Über diesen Artikel
Datum:
10.01.2013
Autor:
Sven Becker
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/schulpraxis/einzelansicht/artikel/der-schulbuch-o-mat-wie-es-weitergeht.html
Title:
Der Schulbuch-O-Mat – wie es weitergeht
Kategorie:
Schulpraxis
Schulbuch-O-Mat     

Der Schulbuch-O-Mat – wie es weitergeht

Schulbuch-O-Mat
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© Schulbuch-O-Mat

„Wir wollen das erste offene und freie elektronische Schulbuch Deutschlands publizieren." Der Biologie- und Sportlehrer Heiko Przyhodnik und der Medienprofi Hans Wedenig wollen mit dem Schulbuch-O-Mat etwas Neues versuchen: „Unser Projekt, ein zeitgemäßes Schulbuch zu initiieren, das kollaborativ produziert wird und gemeinfrei nutzbar ist, betrachten wir als Experiment. Im Vergleich zu vielen anderen Ländern - beispielsweise Südkorea, in der PISA-Studie bekanntlich ganz vorne liegend - hat Deutschland zwar einen deutlichen Aufholbedarf hinsichtlich moderner Schulmedien, dennoch dürften wir mit unserem Vorhaben zu früh dran sein.“

Auf der Crowdfunding-Plattform startnext haben die beiden Initiatoren das Projekt präsentiert, um Projektunterstützung zu sammeln. Genug ökonomisches Kapital kommt bei der Aktion höchstwahrscheinlich nicht zusammen, dafür aber genügend soziales und kulturelles: „Viele bildungspolitische und pädagogische Vor-, Quer-, und Mitdenker unterstützen das Projekt seit dem ersten Tag. Der größere Teil hat aber offenbar die Rolle des Beobachters eingenommen, für manche war und ist der Plan ohnedies schlicht chancenlos. Für alle haben wir eine Botschaft: Spätestens am 31.7.2013 wird das erste freie und offene Schulbuch Deutschlands erscheinen. Mit der Unterstützung von mehr als 30 Fachleuten im Rücken, die sich für eine freiwillige Schulbuch-Mitarbeit bei uns gemeldet haben, trauen wir uns nun, dieses Versprechen abzugeben.“

Als Pilotprojekt ist ein Biologiebuch für die Klassenstufen sieben und acht geplant. Es ist modular aufgebaut, enthält verschiedene Aufgaben für verschiedene Lernniveaus, Tests, multimediale Grafiken und Filme. Inhaltlich orientiert es sich am Rahmenlehrplan Berlin, so dass die meisten Inhalte bundesweit im Biologieunterricht der Sekundarstufe I verwendet werden können. Über Schnittstellen werden erweiterte optionale Inhalte angeschlossen. Das E-Book „Biologie“ ist ein Anfang, ein Modell. Bücher für andere Fachbereiche und Schulstufen werden folgen. Denn die Vorteile sind klar: Alle Inhalte sind unkompliziert verwendbar und können von Lehrern, Eltern und Verlagen weiter bearbeitet und in beliebiger Form veröffentlicht werden. Dies erleichtert die pädagogische Arbeit, weil es keine Probleme mit Urheberrechten gibt. Darüber hinaus kann ein freies Schul-E-Book, das von Vielen erstellt wird, jederzeit mit geringem Aufwand und ohne Kosten von der Community auf den aktuellen Stand gebracht werden.

Das freie Schulbuch wird kollaborativ erarbeitet, jeder kann sich beteiligen, vom Professor bis zum kritischen Schüler. In einem Forum fließen die Unterrichtsideen zusammen. „Für die gemeinschaftliche Online-Erstellung des Bio-Schulbuches setzen wir nun voll auf LOOP von oncampus, eine Top-Autorensystem der E-Learning Tochter der FH Lübeck. Das Online-Tool für die Erstellung von akademischen Inhalten wird für die LOOP-Eigenentwicklung passgenau auf die Bedürfnisse des Schulbuch-O-Mat abgestimmt.“ Eine Online-Sammelstelle für den Schulbuch-O-Mat ist bereits eingerichtet. Seit Mitte Dezember können Texte, Fotos, Grafiken und Animationen in 16 verschiedenen Kategorien, die den Kapiteln und Wahlbereichen des Rahmenlehrplanes entsprechen, hoch- und auch heruntergeladen werden.

Die Initiatoren sehen das Schul-E-Book nicht in Konkurrenz zu den Schulbuch-Verlagen, sondern als Ergänzung. Es kann Wissen aufnehmen, das bislang verloren ging. Beispielsweise werden für Hospitationen fein ausgearbeitete Unterrichtsstunden entworfen, die später meist einfach im Archiv verschwinden. Sie können der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und anderen nutzen. Zudem sind viele freie Schulmaterialien verstreut im Netz zu finden, die ebenfalls aufgenommen werden können. Diese Funktion ist zeitgemäß, aber man spürt den Widerstand der Tradition: „Während Gesetzgeber, Verlage - und nach wie vor zahlreiche Lehrer - sich als die letzten aufrechten Bewahrer des mehr als 100 Jahre alten Leitmediums Schulbuch verstehen, lassen sich die Schülerinnen und Schüler immer weniger davon beeindrucken: Informationseinholung und -verarbeitung läuft bei den Jungen zunehmend abseits von Gedrucktem. Diese „Verwechslung der Zeiten“ der Verantwortlichen wird maßgeblich durch das Fehlen entsprechender bildungspolitischer Ideen und Konzepte gestützt. In zehn, fünfzehn Jahren wird über diese wertbewahrende Phase vermutlich geschmunzelt oder gestaunt werden. Für uns ist es eine unverantwortliche Position im Heute.“

Daraus leiten die Initiatoren eine Verantwortung für die nachfolgende Generation ab: „Den Kindern - und Lehrern - zusätzlich zu den Schulbüchern digitale Medien anzubieten, ist eine unumstößliche Verpflichtung von uns „wissenden“ Erwachsenen. Diese täglich von den jungen Menschen wie selbstverständlich genutzten Medien müssen schnellstmöglich Bestandteil von Schulentwicklung werden.“ Deshalb wollen sie mit Hilfe der freiwilligen Unterstützer „eine Kultur der freien Bildungsmaterialien einläuten“.

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Datum:
10.01.2013
Autor:
Sven Becker
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Der Schulbuch-O-Mat – wie es weitergeht
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Schulpraxis
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