Junge Philologen: Medienkompetenzförderung soll Unterricht revolutionieren

Mehr IT-Einsatz in deutschen Schulen wird es nur geben, wenn die Lehrer motiviert werden, die digitalen Medien einzusetzen. Über die Entwicklung in den Schulen sprachen miteinander der Vorsitzende der Jungen Philologen Thomas Langer und der Chefredakteur von DIGITAL LERNEN Sascha Steuer.

Sascha Steuer: Die Kultusministerkonferenz hat Anfang des Jahres einen Beschluss gefasst, dass Medienbildung in allen Unterrichtsfächern verstärkt Einzug halten soll und dafür die erforderliche Hardware und Software zur Verfügung gestellt werden muss. Auch der Deutsche Bundestag hat im April gefordert, dass allen Schülern mobile Endgeräte zur Verfügung gestellt werden sollen, damit in allen Schulen und in allen Klassen digital gelernt werden kann. Ist dies ein Grund zur Freude?  

Thomas Langer: Natürlich wäre es wünschenswert, wenn Bund und Länder auch Haushaltsmittel folgen ließen. Aber welches Verständnis von Bildung haben wir? Es gibt unter Lehrern deshalb eine gewisse Scheu vor dem Computer im Unterricht, weil er per Google und Wikipedia zwar einen ganz schnellen Zugriff auf Wissen bietet, damit allein jedoch noch keine Bildung vermittelt.

Sascha Steuer: Haben Sie Erfahrungen, ob diese Scheu eine Altersfrage ist? Was machen die Jungen Philologen, um das Thema zu unterstützen?

Thomas Langer: Ich denke, wir müssen uns zum Thema positionieren. Gerade wir Jungen Philologen wollen die Diskussion anschieben. Dies hat aber nicht unbedingt etwas mit dem Alter zu tun. Die Informatiklehrer in meinem überalterten Lehrerkollegium zuhause in Leipzig sind über 50 und machen einen guten Unterricht. Ich stelle aber schon fest, dass es gerade bei meinen Schülern Begeisterung auslöst, wenn ich mein iPad oder meinen Laptop in den Unterricht mitbringe. Das kennen sie von ihren Lehrern sonst nicht. Ich fühle mich dann ein wenig als Exot.

Sascha Steuer: Ist es die Aufgabe eines Exoten, die Schüler auf die Ausbildung oder ein Studium vorzubereiten, bei dem der Computer spätestens Standard ist?

Thomas Langer: Das ist eine spannende Frage. Primär soll das Gymnasium auf ein Studium oder eine qualifizierte Berufsausbildung vorbereiten und eine vertiefte Allgemeinbildung vermitteln. Insofern ist die Frage, ob eine Schule eine schlechte Schule ist, wenn sie nicht auf den Umgang mit dem Computer vorbereitet, kritisch zu betrachten. Unser Land hat schließlich bereits Geistesgrößen, Dichter und Denker hervorgebracht, als es noch keinen Computer gab. Was wäre wohl aus dem jungen Goethe oder Schiller mit Computern geworden?

Sascha Steuer: Goethe hat viel Zeit in der Anna-Amalia-Bibliothek verbracht. Vielleicht ist ja das Internet die Anna-Amalia-Bibliothek des 21. Jahrhunderts, die jetzt mehr Menschen zur Verfügung steht als nur den gehobenen Ständen der damaligen Zeit. Findet nicht jede Zeit ihre eigenen Werkzeuge?

Thomas Langer: Ja, aber das Internet, so wie ich es kenne, ist eine unaufgeräumte Anna-Amalia-Bibliothek, die zu Teilen abgebrannt und zu Teilen super ausgestattet ist. Wir erleben immer wieder, dass es gerade schwächere Schüler sehr schwer haben, mit dieser unaufgeräumten Bibliothek umzugehen.

Sascha Steuer: Also sollte der Lehrer doch den Schülern helfen sich im Internet zurechtzufinden, so wie früher die Lehrer auch die Benutzung der Bibliothek erklärt haben.  

Thomas Langer: Ja, es ist auch heute unsere Aufgabe, ihnen beizubringen, wie sie in dieser unaufgeräumten Bibliothek namens Internet zurechtkommen, wo sie aufpassen müssen, um sich nicht zu verlaufen oder die falschen Bücher herauszuziehen.

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Über diesen Artikel
Datum:
30.05.2012
Autor:
Sascha Steuer
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Junge Philologen: Medienkompetenzförderung soll Unterricht revolutionieren
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Gastbeitrag / Interview, Schulpraxis
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