Digital und inklusiv: die Walter-Bader-Realschule in Xanten

Walter-Bader-Realschule
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„Aber wohin?“, liest der Schüler vor. Das Smartphone versteht ihn nicht. Also probiert er es noch einmal: „Aber wohin?“. Jetzt hat es ihn verstanden und mit einem aufmunternden „Pling“ zeigt es die nächste Phrase auf dem Display an. Der Schüler ist Fünftklässler, seine Muttersprache Arabisch. Er feilt an einer deutlicheren Aussprache, die ihm umso schwerer fällt, da er schwerhörig ist. Die Xantener sind ein experimentierfreudiges Kollegium. Ideen, was man alles für einen inklusiveren, digitaleren, besseren Unterricht machen könnte, gibt es genug. Mangel herrscht allenfalls an Geld für Projekte. Und weil die Not erfinderisch macht, sitzt der Junge jetzt an einem Tisch und verbessert sein Deutsch mit einem Spracherkennungsprogramm. Warum auch nicht? Wären jedoch genügende Ressourcen verfügbar, dann läge da jetzt natürlich kein Telefon, sondern ein Sprachenlehrer würde den Jungen unterstützen. Aber wie jeder andere auch steht die Schule vor der Aufgabe: Löse das Problem mit den Mitteln, die du hast. Das tut sie einfallsreich.

Wir sind an der Walter-Bader-Realschule in Xanten. Eine Medienschule mit rund 850 Schülern und 50 Lehrern, die besonderen Wert auf die Vermittlung von Medienkompetenz legt und auch intensiv an Modellen zur Inklusion arbeitet. „Vor drei Jahren haben alle Gremien zugestimmt, diese Schule zur Medienschule auszubauen“, erzählt die Schulleiterin Regina Schneider. „Eltern, Schülerinnen und Schüler, Schulträger und das Kollegium haben aktiv diese Entscheidung getragen und umgesetzt. Einig waren sich alle, dass das Lernen mit digitalen Medien Schülerinnen und Schülern zum Erfolg verhelfen kann.“ Wichtig ist ihr, dass die Schüler, aber auch die Lehrer eine verantwortliche Medienkompetenz ausbilden. Um das verwirklichen zu können, muss die Schule insgesamt medial gut ausgestattet sein. Denn nur so wird dem Einzelnen die freie Wahl des Lernmediums ermöglicht.

Die IT-Ausstattung, die dafür zur Verfügung steht, kann sich sehen lassen: 50 PCs, 85 Laptops und 40 Tablet-Computer. Künftig wird die Schule dennoch verstärkt auf Bring Your Own Device - BYOD – setzen. Im nächsten Schuljahr werden die Schüler zu einem großen Teil mit ihren eigenen Geräten in der Schule arbeiten – ein Vorstoß, dessen Erfahrungen die Xantener auch mit anderen interessierten Schulen teilen wollen. Laufende Kosten entstehen aber auch mit BYOD, sie werden aus dem Schuletat bezahlt. Außerdem übernimmt der Schulträger ab dem kommenden Schuljahr die Kosten für zehn Stunden Support pro Woche, damit der reibungslose Betrieb sichergestellt ist. Einen weiteren Effekt hat BYOD, denn „langfristig kann Geld bei den Schulbüchern gespart und für den weiteren Ausbau verwendet werden.“ Bei diesen Erwägungen stehen immer pädagogische Ziele im Vordergrund: „Was außerhalb von Schule zum Lernen und Arbeiten genutzt wird, wird auch innerhalb der Schule genutzt. Damit ist die Verbindung zum Alltag und zur Arbeitswelt geschaffen.“ Apropos Verbindung: Die Netzanbindung der Stadt Xanten ist noch verhältnismäßig eng. Der Anschluss der Schule ist es auch - 16000 kbit/s. Die digitalen Pläne der Schule sind ambitioniert, und Schneider hofft deshalb „auf eine Verstärkung der Internetzuleitung“, damit alle Ideen flüssig umgesetzt werden können, auf die das Kollegium sich vorbereitet.  

Die Fortbildung an der Walter-Bader-Realschule ist vielschichtig strukturiert - Selbststudium, externe und interne Fortbildungen. In ihren Konferenzen handeln die Lehrer regelmäßig den Tagesordnungspunkt „Gute Ideen“ ab.

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Über diesen Artikel
Datum:
10.06.2013
Autor:
Sven Becker
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Digital und inklusiv: die Walter-Bader-Realschule in Xanten
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Schulpraxis
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