Live von der didacta: Was kann das Digitale Schulbuch?

Im Convention Center der Hannover Messe haben heute 27 Schulbuchverlage unter Führung des Verbandes der Bildungsmedien (VdS) das „Digitale Schulbuch“ vorgestellt. Das zunächst in einer Preview-Version vorgestellte Format soll bis zu Beginn des nächsten Schuljahres, also im August 2012, voll einsatzfähig sein und die Schulbücher der deutschen Bildungsverlage auf die Computer, Laptops und Tablets der Schüler bringen. Das Prinzip funktioniert so: Wer ein Schulbuch erwerben möchte, geht auf die Website eines Schulbuchverlages, kauft dort eine Lizenz, gibt den Lizenzschlüssel dann auf der Website www.digitale-schulbuecher ein und erhält einen Download des Buches, das automatisch in das persönliche Bücherregal gestellt wird.

Die heute vorgestellte Preview-Version des Digitalen Schulbuchs (DS) ähnelt noch sehr einem PDF. Umblättern, Textstellen markieren und zoomen sind die bisher verfügbaren Funktionen. Noch können weder Videos eingebunden, noch Aufgaben interaktiv gelöst werden. Dies soll jedoch zum Marktstart im Sommer alles möglich sein, wenn Verlage dies anbieten wollen. Der Geschäftsführer des Klett-Verlages, Tilo Knoche, verwies darauf, dass die Verlage entscheiden werden, wie viel Interaktivität sie anbieten wollen.

Der Klett Verlag bietet heute bereits den „Digitalen Unterrichtsassistenten“ an. Ein Schulbuch, in dem der Lehrer Differenzierungsfunktionen hat, Lösungen zu Aufgaben sieht, einzelne Passagen ein- oder ausblenden kann und so entscheiden kann, welche Inhalte er den Schülern auf der interaktiven Tafel zeigt.

Die Anzahl der zu Beginn verfügbaren DS soll bei mehreren hundert liegen. Einige Verlage werden zunächst nur mit Einzelexemplaren online gehen, anderen haben angekündigt gleich mit rund 100 Büchern starten zu wollen. Die großen Verlagsgruppen Cornelsen, Klett und Westermann haben angekündigt, die neu erscheinenden Schulbücher sowohl in Printform als auch in digitaler Form herauszubringen.

Preise und Lizenzen legen die Verlage selber fest. So kann es Jahreslizenzen, Kauflizenzen, Schu- oder Schülerlizenzen geben. Es wird die Frage sein, wie viele Verlage mit Jahreslizenzen arbeiten werden. Für die Verlage stellt sich die Frage einer dauerhaften Geschäftsmodells. Anders als die Printbücher gehen die DS nicht kaputt, ein Ersatz müsste somit nicht mehr regelmäßig beschafft werden, die Schulbuchverlage hätten mit Einnahmeverlusten zu rechnen. Die Schulbuchverlage sind – anders als in Apples iBookstore – nicht an die Plattform des Verbandes der Bildungsmedien gebunden. Jeder Verlag sei frei, seine DS über jede Plattform anzubieten.

Die Lehrergewerkschaft GEW warnt angesichts der Initiative vor einem Verlust der Schulbuchqualität. Heute müssen die Schulbuchverlage neue Bücher zunächst durch die Kultusministerien des Bundeslandes genehmigen lassen, in dem das jeweilige Buch verkauft werden soll. So gibt es bis zu 16 unterschiedliche Versionen eines Schulbuchs. Die stellvertretende Bundesvorsitzende der GEW, Mariann Demmer, fordert daher gegenüber DIGITAL LERNEN, dass mit der Möglichkeit des digitalen Downloads kein genereller Verzicht auf die Kontrolle durch die Kultusministerien verbunden sein dürfe.

Über diesen Artikel
Datum:
15.02.2012
Autor:
Sascha Steuer
Aktionen:
Drucken, E-Mail
URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/technik/einzelansicht/artikel/live-von-der-didacta-was-kann-das-digitale-schulbuch.html
Title:
Live von der didacta: Was kann das Digitale Schulbuch?
Kategorie:
Technik
Weiterführende Links
Soziale Netzwerke