Mit Tablet-Computern zu besserer Inklusion von Blinden und Sehbehinderten

Ipad-Klasse des bbs nürnberg

Ipad-Klasse des bbs nürnberg

Für Blinde und Sehbehinderte sind digitale Medien alltägliche Instrumente zur Inklusion. So auch am Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte (bbs) in Nürnberg, das die neuen technischen Möglichkeiten in den Bildungsbetrieb integriert hat. Eines der Projekte ist die neue iPad-Klasse. 13 Schüler – Blinde, Sehbehinderte und normal Sehende – haben im November jeweils ein iPad erhalten, dessen inklusives Potenzial nun im Unterricht erprobt wird. Vielversprechende Funktionen sind dabei vor allem die vom Hersteller integrierte Vergrößerungsfunktion und die Sprachausgabe. Auch die einfache Anbindung einer Braillezeile – ein Computer-Ausgabegerät für Blinde – ist möglich. Apple unterstützt mit seinem Betriebssystem iOS5 insgesamt 49 Braillezeilen verschiedener Hersteller, die über Bluetooth mit dem iPad verbunden werden und Texte automatisch in Brailleschrift umwandeln. So stellt das Lesen auf dem Tablet auch für blinde und sehbehinderte Menschen keine Barriere mehr dar. Den Schülern am bbs Nürnberg wird damit eine weitere Möglichkeit geboten sich mit gleichen Chancen in den Bildungsprozess einzugliedern.


Gerade für blinde und sehbehinderte Jugendliche haben digitale Medien im Alltag wegen ihrer inkludierenden Funktion einen besonders hohen Stellenwert. Viele der Schüler verfügen bereits sehr früh über eigene technische Geräte, die durch die Krankenkassen finanziert werden. Die digitalen Medien eröffnen für viele erstmalig eine individuelle Teilhabe an der Informationsgesellschaft. „In diesem Zusammenhang fördern wir alle Wege und Möglichkeiten dorthin, denn nur so ist der gleichberechtigte Zugang zu Wissen und die Teilhabe am Arbeitsleben möglich“, so Jochen Seidel, Lehrer und Webmaster am bbs Nürnberg.


Deshalb sind auch die Lehrer hier besonders sensibilisiert für den Nutzen digitaler Medien und stehen zu ihnen in einem dynamischeren Verhältnis als es in Regelschulen noch häufig zu beobachten ist. Das Lehrpersonal ist weitestgehend mit der Technologie vertraut. Alle Lehrer werden im Umgang mit digitalen Medien intern fortgebildet, so dass sie sie fundiert im Unterricht einsetzen können. Das Konzept dazu ist auf Grund des raschen Wandels bewusst flexibel angelegt: „Ähnlich den teilweise immensen Technologiesprüngen im Bereich der Bildung und Ausbildung von Menschen mit Blindheit und Sehbehinderung verändert sich dieses in kürzester Zeit. Die aktuellen Konzepte werden von Leitung und Administratoren geplant und gemeinsam umgesetzt“, sagt Seidel. Ein Beispiel: „Der sich gerade anbahnende neue ‚Boom‘ der Apple-Technologie, die einen Zugang ohne teure Screenreader-Software ermöglicht, wird hier neue Wege eröffnen.“ Doch auch wenn solche technischen Sprünge zur Flexibilität anhalten, ist Kontinuität wichtig. Seidel hebt als tragende Grundpfeiler die Leitlinien hervor, um die es am bbs hauptsächlich geht: „Teilhabe, Zugang zu Informationen, Gewinn an Aktualität und Geschwindigkeit sowie Recherche.“


Das bbs Nürnberg, getragen von der Blindenanstalt Nürnberg e.V., besteht aus dem Förderzentrum Grund- und Hauptschule und beruflichen Schulen. Insgesamt 400 Schüler werden dort von 110 Lehrern unterrichtet. Eine 3000er DSL Leitung verbindet die Computer mit dem Internet, LAN ist in allen Klassenräumen verfügbar. Für die iPad-Klasse wurde ein WLAN-Access-Point Netgear N300 angeschafft, sowie ein WLAN-fähiger Drucker. Der Schulserver läuft mit Windows Server 2003. Es gibt vier PC-Räume, in denen die Schüler insgesamt 50 Computer nutzen können. Hinzu kommen etwa 30 Laptops und insgesamt 18 iPads. Zehn interaktive Tafeln unterstützen den Unterricht zusätzlich. Die IT-Systembetreuung wird momentan von zwei Lehrern übernommen.

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Über diesen Artikel
Datum:
09.06.2012
Autor:
Sven Becker
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Mit Tablet-Computern zu besserer Inklusion von Blinden und Sehbehinderten
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Schulpraxis
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