Über diesen Artikel
Datum:
30.01.2013
Autor:
Sven Becker
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/schulpraxis/einzelansicht/artikel/cybermobbing-an-schulen.html
Title:
Cybermobbing an Schulen
Kategorie:
Schulpraxis
Mobbing      

Cybermobbing an Schulen

Mobbing
Mobbing      
© Techniker Krankenkasse

Cybermobbing – den Begriff hört man oft. Was aber darunter genau zu verstehen ist, ist nicht immer klar. Und außerdem: Gab es nicht immer schon Hänseleien unter Schülern, und ist es deshalb überhaupt verwunderlich, dass das Phänomen auch im Internet existiert? Eigentlich nicht. Aber das macht es nicht weniger problematisch. Hinzu kommt, dass Mobbing in digitalen Medien eine andere Qualität gewinnt als in der wirklichen Welt: Ihr asynchroner Charakter erlaubt die Wiederholung von Ereignissen, und die sozialen Medien sorgen für die rasante Verbreitung. Das Netz vergisst nicht, heißt es, und so droht auch dem einstigen Mobbing-Opfer jederzeit die Aktualisierung der demütigenden Vergangenheit.

Cybermobbing scheint kein Randphänomen zu sein. 2011 zeigte eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse die weite Verbreitung: „Danach waren 32 Prozent der befragten Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren in Deutschland bereits einmal Opfer einer Cybermobbing-Attacke.“ Jeder dritte Jugendliche also. Die aktuelle JIM-Studie kommt auf andere Zahlen. „15 Prozent der 12- bis 19-jährigen Internet-Nutzer ist es schon passiert, dass im Internet Falsches oder Boshaftes über ihre Person verbreitet wurde.“ Dezidiert als Ziel von Cybermobbing sehen sich mit fünf Prozent jedoch deutlich weniger Jugendliche. „Allerdings dürfte dieser Wert eher die untere Grenze markieren, da nicht davon auszugehen ist, dass die Jugendlichen in der Befragungssituation derart Persönliches und Verletzendes preisgeben“, räumen die Autoren der Studie ein.

Diese unterschiedlichen Befragungsergebnisse sind auch auf die Unschärfe des Begriffs Cybermobbing zurückzuführen. Die Autoren der JIM-Studie verweisen darauf, dass die „Grenze zwischen Peinlichkeiten, Beleidigungen und Cybermobbing je nach individueller Konstitution von außen nur schwer nachvollziehbar“ sei. Der genaueren Klärung des Begriffs und der zu Grunde liegenden Strukturen widmet sich seit Oktober dieses Jahres das DFG-geförderte Projekt „Cybermobbing an Schulen“ an den Unis Münster und Hohenheim unter der Leitung von Thorsten Quandt: „Cybermobbing ist nur ein Oberbegriff - je nach Sichtweise reicht das von „leichten“, oft nur gedankenlos eingesetzten Formen bis hin zu systematischer Verfolgung mit einer dezidierten Schädigungsabsicht. Nicht allein die Handlung ist relevant, sondern der gesamte Kontext, der objektive und der subjektive Schaden usf. Das können Sie nicht wirklich fixieren und „exakt“ festlegen: Was der eine Betroffene als großes Problem empfindet, ist für den anderen noch kein Mobbing.“ Das Projekt zielt auf ein differenzierteres Verstehen des Phänomens, wie die Projektmitarbeiterin Ruth Festl erläutert: „Im Kern untersuchen wir Cybermobbing im Hinblick auf die Gründe, spezifischen Ablaufmuster und Effekte - speziell im besonders relevanten Jugend-Bereich.“ Bisherige Erklärungsmodelle beschränkten den Blick überwiegend auf individuelle und persönlichkeitsbedingte Faktoren. Das DFG-Projekt beziehe nun auch strukturelle und systemische Faktoren ein und analysiere die Dynamik des Cybermobbing-Prozesses.

Aus den Erkenntnissen werden neue Präventions- und Handlungsmöglichkeiten abgeleitet werden können. Doch schon jetzt gibt es pragmatische Informationen zum Umgang mit Cybermobbing. Beispielsweise bietet die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz, klicksafe.de, eine Reihe nützlicher Tipps.

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30.01.2013
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Sven Becker
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Cybermobbing an Schulen
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Schulpraxis
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