüfungen einzusetzen, seine Befürworter in Schulen und in der Politik findet, bleiben viele, zuweilen auch kritische Fragen offen. Kritiker lehnen den Einsatz von Ortungstechnik als unverhältnismäßig ab. Worum sich die Diskussion im Kern dreht, lässt sich aktuell in Schleswig-Holstein nachvollziehen. Hier setzt sich der Landtag seit geraumer Zeit intensiv mit diesem Sachverhalt auseinander.

Das von SPD geführte Bildungsministerium in Kiel spricht sich bislang gegen den Einsatz von Handy-Detektoren in Schulen aus. Hierfür fehle es an rechtlichen Grundlagen, teilte das Bildungsministerium auf eine parlamentarische Anfrage hin mit. Erst im Februar 2013 untersagte das Ministerium einer Schule, welche zwei dieser Detektoren zuvor in Abschlussprüfungen in Betrieb genommen hatte, die weitere Nutzung. Unterstützung erhalten die Sozialdemokraten unter anderem von der Landtagsfraktion der Piratenpartei. „Der Einsatz von Technik zur Feststellung von aktivierten Mobilfunkgeräten stellt alle Schülerinnen und Schüler unter den Generalverdacht des vorsätzlichen Betrugs und muss abgelehnt werden“, heißt es in einem Entschließungsantrag der Piratenfraktion.

Die CDU-Fraktion im schleswig-holsteinischen Landtag möchte den Schulen hingegen den Einsatz von geeigneten technischen Hilfsmitteln grundsätzlich ermöglichen, solange damit „keine persönlichen Daten“ erfasst werden. Die christdemokratische Landtagsfraktion forderte die Landesregierung daher auf, „die Schulen beim Unterbinden von Täuschungsversuchen - via mobilen Endgeräten - während einer Abschlussprüfung zu unterstützen, indem sie die Rechtsgrundlage so verändert, dass den Schulen der Einsatz von technischen Hilfsmitteln zur Feststellung von aktivierten mobilen Endgeräten ermöglicht wird“, heißt es weiter in dem Änderungsantrag der CDU-Fraktion.

Während sich die Debatte im Landtag bereits seit Monaten hinzieht, dürfen seit Anfang Juni nun auch externe Sachverständige, welche von den Landtagsfraktionen bestimmt worden waren, Stellung zu den im Landtag eingereichten Anträgen „Detektoren an Schulen untersagen“ und „Elektronische Schummelei bei Abschlussprüfungen unterbinden“ beziehen.

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12.07.2013
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Thorsten Greb
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Schummeln bis der Detektor kommt
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