Über diesen Artikel
Datum:
19.06.2013
Autor:
Sven Becker
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/schulpraxis/einzelansicht/artikel/zwischenfazit-fuenf-jahre-g8.html
Title:
Zwischenfazit: Fünf Jahre G8
Kategorie:
Schulpraxis
Das abgewandelte Landeswappen SH     

Zwischenfazit: Fünf Jahre G8

Das abgewandelte Landeswappen SH
Das abgewandelte Landeswappen SH     

Die Schleswig-Holsteinische Bildungsministerin Waltraud ‚Wara’ Wende diskutierte auf einer Veranstaltung zum Thema „Fünf Jahre G8“ mit Schülern, Lehrern und Eltern über den achtjährigen gymnasialen Bildungsweg. Was läuft gut und was muss besser werden? Was wünschen sich die Beteiligten? Diese Fragen wurden in den Räumlichkeiten des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft erörtert, wo die Ministerin zu der Veranstaltung geladen hatte: „Ich möchte wissen, was bereits gut läuft und wo es noch hakt“, brachte die Bildungsministerin das Ziel des Treffens auf den Punkt.

Vor fünf Jahren wurde G8 eingeführt. Auf der Veranstaltung berichteten Schüler, Schulleiter, Lehrer und Elternvertreter aus dem Alltag, der aus dieser Veränderung entstanden ist. Es sollte dabei allerdings nicht um Pro- und Kontra-Argumente gehen – das Modell G8 selbst wurde nicht hinterfragt. Gewünscht war dagegen ein Dialog über qualitative Fragen der Schulentwicklung: Wie ist gute Schule organisiert? Wann gelingt Unterricht? Was können Schulen voneinander lernen? In dieser enggeführten Perspektive zeigte sich in den Gesprächen: „gute“ Schule hänge nicht davon ab, ob der Bildungsgang acht oder neun Jahre dauert. Wichtiger sei die Frage, ob die Lehrer einer Schule sich als Team verstehen und ob die Eltern und Schüler in die Gestaltung des Schulalltags einbezogen werden. Ebenfalls wurde hervorgehoben, dass der Schul- und Unterrichtsalltag geschickt rhythmisiert werden müsse. 45-, 60- und 90-minütige Unterrichtseinheiten müssten mit Entspannungs- und Regenerationsphasen kombiniert werden. Überdies sei entscheidend, dass Unterrichtsinhalte fächerübergreifend miteinander vernetzt würden, die inhaltliche Stofffülle zugunsten von fachspezifischen Methodenkompetenzen reduziert werde und das eigenverantwortliche und selbsttätige Arbeiten der Schüler ausreichend Raum erhalte. Auch Zusatzangebote gehörten zur gelingenden Schule: Sport-, Musik- und Theaterangebote genauso wie eine gute Schulmensa.

Alle Teilnehmer begrüßten die zusätzlichen „Intensivierungsstunden“ im Umfang von acht Stunden an Gymnasien. Sie stellten eine wichtige und sehr hilfreiche Maßnahme zur vertiefenden und individuellen Förderung der Schüler dar. Einigkeit bestand zudem darin, dass es wünschenswert wäre, die Zahl der vorgeschriebenen Leistungsnachweise und Klassenarbeiten zu flexibilisieren. Kontrovers wurde zu dem Randthema diskutiert, wann mit der zweiten Fremdsprache zu beginnen sei.

"Schule ist ein lernendes System, Politik auch. Ich will nicht gegen die Beteiligten Schulpolitik machen, sondern mit allen gemeinsam", sagte die Bildungsministerin gestern. Das Treffen habe gezeigt, dass viele G8 Gymnasien den schulorganisatorischen Umbau von G9 zu G8 dazu genutzt hätten, um sich produktiv mit Fragen der qualitativen Schulentwicklung zu beschäftigen, hob sie hervor. Dabei gebe es nicht nur das „eine“ Modell einer „guten“ und „erfolgreichen“ Schule. Gelingende Schule ist facettenreich, es gebe viele sehr unterschiedliche Varianten der Verwirklichung. Wichtig sei die Offenheit aller Beteiligten, voneinander lernen zu wollen: „Das ist schon deshalb wichtig, weil in den vergangenen fünf Jahren die qualitative Schulentwicklung nicht von allen G8 Gymnasien gleich engagiert angepackt wurde, mit dem Effekt, dass es große qualitative Differenzen der Umsetzung von G8 gibt“, so die Ministerin.

Besonderen Wert legte die Ministerin auch auf die Meinung der Schüler. Die meisten der geladenen Schüler betonten, dass sie G8 nicht als Belastung empfänden - vorausgesetzt es sei gut umgesetzt. Es raube ihnen keineswegs die Freizeit oder die Freizeitaktivitäten. Ein Schülervertreter machte sogar die Sozialen Netzwerke verantwortlich. Denn wenn man heute weniger Zeit für Sport- und Musik-Vereine habe, dann sei das weniger auf G8, sondern auch auf die Aktivitäten in den sozialen Netzwerken zurückzuführen. Dass dies auch mit der höheren Wochenstundenzahl und häufigerem Unterricht am Nachmittag zu tun haben könnte: Ein mögliches „Kontra-Argument“, und darum sollte es auf dieser Veranstaltung nicht gehen.

 

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19.06.2013
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Sven Becker
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