Interview mit Hans Wedenig über das Projekt SCHULBUCH-O-MAT

Heiko Przyhodnik und Hans Wedenig von Schulbuch-O-Mat
Heiko Przyhodnik und Hans Wedenig von Schulbuch-O-Mat     
© Hans Wedenig

Der SCHULBUCH-O-MAT soll das erste offene und freie elektronische Schulbuch Deutschlands werden. Als Pilotprojekt ist ein Biologiebuch für die Klassenstufen sieben und acht geplant, das modular aufgebaut ist und kollaborativ erarbeitet wird. Auch die Startfinanzierung ist kollaborativ organisiert: Die beiden Initiatoren Heiko Przyhodnik und Hans Wedenig haben für ihr Projekt über die Crowdfunding-Plattform startnext genug Unterstützung eingesammelt, um es bis zum Sommer verwirklichen zu können. Die Finanzierung war bis wenige Tage vor Ablauf der Frist ungewiss. DIGITAL LERNEN berichtete darüber. In einem beeindruckenden Endspurt konnten Przyhodnik und Wedenig jedoch knapp 4.000 Euro innerhalb von fünf Tagen einsammeln und somit die Umsetzungsphase des Schulbuch-O-Mat sichern. DIGITAL LERNEN sprach mit Hans Wedenig über die Zukunft des Projekts.

DIGITAL LERNEN: Herzlichen Glückwunsch, Sie haben es ja spannend gemacht und schließlich noch geschafft. Wie ist die Stimmung bei Ihnen?

Hans Wedenig: Danke! Ja, noch vor einem halben Jahr hätten wir uns nicht vorstellen können, dass ein Schulbuch so in Spannung versetzen kann. Entspannte Konzentration trifft unsere Stimmung jetzt am ehesten.

Wie geht es jetzt weiter? Was sind die ersten Schritte?

Als nächstes wird unsere Webseite schulbuch-o-mat.de in Betrieb gehen, um Interessierten eine Online-Anlaufstation bieten zu können. Parallel sind wir mit oncampus/LOOP in diesen Tagen dabei, die Plattform für das Erstellen des Schul-E-Books zu installieren. Plangemäß sollte bereits kommende Woche mit dem System gearbeitet werden können. Ja, und den künftigen AutorInnen, Design- und Grafikfachleuten, Lektoren, etc., die sich für eine freiwillige Mitarbeit angeboten haben, gilt unsere größte Aufmerksamkeit. Sie sind sozusagen die entscheidenden Brennstoffzellen für den SCHULBUCH-O-MAT.

Ist der weitere Arbeitsprozess schon koordiniert oder gibt es noch Schwierigkeiten zu überwinden? Möglicherweise fehlt für den einen oder anderen Bereich oder eine Funktion noch Unterstützung?

Für die nächsten fünfeinhalb Monate wird ein Projektplan, möglichst mit mehreren Meilensteinen, gegliederten Arbeitsprozessen und definierten Aufgaben, erstellt. Dafür ist aber zunächst abzuklären, wer, was, mit welchem Einsatz bewerkstelligen kann bzw. möchte. Ich denke schon, dass da und dort Über- oder Unterkapazitäten sichtbar werden. Wenn also etwas fehlen sollte, werden wir das sofort kommunizieren. Wir sind mehr denn je davon überzeugt, dass der Schwarm tausendfache Kapazität dafür in sich trägt. Es hat ja auch einen gewissen Charme, bei diesem Projekt als Pionier mitzumachen.

Das Biologie-Buch soll ein Modell-Projekt sein. Einerseits ist also das konkrete Projekt zu entwickeln, im Hintergrund sollen aber wahrscheinlich bestimmte Strukturen entstehen, die auf die Folgeprojekte anwendbar sind. Können Sie dazu schon etwas sagen?

Inzwischen ist das Bio-Schul-E-Book ein Modell-Projekt für OER-Schulbücher geworden, klar. Obwohl das nicht unsere Intention war, auch nicht ist. Es hat sich einfach in kürzester Zeit so entwickelt, dass der SCHULBUCH-O-MAT als OER-Leuchtturm dienen kann - vermutlich Mehrere hätten wohl nichts dagegen, wenn es ein Strohfeuer wird. Das wird nicht passieren. Wir werden eine ordentliche, vielleicht ganz gute erste Version im Sommer herausgeben. Das einzigartige dabei ist jedoch, dass schon im Herbst die verbesserte Version 1.1 oder 1.2 folgen kann. Das können gedruckte Schulbücher nicht leisten. Über Folgeprojekte nachzudenken reicht unser Zeithorizont nicht aus.

Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet. Wie kam es dazu und wie sieht die Zusammenarbeit aus?

Das war tatsächlich eine dieser vielen Überraschungen. Das österreichische Ministerium BMUKK dürfte von dem Startnext-Projekt erfahren haben und hat dann einen nicht nur in Österreich bekannten OER-Fachmann, Dr. Martin Ebner, mit einer Studie beauftragt. Er wird nun mit dem BIMS e.V. eine Begleitforschung zum Projekt, insbesondere um die Projektevaluation und den Transfer auf die österreichische Situation, durchführen. Es freut uns, dass wir dadurch sozusagen einen wissenschaftlichen Beistand bekommen, dem wir unsere volle Unterstützung zugesagt haben.

Jetzt, da das Projekt finanziert ist: was erhoffen Sie sich in Bezug auf den Einfluss des SCHULBUCH-O-MAT - oder vielleicht allgemeiner: von OERs - auf die Schulbildung?

Ich denke, dass Schulbücher, die in der Gemeinschaft entstehen, deren Inhalte von den tagtäglichen Benutzern bewertet werden, die rasch verbessert, angepasst oder ausgetauscht werden können, besser die Informationsanforderung junger Menschen erfüllen sowie Lehrenden das Unterrichten erleichtern. Die faktisch inexistente Leitmedienfunktion des Schulbuches könnte so wieder zu einer tatsächlichen werden. Verlage und die Bildungspolitik sollen ihre Berührungsängste mit OER ablegen, gemeinsam könnten interessante, neuartige Gesamtkonzepte entwickelt werden.

Über diesen Artikel
Datum:
16.01.2013
Autor:
Sven Becker
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/schulpraxis/einzelansicht/artikel/interview-mit-hans-wedenig-ueber-das-projekt-schulbuch-o-mat.html
Title:
Interview mit Hans Wedenig über das Projekt SCHULBUCH-O-MAT
Kategorie:
Schulpraxis
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