Über diesen Artikel
Datum:
21.09.2012
Autor:
Sven Becker
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/schulpraxis/einzelansicht/artikel/windowspiepsen-rap-und-goethe-moeglichkeiten-der-digitalen-klangproduktion-im-unterricht-teil-2.html
Title:
Windowspiepsen, Rap und Goethe: Möglichkeiten der digitalen Klangproduktion im Unterricht (Teil 2)
Kategorie:
Schulpraxis
redaktion sven becker

Windowspiepsen, Rap und Goethe: Möglichkeiten der digitalen Klangproduktion im Unterricht (Teil 2)

Digitaler Musikunterricht
© Sebastian Dorok

Digital unterstützter Musikunterricht – darum ging es schon in der vergangenen Woche, doch es gibt dazu viel mehr zu erzählen als in einen Artikel passt. Was sind die technischen Voraussetzungen, was muss ein Lehrer wissen und wie sieht es mit der Finanzierung aus? Dieser Artikel gibt einige Antworten auf diese Fragen.

Am Gymnasium Antonianum, die Schule an der unser Interviewpartner Sebastian Dorok lehrt, gibt es für die 1400 Schüler insgesamt 75 PCs. 60 davon stehen in vier Computerräumen. Sie sind primär für den Informatikunterricht gedacht, doch auch andere Lehrer können sie für ihren eigenen Fachunterricht buchen. Für den Musikunterricht ist spezielle Software auf den Computern installiert: „Bedingt durch mein großes Interesse am Computereinsatz im Musikunterricht habe ich das Glück, dass mir die Informatikkollegen großes Vertrauen entgegen bringen, weshalb ich auf allen 60 Rechnern der Informatikräume die Musiksoftware installieren konnte.“ In einem Computerraum stehen 15 Computer, so dass man hier mit der ganzen Klasse auf einmal digital Musik machen kann.

Außerdem gibt es im Fachbereich Musik ein „Musikstudio“. Es ist mit ausrangierten Computern aus der Informatik und von Eltern gespendeten Macs bestückt. Hier gibt es auch MIDI-Keyboards und Headsets. Für die beiden Macs gibt es professionelle Audiointerfaces, so dass Gesang mit Mikrofonen in guter Qualität aufgenommen werden kann. Ein altes Mischpult aus Doroks eigenem Musikstudio ergänzt die Hardware-Ausstattung.

Die Software, die hier verwendet wird, ist Open Source. Denn das hat entscheidende Vorteile. Erstens fallen keine Lizenzgebühren an, die Software ist „frei“. Zweitens können die Schüler sie auf ihren eigenen Computern installieren und zuhause an ihren Klangprojekten weiterarbeiten – Kreativität kennt schließlich keine Pausenklingel. Ein dritter Vorteil ist ihre breite Anwendbarkeit auf das heterogene Setup: „Da wir im Musikstudio ein gemischtes Setup aus Windows- und Mac-Rechnern haben und die Informatikräume nur aus Windowsrechnern bestehen, können wir meist identische Software auf allen Rechnern einsetzen.“ Es gibt ein großes Angebot geeigneter Open Source Software, das (fast) alle Anforderungen des Musikmachens erfüllt. Für die Notation wird MuseScore eingesetzt, für die Audiobearbeitung Audacity, das MIDI-Sequencing erfolgt mit AriaMaestosa. „Und für die Zukunft verspreche ich mir viel von Musiksoftware, die online, also im Browser läuft. Hier gibt es äußerst interessante Ansätze, wie zum Beispiel DrumComputer und Sequencer von DrumBots.“ Für fertige Loops und Samples greift man aber besser auf gekaufte Software zurück, wie Garageband, Sequel oder Mixcraft. Sie bringen umfangreiche Bibliotheken mit und machen die umständliche Suche im Internet überflüssig.

Viel braucht man also nicht. Mit der hier skizzierten Lösung lassen sich Partituren schreiben, man kann Musik direkt aufnehmen und Hörspiele produzieren. Beim Hörspiel verbinden sich digitale Klangproduktion und echte Wirklichkeit: „Sollen Atmos und Geräusche eingefügt werden, schicke ich die Schüler meist mit ihren Handys oder Smartphones los, damit sie Türknallen, Wind und Co. aufnehmen. Das importieren wir dann in den Rechner und bauen es in Audacity zusammen.“ „Die Welt ist Klang“, hat einmal jemand geschrieben – auch das zu erkennen ist wichtig.

Für einen so souveränen Umgang mit digitalen Medien im Musikunterricht ist gründliches Vorwissen nötig. Doch nicht jeder Musiklehrer beschäftigt sich auch privat mit digitaler Klangproduktion und deshalb werden zum Einstieg viele Fortbildungen angeboten.

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21.09.2012
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Sven Becker
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