Über diesen Artikel
Datum:
11.06.2013
Autor:
Sven Becker
Aktionen:
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/schulpraxis/einzelansicht/artikel/von-der-fibel-zum-smartboard-praktiken-des-schreiben-und-lesenlernens-in-der-schule-der-moderne-1.html
Title:
Von der Fibel zum Board - Ausstellung zeigt Praktiken des Schreiben- und Lesenlernens in der Schule der Moderne
Kategorie:
Schulpraxis
Von der Fibel zum Smartboard     

Von der Fibel zum Board - Ausstellung zeigt Praktiken des Schreiben- und Lesenlernens in der Schule der Moderne

Von der Fibel zum Smartboard
Von der Fibel zum Smartboard     
© DIPF/BBF 2013, DIPF/BBF 2013

Wie und mit welchen Hilfsmitteln haben Schüler im Unterricht des späten 18. Jahrhunderts das Lesen und Schreiben erlernt und was hat sich in den vergangenen 250 Jahren in der Aneignung dieser heute grundlegenden Kulturtechniken verändert? Dieser Frage möchte die Ausstellung mit dem Titel "Von der Fibel zum Smartboard: Praktiken des Schreiben- und Lesenlernens in der Schule der Moderne" mit Exponaten und Hintergrundinformationen nachgehen. Interessenten haben noch bis einschließlich 30. September die Möglichkeit, sich in den Räumlichkeiten der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung (BBF) in Berlin über die „neuen Medien“ im Schulunterricht des 18., 19., 20. und frühen 21. Jahrhundert zu informieren.

Die Ausstellung ist voll von ehemals hochaktuellen Medien: Die Schiefertafel, der Füllfederhalter, die Fibel - die Artefakte der historischen Schule führen den Besuchern vor Augen, wie die Praktiken des Schreib- und Leseunterrichts zu unterschiedlichen Zeiten aussahen und was sie für das Individuum im Schulalltag bedeuteten. Wie es war, als die Schüler früher lesen und schreiben lernten. Mit welchen Werkzeugen sie schrieben, was sie lasen. Wie sich diese Praktiken im Klassenraum spiegelten. Wie ihr Lernen gefördert wurde und wie sie diszipliniert wurden. Wie ihre Hand beim Schreiben, ihre Haltung und ihre Stimme geformt wurden. Und schließlich bildet die Ausstellung auch den Wandel dieser Praktiken im Lauf der Zeit ab. Die Besucher gewinnen dabei auch einen neuen Blick darauf, welche gesellschaftlichen Vorstellungen und kulturellen Wertzuschreibungen mit dem Lesen und Schreiben zu verschiedenen Zeiten verbunden waren.

Die Ausstellung illustriert all dies mit Büchern, Fotografien und anderem Material aus dem umfangreichen Archiv der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung (BBF) in Berlin. Gegliedert ist die Ausstellung in fünf Themen-Stationen: "Schule - Ort des Lesens und Schreibens", "Schreib- und Lesewerkzeuge", "Schreib- und Lesepraktiken", "Zwischen Freiheit und Disziplinierung" und "Jüngere Entwicklungen".

"In jüngerer Zeit beeinflussen offene und individualisierte Unterrichtskonzepte, das Führen von Lerntagebüchern sowie die digitalen und technischen Entwicklungen von Internet, Notebooks und Tablet-PCs das Lesen und Schreiben in der Schule maßgeblich. Diese Veränderung des Einsatzes medialer Formen ist weder an sich ein Fortschritt noch ein Kulturverfall - diese dualistisch angelegte Lesart ist unhistorisch und problematisch zugleich", so Prof. Dr. Sabine Reh, die Direktorin der BBF gegenüber DIGITAL LERNEN. An die Stelle der Fibel, für viele Schülergenerationen der erste Zugang zum Lesen, tritt zunehmend ein individualisiertes Erstlesen und -schreiben. Immer öfter werden digitale Unterrichtsmaterialien in der Schule verwendet und sogenannte Laptop-Klassen an Schulen eingerichtet - das Stichwort ist die "Digitale Schule". Dadurch sollen Lerninhalte interaktiv und immer aktuell sein. Reh weiter: "Neue Medien, hier die digitalen, bedeuten immer "Umbauten" von Wahrnehmungsanforderungen und in der Folge der Wahrnehmungsstrukturen und des Wahrnehmungs-"Apparates" bei den Beteiligten. Vieles spricht dafür, dass dieses bei den digitalen Medien in Richtung von Räumlichkeit, Simultanität und Auflösung von Linearität geht. Das stellt neue Anforderungen an die Aufmerksamkeit, ihre Organisation und Richtung. Von den individuelleren Lernformen und -möglichkeiten werden manche Kinder profitieren, bei anderen werden sich jedoch Probleme verschärfen, Konjunkturen neuer "Lernschwierigkeiten" werden entstehen. Nicht zu befürchten ist jedoch, dass das pädagogische Verhältnis, das hin und wieder auf face-to-face angewiesen ist, durch die neuen Medien in Frage gestellt wird, sondern es stellt sich eher die Frage, wie sich das Gespräch verändert, ob es beispielsweise neue Inhalte bekommt, weniger kontinuierlich wird."

Die Ausstellung will die materialisierende und kreative Kraft des Schreibens und Lesens veranschaulichen und den Besuchern zeigen: Lesen und Schreiben bedeuten nicht nur Herstellung, Speicherung und Ordnung von Wissen. Vielmehr spiegeln sich in den jeweiligen kulturellen Praktiken stets auch gesellschaftliche Vorstellungen, die in ihrer Zeit normierend wirken und sich in der historischen Perspektive klarer konturiert betrachten lassen.

Der Eintritt zur Ausstellung ist für die Besucher frei.

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11.06.2013
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Sven Becker
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http://www.digital-lernen.de/nachrichten/schulpraxis/einzelansicht/artikel/von-der-fibel-zum-smartboard-praktiken-des-schreiben-und-lesenlernens-in-der-schule-der-moderne-1.html
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Schulpraxis
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