Über diesen Artikel
Datum:
22.06.2012
Autor:
Sven Becker
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/schulpraxis/einzelansicht/artikel/segu-eine-open-educational-resource-fuer-den-geschichtsunterricht.html
Title:
Segu: eine Open Educational Resource für den Geschichtsunterricht
Kategorie:
Schulpraxis
segu-Projekt     

Segu: eine Open Educational Resource für den Geschichtsunterricht

segu-Projekt
segu-Projekt     
© Dr. Christoph Pallaske, (CC-BY-SA 3.0)

Segu – das ist selbstgesteuerter Geschichtsunterricht auf Grundlage einer Open Educational Resource, kurz OER. Es ist „Geschichtsunterricht einmal anders! Geschichte mit segu bedeutet: Du arbeitest selbständig und entscheidest, was du wann und wie lernst.“

Auf der Webseite des Projekts der Kölner Universität finden die Schüler Geschichte modular aufbereitet. Wie ein Puzzle: „Mit der Zeit kennst du immer mehr Puzzleteile, aus denen du dir ein Bild der Vergangenheit zusammensetzt.“ Historische Epochen und Begriffe strukturieren den Inhalt. Verschiedenfarbige Module führen durch die Unterrichtseinheiten: es gibt Lernmodule, Methoden-Module oder Forscher-Module. Sie werden heruntergeladen, ausgedruckt und schriftlich in der Geschichtsmappe bearbeitet. Als Quellen dienen Geschichtsbuch und Internet. Der Lehrer gibt das Thema der Unterrichtseinheit vor und auch die Module, aus denen die Schüler auswählen können. Mit dem segu-Planer erstellt er einen Wochenplan. Die Schüler bestimmen die Reihenfolge, in der sie die Module bearbeiten, und auch, ob sie allein, mit einem Partner oder im Team arbeiten wollen. Zum Schluss bearbeiten die Schüler die Datei „Wissen_vernetzen“, mit der sie die Ergebnisse zusammenfassen können und außerdem den eigenen Lernerfolg beurteilen lernen. So funktioniert offener, selbstgesteuerter Unterricht.

Carsten Reichert, angehender Geschichtslehrer am Karl-Theodor-von-Dalberg-Gymnasium in Aschaffenburg, hat segu schon in seinem Unterricht ausprobiert. Segu war Teil einer Sequenz zum Thema „Neue geistige und räumliche Horizonte“. Dabei orientierte er sich an den inhaltlichen Schwerpunkten des bayerischen Lehrplans. Reichert wählte bestimmte Module aus, die für die Schüler verpflichtende Bausteine waren. Darüber hinaus konnten die Schüler in einer Art Wahlpflichtbereich aus drei Modulen eines auswählen. Sein Fazit: „Positiv ist für mich bei segu insgesamt, dass die Material- und Aufgabensammlung umfangreich ist und dennoch für den eigenen Gebrauch modifiziert werden kann. Damit sind die Module besser einsetzbar als zum Beispiel Verlagsarbeitsblätter.“ Reichert stellte außerdem eine höhere Motivation der Schüler fest. Die individuellen Ergebnisse waren besser, und vor allem in Partnerarbeiten waren die Bearbeitungen der Schüler umfassender.

Solches Feedback freut Christoph Pallaske, der das Projekt an der Universität Köln entwickelt. Erst im März letzten Jahres ist das Projekt gestartet und schon jetzt ist es eines der besten Beispiele für OER in Deutschland, das die drei Elemente digitale Medien, selbstgesteuertes Lernen und OER didaktisch miteinander verkoppelt. Open Educational Resources sind freie Lehr- und Lernmaterialien für den Bildungsbereich. Frei meint hier jedoch nicht in erster Linie „frei von“ Kosten – schließlich darf Bildung durchaus etwas kosten, wie auch Pallaske anmerkt. Sie sind vielmehr „frei für“ für den Einsatz in digitalen Medienkontexten, denn sie können „auf Grund einfacher Urheberrechts-Regelungen andere digitale Lernformate bedienen“ - so ist etwa segu unter Creative Commons lizenziert. OER regen außerdem die freie Kommunikation zwischen Lehrern und Anbietern von Bildungsmedien an: „Ohne diese Kommunikation wäre segu in 15 Monaten nicht dort, wo es heute steht.“ Die externen Hinweise führten häufig zu Verbesserungen, ergänzt Pallaske, und er wünscht sich deshalb weitere Kontakte zu Lehrern, die das Konzept ausprobieren wollen.

Doch gerade an die Freiheiten knüpft sich auch Kritik. Da sei etwa die Umstellung auf einen offenen Unterricht, die ein Umdenken von Unterricht und der Lehrerrolle erfordere. Zwar sei die Diskussion über offene Lernkonzepte schon alt, trotzdem wirke es heute - besonders an der Schulform Gymnasium - immer noch richtiggehend exotisch, „wenn Sie sich entschließen, im offenen Unterricht zu arbeiten.“ Pallaske sieht die Lösung in einem neuen Verständnis von Lernen: „Weg von kontrollierbaren und abprüfbaren Wissensbeständen hin zu individuellen Lernprozessen und Lernergebnissen.

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22.06.2012
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Sven Becker
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Schulpraxis
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