Ein neues Social Network für Bildungsreinrichtungen?

Social Network
Social Network     
© Gerd Altmann / pixelio.de

Soziale Netzwerke sind ein Problem. Jedenfalls aus der Sicht des Datenschutzes. Denn die Daten, die wir in sie einspeisen, bilden ihr Kapital. Es geht ihnen nicht um uns, sondern um uns als Datenpaket, das sie verkaufen können. Für den Einsatz in Bildungsinstitutionen sind sie deshalb meist indiskutabel. Ein eigenes Netzwerk aufzusetzen wäre eine Alternative, doch das ist für viele Institutionen zu aufwändig und teuer. Das didaktische Potenzial der Sozialen Netzwerke liegt deshalb meist noch brach. Noch.

Denn eine Forschergruppe der Uni Paderborn um den in Düsseldorf lehrenden Informatiker Kalman Graffi arbeitet an einem anders aufgebauten Sozialen Netzwerk, das versucht diese Probleme zu lösen: Peer-to-Peer Framework – „a toolbox for building P2P-based social networks“. Es basiert auf der Technologie der verteilten Systeme. Die Forscher kombinieren in dem Projekt die Vorteile von dezentralen Peer-to-Peer-Anwendungen, eines App-Marktes und der Cloud miteinander. Die Netzwerkteilnehmer teilen sich die Aufrechterhaltung der Netzwerkarchitektur. Jeder von ihnen steuert einen Teil seiner Bandbreite, seiner Rechenzeit und seines Speicherplatzes bei, und die Teilnehmer kommunizieren direkt miteinander. Ein Vorzug sind auch die Kosten. Die gibt es nämlich nicht: Egal ob privates Netzwerk unter engen Freunden oder weltweites Social Network. Denn eine IT-Infrastruktur muss nicht angeschafft und gepflegt werden. Im Ergebnis wird so eine höhere Qualität des Angebots ermöglicht als bei Client/Server-Infrastrukturen. Die Peer-to-Peer-Technologie erlaubt den Einsatz eines breiten Spektrums von Funktionen: Voice, Text und Video-Kommunikation lassen sich ebenso leicht integrieren wie Filesharing-Funktionalitäten. Verfügbarkeit, schnelle Abrufbarkeit und Sicherheit der Nutzerdaten seien sichergestellt, so die Entwickler: „Der Nutzer behält dabei die volle Kontrolle über seine Daten. Die technischen Kapazitäten des Netzwerks wachsen wie in der Cloud elastisch mit der Anzahl der Teilnehmer. Weitere Plugins können sehr einfach entwickelt werden und die Funktionalität erweitern. Ein App-Markt ermöglicht es, diese Anwendungen und Fähigkeiten des sozialen Netzwerks dann on the fly zu erweitern.“ Das Projekt könnte aus diesen Gründen auch interessant für Bildungsinstitutionen sein, deren Budget verhältnismäßig gering ist.

In Richtung Bildung blickt das Projekt ohnehin, so Graffi gegenüber DIGITAL LERNEN: „Langfristig sehen wir den Einsatz in den Universitäten als Unterstützung der E-Learning Ansätze.“ Und weiter: „Unsere Lösung ist nicht auf ein globales Netzwerk beschränkt, sondern wir haben explizit die Social Intranets, z.B. auf ein Unternehmen oder eine Universität beschränkt im Blick. Die Universitäten sind, wie bei Facebook am Beginn, ein interessanter Anwendungsfall, da die Nutzer dort sehr offen und wohlwollend sind.“ Graffi wird den Prototyp im Wintersemester 2013 testhalber in seinen Veranstaltungen einsetzen und verschiedene didaktische Möglichkeiten betrachten, die sich daraus ergeben. Etwa Aspekte des Mobile Learning: „E-Elearning ermöglicht es Studenten die Inhalte von zuhause oder  unterwegs zu konsumieren. Dadurch bleiben die Vorlesungen ohne Anwesenheitspflicht ziemlich leer. So verpassen viele Studenten den  sinnvollen Austausch mit anderen Studenten, das Mithören von evtl. auch  für sie interessanten Fragen und Antworten. Diesen zweiten notwendigen Teil der Lehre möchten wir mit dem sozialen Netzwerk wieder gezielt  unterstützen. So sollen nicht nur die Folien und  Vorlesungs-Videoaufzeichnungen im Netz unter den 40 bis 50 Studenten verteilt werden, sondern auch Kapitel-spezifische Diskussionen im Netzwerk ermöglicht werden, kurze Tests und der Vergleich mit den anderen Studenten.“ Das Projekt soll außerdem als anschauliches praktisches Beispiel dienen: „Die Lehre in der Informatik wird stark durch die Nutzung der gelehrten Lösungen unterstützt. Wir können die Studenten explizit auffordern teilzunehmen und angewandte Forschung zu erleben.“      

Über diesen Artikel
Datum:
03.04.2013
Autor:
Sven Becker
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/technik/einzelansicht/artikel/ein-neues-social-network-fuer-bildungsreinrichtungen.html
Title:
Ein neues Social Network für Bildungsreinrichtungen?
Kategorie:
Technik
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