Bring Your Own Device - Ein Überblick

Bring Your Own Device
Bring Your Own Device     
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Für jeden Schüler ein Computer! 1:1-Setting nennt man dieses Szenario für den IT-gestützten Schulunterricht. Der gängige Ansatz ist, einzelne Schulklassen mit Laptops oder Tablet-Computern auszustatten oder im Projektrahmen Klassensätze von Computern in die Schulen zu bringen, auf die dann abwechselnd zugegriffen wird. In einem großen Maßstab ist dieser Ansatz allerdings kaum zu finanzieren. Aber was wäre, wenn die Schüler ihre eigenen Computer mit in die Schule bringen und damit arbeiten? BYOD – bring your own device – ist ein bemerkenswerter Ansatz, auch wenn er nicht ganz problemlos ist. Eine kurze Bestandsaufnahme.

Michael Folgmann vom Lehrstuhl Pädagogik der Technischen Universität München lehrt in der Lehrerausbildung mit dem Schwerpunkt Berufspädagogik. Er arbeitet in seinen Veranstaltungen mit Tablet-Computern, um ihr didaktisches Potenzial ausloten. Zweifellos ermöglichen sie sehr dynamische didaktische Szenarien, wie beispielsweise die iPad-Rally – was genau das ist, wonach es sich anhört: eine digitale Schnitzeljagd. Trotzdem fällt sein Gesamturteil eher zurückhaltend aus: „Generell bin ich noch auf der Suche nach dem didaktischen Mehrwert eines Tablets. Ich habe ihn noch nicht gefunden.“ Er sieht daher das entscheidende Moment woanders: „Die Entwicklung bei den digitalen Medien an Bildungseinrichtungen deutet aus meiner Sicht nicht auf iPads oder Tablets als Leitentwicklung hin, sondern viel allgemeiner auf BYOD in einem 1:1 Setting. Dies können Smartphones, Tablets, Netbooks oder auch Laptops sein“. Ein entscheidender Vorzug dieser Lösung ist die Flexibilität – im Unterricht der Laptop, für das Filmprojekt den Tablet-Computer oder das Handy.

Statt also Schulen für viel Geld mit einheitlichen Geräten auszustatten, die noch dazu die Didaktik einengen können, könnte man mit BYOD Geld sparen und gleichzeitig im Unterricht auf ein breiteres mediendidaktisches Spektrum zugreifen. Die Idee des BYOD ist schnell skizziert: Die Schule bietet den Schülern einen mobilen Internetzugang und eine online-basierte Lernumgebung, die die Schüler mit ihren privaten Computern nutzen können. Doch so einfach es auch klingt, man darf nicht die verschiedenen Problemdimensionen übersehen, die hier impliziert sind:

Die didaktische – es müssen didaktische Modelle erarbeitet werden, die den sinnvollen Einsatz der unterschiedlichen mobilen Computer im Unterricht gewährleisten. Mit der Technik um der Technik willen ist niemandem gedient. Computer haben ihren Platz im Unterricht, und manchmal ist dieser Platz auch die Schultasche. Es müssen Konzepte zur Lehrerfortbildung erarbeitet werden, die die nötigen Kenntnisse vermitteln. Die Eigenschaften der verschiedenen Gerätearten müssen den Lehrern geläufig sein, damit sie sie gezielt einsetzen können.

Die soziale – es muss sichergestellt sein sein, dass die Chancenungleichheit nicht noch weiter erhöht, sondern im Gegenteil abgebaut wird. Tritt man für einen flächendeckenden mit privaten Geräten digital unterstützten Unterricht ein, muss man bedenken, dass nicht alle Eltern ihren Kindern ein solches Gerät finanzieren können. Punktuell sind gegenwärtig an Schulen pragmatische Lösungen zu finden, wie etwa ein Sozialfond, der sozial schwächeren Eltern aushilft. Die JIM-Studie 2011 zeigt, dass inzwischen 79 Prozent der Jugendlichen über einen eigenen Computer verfügen. Allerdings sind Laptops und Desktops in einem Item zusammengefasst, interessant wäre für uns der Prozentsatz der Laptops. Drei Prozent der Jugendlichen besitzen einen Tablet-Computer und 96 Prozent ein Handy. Der digitale Spalt zwischen jenen vier Fünfteln und diesem einen Fünftel muss im Schulkontext geschlossen werden.

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Über diesen Artikel
Datum:
22.08.2012
Autor:
Sven Becker
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Bring Your Own Device - Ein Überblick
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Technik
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