Über diesen Artikel
Datum:
27.07.2012
Autor:
Sven Becker
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/schulpraxis/einzelansicht/artikel/suchen-oder-finden-alternative-suchstrategien-im-unterricht.html
Title:
Suchen oder Finden? Alternative Suchstrategien im Unterricht
Kategorie:
Schulpraxis
Suchstrategien im Datendschungel     

Suchen oder Finden? Alternative Suchstrategien im Unterricht

Suchstrategien im Datendschungel
Suchstrategien im Datendschungel     
© Gerd Altmann, pixelio.de

„Googelst du noch, oder findest du schon?“, fragt Ralf Appelt, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Hamburg und Leiter des dortigen MultiMedia-Studios. Eine berechtigte Frage, bedenkt man die abertausenden Ergebnisse, die die Suchmaschine in einem Sekundenbruchteil für jede beliebige Frage auswirft. Lehrer, die die Internet-Recherche in den Unterricht einbinden wollen, kennen das Problem: „Wie kann man besser zu brauchbaren Ergebnissen kommen?“ Appelt vermittelt in seinen Workshops Antworten auf genau diese Frage.

Die Workshops zum Thema Internet-Recherche fügen sich in einen medienpädagogischen Kontext, der immer mehr Lehrer interessiert und der sich immer weiter ausdifferenziert. Der Fortbildungsmarkt entwickelt sich rasant, denn der Einsatz digitaler Medien im Unterricht wird immer alltäglicher. Das spiegelt sich auch in den Medienrahmenplänen der Länder und zuletzt im März in der KMK-Erklärung zur Medienbildung in der Schule. Dort heißt es sehr deutlich: „Medienbildung trägt bei zum Erwerb fachlicher wie überfachlicher Kompetenzen, die für die aktuelle Lebensgestaltung ebenso wie für die Bewältigung künftiger Herausforderungen unverzichtbar sind.“ Daher sei „eine ganzheitliche, vernetzte Strategie zur nachhaltigen Förderung der Medienbildung in der Schule“ gefordert. Dabei bezieht die KMK dezidiert auch die Bildung der medienpädagogischen Kompetenzen der Lehrer ein. Ohne didaktisches Wissen nützt schließlich auch die beste IT-Ausstattung nichts.

Die Recherche im Netz ist ein guter Ansatz in der Fortbildung für Lehrer, die sich im Digitalen noch als Neulinge fühlen. Denn sie kann grundlegende Prinzipien fächerübergreifend veranschaulichen, und sie thematisiert zudem ein Hauptproblem der Unterrichtsarbeit mit dem Internet: dass „viele Schüler als auch einige Lehrer häufig von den Ergebnisanzeigen der Suchmaschinen (meist Google) erschlagen werden“, wie Appelt es formuliert. Seine Lösung ist allerdings eher eine Strategie, keine kurzfristige Lösung. Denn die Sache ist vielschichtig.

Zwar gibt es ganz konkrete Tipps für eine Suche im Netz. So können etwa die Suchergebnisse durch das Verwenden von Operatoren eingeschränkt werden. Bei Google kann man beispielsweise im Suchfeld ein Minus vor die Wörter setzen, die nicht im Ergebnis auftauchen sollen. Noch genauer kann man mit den erweiterten Operatoren suchen: „site“ ist so einer und wirft nur Ergebnisse aus einer Domain aus; sucht man beispielsweise nach „site:digital-lernen.de schulpraxis“, liefert Google nur Beiträge zur Schulpraxis, die auf DIGITAL LERNEN erschienen sind. Listen dieser Operatoren findet man im Internet. Mit Google kann man sich außerdem bequem über die Themen auf dem neuesten Stand halten, die man auf diese Weise eingegrenzt hat. Tauchen neue Einträge im Suchmaschinen-Index auf, die der Suchphrase entsprechen, sendet das Programm automatisch eine Nachricht  - Google-Alerts und RSS-Feeds sind hier die Stichwörter.

Eine längerfristige Finde-Strategie ist das regelmäßige Veröffentlichen eigener Inhalte zu bestimmten Themen. So „kann man sich einen Stamm von Followern/Lesern aufbauen die sich mit ähnlichen Themen beschäftigen und wertvolle Ressourcen darstellen können“, erläutert Appelt dieses Vorgehen. Schulen können diese Idee sehr einfach in einem offenen Wiki umsetzen: wikis.zum.de ist ein Beispiel für eine solche Gemeinschaft aus losen Verbindungen zwischen Schulen und Projekten, die sich gegenseitig Inhalte anbieten – Inhalte aller Fächer und aller Klassenstufen.

Ein weiteres zurzeit wichtiges Thema wird in den Workshops behandelt: das Urheberrecht, das Lehrer und Dozenten berücksichtigen müssen, wenn sie Kulturprodukte in Bildungskontexten verwenden. Deshalb ist man als Lehrender grundsätzlich gut damit beraten, die Suche auf CC-lizenzierten Inhalt zu lenken. Die Creative Commons Lizenzen sind eine „Ergänzung zum Urheberrecht“, wie es auf der Seite cc-your-edu.de heißt. „Alternativ erlauben sie, Nutzungsrechte rechtlich verbindlich speziell für die Weiterverwendung und Weitergabe durch andere zu kennzeichnen. Mit der Verwendung von Creative Commons lizenzierten Materialien ist es deswegen leicht möglich, Lehr- und Lernmaterialien zu erstellen, die das Urheberrecht nicht verletzen.“ Appelt stellt in seinen Veranstaltungen weitere gute Adressen für CC-lizenzierte Inhalte vor: für Fotos Flickr.com, für Musik Jamendo.de.

Die Workshops vermitteln praktische Suchtipps, langfristige Strategien und die Kenntnis des rechtlichen Rahmens. In diesem neuen Wissenshorizont suchen die Workshop-Teilnehmer im Internet ganz anders als vorher. Das fällt vor allem ihnen selbst auf, wenn sie am Ende des Workshops zum Einüben einem vorbereiteten Rechercheauftrag nachgehen: Neue Quellen, Suchtechniken und Einschränkungen werden jetzt genutzt und das Internet antwortet viel deutlicher auf die Fragen, die man an es richtet.

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Datum:
27.07.2012
Autor:
Sven Becker
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