Über diesen Artikel
Datum:
08.10.2012
Autor:
Sven Becker
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/schulpraxis/einzelansicht/artikel/moeglichkeiten-des-mobile-learning-im-schulunterricht.html
Title:
Möglichkeiten des Mobile Learning im Schulunterricht
Kategorie:
Schulpraxis
redaktion sven becker

Möglichkeiten des Mobile Learning im Schulunterricht

andreas hedrich hemd 400- 2 01
© Andreas Hedrich

Mobile Learning in der Schule ist ein noch junges Thema. Die Technik ist neu und bahnt sich stetig einen Weg in den Mainstream. So zeigt die JIM-Studie 2011, dass mittlerweile fast alle Schüler ein Handy besitzen. Der Anteil der Smartphones stieg dabei in 2011 auf immerhin 25 Prozent. Im Vorjahr waren es erst 14 Prozent gewesen. Parallel zu dieser Entwicklung gibt es Initiativen, Projekte und Überlegungen zu der Frage, wie man die mobilen Geräte für den Unterricht fruchtbar machen kann. Andreas Hedrich ist einer der Akteure. Der Soziologe und Medienpädagoge arbeitet an der Universität Hamburg und initiiert Projekte mit digitalen und audiovisuellen Medien.

Er hebt verschiedene Anwendungsmöglichkeiten für die mobilen Geräte hervor. „Das Handy oder Smartphone in den Unterricht zu integrieren kann sehr unterschiedliche Ausprägungen haben. Vor allem kann es als Thema, Gestaltungs- oder Darstellungsmittel genutzt werden.“ Als Recherche- und Darstellungswerkzeug bietet es einen breiten und didaktisch anregenden Einsatzbereich. Beispielsweise als Audiorecorder zum Aufzeichnen von Experteninterviews. Das Handy fungiert hier „als Produktionsmittel für klassische Medienprodukte. Der Aspekt des handelnden Lernens steht dabei im Vordergrund. Es wird mit einem Alltagsmedium etwas Neues produziert. Für die Schülerinnen und Schüler, die so das Handy mit einer anderen Funktionsweise kennenlernen, wird es ermöglicht, eine andere Perspektive auf einen Gegenstand, hier das Handy, einzunehmen. Zudem wird die Experimentierfreude geweckt und ein Anreiz zur Auseinandersetzung geschaffen.“ Außerdem kann man die Telefone zur Dokumentation und Reflexion nutzen. Per Videotagebuch können Lernerfahrungen oder Unterrichtsthemen festgehalten und reflektiert werden. Logbucheinträge zu verfassen schult die Fähigkeit konzise zu formulieren: sich kurz fassen und dabei Wichtiges und Zentrales hervorheben. Überdies können Arbeitsergebnisse mit Fotosammlungen in einer Weise bildlich dargestellt und veröffentlicht werden, die in der Form sonst nicht möglich wären. Schließlich kann Mobile Learning auch im Bereich Gestaltung und Erzählung eingesetzt werden. Mit Filmen können neue Perspektiven gefunden und Geschichten erzählt werden. Ebenso kann ein Thema aus dem Fachunterricht in einem Hörspiel vertont werden. Hedrich hebt bei all dem besonders den kreativen Aspekt hervor. Sein Fokus liegt darauf, „welche Möglichkeiten zur Veranschaulichung und zur kreativen Gestaltung das Handy hat. Dabei ist für jedes Fach an Anwendungsbeispiele zu denken. Das SMS-Gedicht in Deutschunterricht, die Kurvendiskussion an Hand von Fotos einer Kurve aus unterschiedlichen Perspektiven in Mathe oder die Bebilderung eines Vortrags im Biologieunterricht mit Fotos die mit dem Handy gemacht wurden.“

Die spezifischen Eigenschaften des Handys schaffen so eine weitere Ebene der unterrichtlichen Praxis. Ein Beispiel dafür ist das Projekt MobileMovie, das seit mehreren Jahren mit Hamburger Schulen veranstaltet wird. Es ist ein Handyfilm-Projekt im Unterrichtsfach Bildende Kunst, an dem bislang über 600 Schüler und rund 45 Lehrer teilgenommen haben. Die Projektseite erklärt: „Jugendliche befestigen ihr Handy für Videoaufnahmen am eigenen Körper, an Objekten oder bringen es in ungewöhnliche Positionen. Die Clips zeigen urbane Räume aus neuen und inspirierenden Kameraperspektiven.“ Hedrich erläutert, durch diesen Ansatz könne „der Kunstunterricht maßgeblich unterstützt werden. Mit den Eigenschaften des Handys können besondere Perspektiven, Stimmungen und bewegte Kamerabilder produziert werden und damit die im Lehrplan festgelegte Diskussion um diese Themen unterstützt werden.“

Und genau darin scheint daher eine Chance des Mobile Learning zu liegen: die technischen Alltagsgegenstände in einer verfeinerten Weise zu nutzen, so dass sie zu Sensoren werden, mit deren Hilfe wir unsere Lebenswelt genauer, tiefer und reflektierter wahrnehmen

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08.10.2012
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Sven Becker
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