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Datum:
02.07.2012
Autor:
Sascha Steuer
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/schulpraxis/einzelansicht/artikel/rudolf-peschke-ehem-medienreferatsleiter-im-hessischen-kultusministerium-ein-portraet.html
Title:
Rudolf Peschke, ehem. Medienreferatsleiter im Hessischen Kultusministerium – Ein Porträt
Kategorie:
Schulpraxis
gastautoren stift

Rudolf Peschke, ehem. Medienreferatsleiter im Hessischen Kultusministerium – Ein Porträt

Seit 1980 war Rudolf Peschke in verschiedenen Funktionen im Ressort des hessischen Kultusministeriums tätig. 1999 wurde der Diplom-Informatiker und Erziehungswissenschaftler zum Referatsleiter im hessischen Kultusministerium berufen. Dort hat er sich durch sein besonderes Engagement für die Medienbildung in den Schulen einen Namen über das Bundesland hinaus gemacht. Auf die Frage angesprochen, worauf er im Rückblick besonders stolz ist, nennt Peschke die Einführung der „Informations- und kommunikationstechnologischen Grundbildung“, den pädagogischen Ansatz im Bund-Länder-Modellversuch „Förderung von Eigeninitiative und Unternehmergeist“ und das Großprogramm „Schule@Zukunft“. Vor wenigen Wochen ist Rudolf Peschke in den Ruhestand getreten. In den letzten 13 Jahren hat er viel erreicht, doch der technische Fortschritt und die immer stärkere Durchdringung aller Lebensbereiche mit digitalen Medien, haben auch ständig neue Herausforderungen an die Schulen gestellt. Insbesondere die Ausstattung der Schulen mit aktuellen Endgeräten wie Computern scheint ein Wettlauf gegen die Zeit.

Das bis 2006 bundeseinheitliche Erfassen der Computer-Schüler-Relation hält Rudolf Peschke für „Zahlenspielerei“. Heute beschaffte Laptops, können in drei Jahren schon Elektroschrott sein, weil eventuell pädagogisch wichtige Programme darauf nicht mehr laufen. Es sei ein Zeitpunkt erreicht, an dem Zahlen nicht mehr die Rolle spielten. Es gebe mittlerweile sehr viele Computer an den Schulen, nun müsse es darum gehen, dass die Lehrkräfte die Computer auch einsetzen, meint Peschke. Nur so könnten auch die Schulträger motiviert werden, mehr in die IT-Ausstattung zu investieren.

Rudolf Peschke hält es für entscheidend, dass alle Beteiligten sich an einen Tisch setzen und eine gemeinsame Strategie verabreden. Solange Schulträger, Schulbuchverlage und Lehrer immer nur  abwarten was der andere macht, sei ein qualitativer Schritt nach vorn nicht möglich. Gerade die Schulreformen wie Binnendifferenzierung, Altersmischung und Inklusion stellten immer wieder neue Anforderungen an möglichst differenzierte Lehr- und Lernmaterialien. Diese Materialien müssen in der bisherigen Vielfalt auch in digitaler Form zur Verfügung stehen, nur dann würden die Lehrer motiviert in jedem Unterrichtsfach digitale Medien einzusetzen. Insbesondere die Schulbuchverlage müssten ihr Geschäftsmodell ändern, fordert Peschke, und statt des „Premiumprodukts Buch“ das „Premiumprodukt digitales Schulbuch“ herausbringen.

Zur Bewältigung der digitalen Inhalte bräuchten die Schulen laut Peschke Hilfen wie Lernmanagementsysteme. Bei den weiterführenden Schulen in Hessen hätten etwa die Hälfte bereits Lernmanagementsysteme wie moodle, das LMS des hessischen Bildungsservers oder lo-net² im Einsatz. Allerdings würden diese sehr unterschiedlich genutzt. Vielerorts stünde die Kommunikation und nicht die Mediendistribution im Vordergrund. Den Boom der interaktiven Tafeln sieht Rudolf Peschke sachlich. Die interaktiven Tafeln wären durch das Konjunkturprogramm etwas zu schnell an die Schulen gekommen. Nun müssten sie ergänzt werden durch Laptops und Tablet-Computer. Aus seiner Sicht ist gerade die Kombination wichtig. So habe die Tafel insbesondere für die Lehrkräfte eine sinnvolle Brückenfunktion im Zugang zu und im Umgang mit digitalen Materialien.

Im Gespräch mit DIGITAL LERNEN fordert Rudolf Peschke eine „konzertierte Aktion über drei-vier Jahre“ analog zum Ganztagsschulprogramm von Bund und Ländern. In einem Partnerschaftsprojekt müssten  Inhalte und IT-Ausstattung zusammengeführt werden. Er plädiert dafür, den Schulbuchverlagen die Sorge zu nehmen, dass mit der Digitalisierung der Schulbücher ihre bisherigen Einnahmen einbrechen würden. Hierfür sei es notwendig ein Lizenzmodell zu finden, dass den Verlagen eine Umstellung auf digitale Materialien im Rahmen der bisherigen Umsätze von etwa 340 Millionen Euro jährlich ermöglicht.

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02.07.2012
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Sascha Steuer
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