Internetwissenschaftler fordert mehr Transparenz und Vielfalt bei Suchmaschinen

Google dominiert mit rund 82 Prozent den deutschen Suchmaschinenmarkt. Damit bearbeitet das Unternehmen hierzulande mit Abstand die meisten Suchanfragen im Internet. Der Internetwissenschaftler Dr. Wolfgang Sander-Beuermann stellt daher pointiert fest: „Der Markt ist zerstört“. 

Dr. Wolfgang Sander-Beuermann ist promovierter Ingenieur und befasst sich im Rahmen seiner Tätigkeit am Regionalen Rechenzentrum für Niedersachsen mit der Erforschung und Entwicklung alternativer Suchmaschinen. Als Gründer, Vorstandsmitglied und Geschäftsführer des Gemeinnützigen Vereins zur Förderung der Suchmaschinen-Technologie und des freien Wissenszugangs – kurz SUMA- EV – versucht Sander-Beuermann außerdem Internetnutzer für die Thematik Suchmaschinen und Wissenszugang zu sensibilisieren um so die Internetnutzerkompetenz nachhaltig zu stärken.

Angetrieben ist Sander-Beuermann von der Idee, dass Informationen und Wissen frei für jedermann zugänglich sein sollen und der Zugang dazu nicht durch eine Handvoll großer Internetkonzerne gesteuert werden darf. Dabei muss bedacht werden, dass  Sander-Beuermann zahlreichen Internetnutzern gegenübersteht, die gar nicht davon ausgehen, dass Suchmaschinen Einfluss auf die Auswahl der Suchergebnisse nehmen. Die Suchergebnisse werden jedoch nicht zufällig ausgegeben, sondern folgen bestimmten, anbieterinternen Bewertungskriterien. Wie diese Sortierung im Detail funktioniert, ist für den Otto-Normalinternetnutzer nicht immer nachvollziehbar. Dabei ist gerade dieser Punkt von größter Bedeutung, bilden die erste Vorsortierung und Bewertung durch den Anbieter doch meist den Ausgangspunkt einer Recherche auf Suchmaschinen. Inhalte, die schwer auffindbar sind, weil sie erst sehr weit hinten in der Suchergebnisliste auftauchen, sind damit der Gefahr ausgesetzt, nicht entdeckt zu werden. Eine Oligarchisierung und Monopolisierung auf dem Suchmaschinenmarkt, erschweren diesen Umstand zusätzlich, denn damit gilt die Reihenfolge einer oder weniger Suchmaschinen.

Der SUMA-EV fordert daher einen „Pluralismus des Wissenszugangs“, der zudem durch „demokratisch legitimierte Kontrollgremien“ nachvollziehbar sein soll. Damit einher geht der Appell des Vereins nach einer Förderung von Alternativen zu den dominierenden Suchmaschinenanbietern, um den Wettbewerb zu erhöhen und so notwendige Marktmechanismen (wieder)herzustellen. Greifen die Selbstregulierungskräfte des Marktes nicht, müsse über Regulierungsmechanismen nachgedacht werden. Diese könnten zum Beispiel durch technische Eingriffe erfolgen, in Form eines Verbots von voreingestellten Suchmaschinenseiten in Browsern oder der Einführung einer Obergrenze von Suchanfragen, über die hinaus Anfragen an andere Anbieter zur Bearbeitung weitergeleitet werden. Denkbar wären auch eine politisch-administrative Beschäftigung mit der Thematik durch eine Clearingstelle oder eine Kommission, ähnlich der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK), die Konkurrenzsituationen auf dem Markt überwachen.  

Technische Eingriffe und politische Regulierung könnten aber nur ein Schritt sein und müssten nach Ansicht von Sander-Beuermann von den Internetnutzern durch eine Reflektion des eigenen Nutzerverhaltens, hinsichtlich der Verwendung von Suchmaschinen, begleitet werden.

Dass Google oder Wikipedia so stark frequentiert sind, liegt zum einen an der Bequemlichkeit der Internetnutzer. Beide Dienste liefern blitzschnell eine Vielzahl von Informationen. Zum anderen kennen viele Nutzer gar keine andere Suchmaschine. Mit dem Anspruch dies zu ändern hat Sander-Beuermann im „Suchmaschinenlabor“ des Regionalen Rechenzentrums für Niedersachen unter anderem die Meta-Suchmaschine MetaGer.de entwickelt. Als weiteren Suchmaschinendienst verweist Sander-Beuermann auf das russische Portal Yandex.com, nicht weil dieser Suchdienstanbieter frei von Eigeninteressen oder Gewinnstreben ist, sondern weil er eine ernstzunehmende Konkurrenz zum Platzhirsch Google darstellen könnte. Eine weitere Alternative ist die Metasuchmaschine ixquick.de, die nach eigenen Angaben äußert treffsicher sein soll und im Gegensatz zu Google keine personenbezogenen Daten sammelt.

Über diesen Artikel
Datum:
29.03.2012
Autor:
Thorsten Greb
Aktionen:
Drucken, E-Mail
URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/technik/einzelansicht/artikel/internetwissenschaftler-fordert-mehr-transparenz-und-vielfalt-bei-suchmaschinen.html
Title:
Internetwissenschaftler fordert mehr Transparenz und Vielfalt bei Suchmaschinen
Kategorie:
Technik
Soziale Netzwerke