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Datum:
09.08.2010
Autor:
Redaktion
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Title:
Ruanda verteilt 100.000 Laptops an Schüler – Doch viele haben zuhause keinen Strom
Kategorie:
Technik
gastautoren stift

Ruanda verteilt 100.000 Laptops an Schüler – Doch viele haben zuhause keinen Strom

80 % der ruandischen Kinder im Grundschulalter sollen bis zum Jahr 2012 einen eigenen Laptop in den Händen halten. Die Regierung Ruandas hat sich zum Kauf von 2.5 Millionen XO-Laptops von der One-Laptop-Per-Child (OLPC) Initiative verpflichtet. In diesem Jahr hat die Regierung damit begonnen, 100.000 Laptops an die Schulen zu verteilen.

Es ist eine gute Idee. Die rund zwei Milliarden Kinder in den Entwicklungsländern sollen einen einfachen Laptop bekommen, aber es gibt auch Kritik. Geboren wurde die Idee 2005, seit 2007 werden die Laptops an Regierungen verkauft. Eigentlich sollte der Kinder-Laptop 100 Dollar kosten, dies blieb jedoch Utopie, noch heute kostet er kann 200 Dollar. Nach drei Jahren ist man von dem großen Ziel jedoch nach wie vor weit entfernt: Bislang wurden etwa 1,6 Mio. Laptops ausgeliefert, so Matt Keller von der O.L.P.C. Foundation gegenüber der New York Times. Die meisten Computer wurden in Uruguay (400.000), Peru (280.000), Ruanda (110.000) sowie Haiti und Mongolei (je 15.000) verteilt.

Doch in Ruanda gibt es viele Probleme. Es fehlt nicht nur an einer Digitalisierung. Kaum ein Haushalt hat Strom und damit auch kein Internet. Nur circa 6 Prozent der Bevölkerung haben Zugang zu Strom, bis 2012 sollen immerhin 16 Prozent der Ruander regelmäßig Strom bekommen. Der XO-Laptop hat daher eine Handkurbel, aber Freude am digitalen Lernen sieht anders aus.

Bereits 2006 gab es eine kritikische Analyse des „One Laptop Per Child“ Konzepts. So könne nicht garantiert werden, dass die Laptops nicht weiterverkauft oder gestohlen würden: „In ärmeren Regionen werden dort an Schulkinder vom Staat Schuhe verteilt. Die Familien verkaufen aber meistens die Schuhe und die Kinder laufen trotzdem barfuß zur Schule. So ein Schicksal könnte dem Laptop zweifelsohne auch widerfahren. Nicht nur der Verkauf, sondern auch der Diebstahl ist ein Problem, denn ein Gegenstand im Wert von 100 $ ist in einigen Gegenden ein kleines Vermögen.“ Fraglich sei außerdem, ob es überhaupt sinnvoll sei auf Technik zu setzen, anstatt mehr Lehrer einzustellen, oder andere Medien zu erwerben. Die Kosten für den Laptop brächten allerdings nur zwei Prozent zusätzliches Lehrpersonal. Von Massendiebstahl ist bisher nichts bekannt geworden, allerdings sind die Initiatoren von ihren Zielen nach wie vor weit entfernt. Idee und Wirklichkeit sind schwer zusammen zu bringen.

Unterdessen stellte in der vergangenen Woche das indische Kabinett den Prototypen eines neuen Tablett-Computers vor, optisch ein Duplikat des iPad, angeblich soll es für 35 Dollar herzustellen sein. Entwickelt wurde es vom Indian Institute of Technology, ein Hersteller wurde noch nicht gefunden. Das Gerät ist Teil einer größeren Initiative, die mit Hilfe von Technik Indiens Bildungssystem verbessern will. Indien war nach anfänglicher Beteiligung bereits 2006 aus dem Projekt „One Laptop Per Child“ ausgeschieden.

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09.08.2010
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