Über diesen Artikel
Datum:
13.09.2012
Autor:
Sven Becker
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/schulpraxis/einzelansicht/artikel/windowspiepsen-rap-und-goethe-moeglichkeiten-der-digitalen-klangproduktion-im-unterricht-teil-1.html
Title:
Windowspiepsen, Rap und Goethe: Möglichkeiten der digitalen Klangproduktion im Unterricht (Teil 1)
Kategorie:
Schulpraxis
redaktion sven becker

Windowspiepsen, Rap und Goethe: Möglichkeiten der digitalen Klangproduktion im Unterricht (Teil 1)

Schüler bei der Audiobearbeitung
© Sebastian Dorok

Musikunterricht und digitale Medien passen sehr gut zusammen. Wie gut genau, das hat Sebastian Dorok DIGITAL LERNEN erzählt. Der Englisch- und Musiklehrer unterrichtet am Gymnasium Antonianum in Geseke bei Soest in NRW. Er ist außerdem Fachleiter für das Fach Musik in der Sekundarstufe II am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Arnsberg. Als Musiklehrer setzt er gerne und oft digitale Medien ein. Aber nur dort, wo es sinnvoll ist – wenn er die Wahl hat zwischen dem echten Instrument und der Computersimulation, dann zieht er die Primärerfahrung vor. Doch das Digitale erschöpft sich nicht in der Simulation. Es macht den Musikunterricht vielfältiger, denn viele Unterrichtsreihen wären ohne digitale Technik sehr aufwändig.

Ein paar Beispiele illustrieren die Möglichkeiten: In den Klassen fünf und sechs haben die Schüler eine Geräuschcollage erstellt. Dazu überlegten sie, wie eine Maschine klingen könnte, die sie selbst gebaut hatten. Von dieser Maschine machten sie ein Bild und vertonten dieses dann mit Orff-Instrumentarium. Viel technischer Aufwand war das nicht. Die Schüler saßen im Kreis um zwei Mikrofone, die an einen Computer angeschlossen waren. Die Geräuschkulisse wurde live eingespielt und mit der Software Movie Maker über das Bild montiert.

Die Schüler der siebten Klasse produzieren eigene Rapsongs. Sie schreiben Texte und rappen sie über selbst programmierte Beats oder instrumentale Stücke aus dem Internet. Dazu ist als Mindestanforderung lediglich eine Software wie der Online-Beatmaker von Aviary nötig.

In der Oberstufe sind die Projekte anspruchsvoller. Oberstufenkurse erstellen mit Notationsprogrammen eigene Gestaltungen und analysieren dabei musikalische Phänomene: eine Unterrichtsreihe beschäftigt sich beispielsweise mit der Polyphonie – die Schüler schreiben eigene Kanons, Fugen und Stücke im Tintinnabuli-Stil und veröffentlichen sie im Schul-Podcast, wenn sie das wollen. In der Unterrichtsreihe „Musik und Sprache“ werden nach der Auseinandersetzung mit klassischen Vertonungen des „Erlkönigs“ eigene, moderne Vertonungen erstellt. Auch mittels fertiger Beats und Loops aus der Software Garageband werden so ganz eigene Interpretationen des Textes umgesetzt.

Es geht aber auch spielerischer. In einem anderen Projekt nehmen die Schüler als Ausgangsmaterial alle Klänge, die Windows von sich aus mitbringt – all die Warntöne, das Piepsen und Kloncks. Mit diesen Klängen werden in der Software Audacity klassische Formprinzipien nachgebaut, wie Fuge, Rondo, Kanon. Dorok betont den didaktischen Vorzug: „Ohne dass die Schüler Notenlesekompetenzen brauchten, konnten sie so diese klassischen Formen selber erfahren und mit ihnen experimentieren.“

Die Frage nach dem medienpädagogischen Ansatz, der hinter diesen Unterrichtsreihen steht, beantwortet er pragmatisch: „Es gibt eigentlich kein festgezurrtes medienpädagogisches Konzept.“ In den Richtlinien und Lehrplänen für den Musikunterricht am Gymnasium fände sich für Sek I und Sek II die Vorgabe, dass der Computer im Unterricht „an geeigneter Stelle“ einzusetzen sei. Im Kernlehrplan NRW für die Sekundarstufe I steht: „Die Schülerinnen und Schüler realisieren einfache vokale und instrumentale Kompositionen und eigene klangliche Gestaltungen auch unter Verwendung digitaler Werkzeuge und Medien.“ Für die Sek II heißt es dazu „Die Computertechnik hat Struktur, Stil und Produktionsverfahren von Musik nachhaltig beeinflusst. Eine sinnvolle Nutzung im Unterricht ist nur dann gewährleistet, wenn Schülerinnen und Schüler aktiv in Musikprogramme eingreifen können, das Monitorbild allen zur Verfügung steht und der Computer mit leistungsfähigen Peripheriegeräten verbunden ist.“ Der Lehrplan Musik definiert die Kompetenzbereiche Rezeption, Produktion und Reflexion.

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13.09.2012
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Sven Becker
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Schulpraxis
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