Über diesen Artikel
Datum:
28.03.2012
Autor:
Sven Becker
Aktionen:
Drucken
URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/schulpraxis/einzelansicht/artikel/auswertung-zum-schulversuch-schulische-medienbildung.html
Title:
Auswertung des Schulversuchs „Schulische Medienbildung"
Kategorie:
Schulpraxis, Studien
redaktion sven becker

Auswertung des Schulversuchs „Schulische Medienbildung"

Obwohl knapp 80 Prozent der Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern behaupten, die alltägliche Mediennutzung der Schüler im Unterricht zu berücksichtigen, gibt fast die Hälfte der Lehrer zu, nie oder fast nie Soziale Netzwerke im Unterricht zu besprechen. Dies ist ein Ergebnis des DIGITAL LERNEN vorliegenden Abschlussberichts des  Schulversuchs „Schulische Medienbildung in Mecklenburg-Vorpommern“, getragen von der Landesarbeitsgemeinschaft Medien Mecklenburg-Vorpommern. Mit dem Projekt sollte die Medienkompetenz der Schüler „in allen Belangen des Umgangs mit Medien“ deutlich gesteigert und die Lehrer „medienfachlich ebenso wie in den Unterrichtsmethoden“ fortgebildet werden. Das Projekt, an dem von 2008 bis 2011 neun Schulen aus verschiedenen Schulformen beteiligt haben, bekam schon 2011 den Dieter-Baacke-Preis als „herausragendes“ Projekt der Medienbildung.

Den Anstoß gab der Rahmenplan  zur Medienerziehung für die allgemeinbildenden Schulen des Landes: Medienerziehung soll sich langfristig als selbstverständlicher Teil der Grundbildung etablieren. Das Projekt umfasste ein breites Spektrum an Medien: Video, Foto, Print, Audio – auch sollten die Schulen die Chancen nutzen, die das Internet für den Unterricht bietet. Die Schulen und ihre externen Partner wählten aus diesen Themen-Clustern aus und gestalteten Medienprojekte, die am besten zum Profil ihrer Schule passten. Der Endbericht wertet nun die Schlussbefragung der Schüler und Lehrer aus, die wichtigsten Ergebnisse stellt DIGITAL LERNEN hier vor.

So zeigen die Antworten der Schüler, dass zwar die klassischen Medien wie Beamer und Video fester Bestandteil der Unterrichtsplanung und -gestaltung sind. Der Einsatz digitaler Medien birgt allerdings noch Potenzial: Computer, interaktive Tafeln und Internetzugang  sind meist nur in bestimmten Räumen verfügbar, deshalb ist ihr Einsatz im Fachunterricht mit einem hohen organisatorischen Aufwand verbunden. Laut der Schülerbefragung waren nur etwa zehn Prozent der Medienprojekte inhaltlich an den Fachunterricht angebunden. Dass es hauptsächlich der Informatikunterricht war, überrascht nicht, doch auch das Fach Geschichte wurde häufig genannt – ein digitaler Vorreiter der geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächer.

Auch aus der Lehrersicht brachte der Schulversuch Veränderungen mit sich. Ein Informations- und Unterstützungssystem wurde aufgebaut, Beratungsmöglichkeiten wurden geschaffen und die medienpädagogischen Angebote wurden im Projektverlauf schrittweise erweitert. Die Autoren weisen außerdem auf einen wichtigen Bewusstseinswandel hin: „Generell zeichnet sich über die Jahre eine zunehmende Öffnung gegenüber der Medienarbeit – auch als Querschnittsthema – ab“. Für die langfristige Etablierung von Medienbildung in der Schule ist dies ebenso wichtig, wie eine zeitgemäße IT-Infrastruktur. Diese Öffnung spiegelt sich auch in den Ergebnissen insgesamt wider. Die Lehrer sehen jedoch auch Defizite: Über die Hälfte von ihnen stimmte voll oder eher der Aussage zu, dass „finanzielle Mittel, die Klassengrößen, zeitliche Ressourcen und infrastrukturelle Aspekte die Umsetzung von Medienpädagogik im schulischen Kontext“ erschwerten.

Am häufigsten setzen die Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern Medien als didaktische Mittel ein. Auch die kritische Betrachtung von Medien sowie das Erkennen und Aufarbeiten von Medieneinflüssen findet häufig im Unterricht statt. Über die Hälfte der Lehrer bindet ab und zu das Gestalten und Verarbeiten von eigenen Medienbeiträgen in den Unterricht ein. Dagegen ist nur selten das Durchschauen und Beurteilen von Bedingungen der Medienproduktion und Medienverbreitung ein Thema. Die Autoren heben auch hervor: „dass das Thema Soziale Netzwerke insgesamt am wenigsten Beachtung findet.“  Dieser Befund korrespondiert damit, dass die Lehrer die Fortbildungen zum Thema Web 2.0 als am wenigsten relevant für die Schulpraxis einschätzten.

1 2  
Über diesen Artikel
Datum:
28.03.2012
Autor:
Sven Becker
Aktionen:
Drucken
URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/schulpraxis/einzelansicht/artikel/auswertung-zum-schulversuch-schulische-medienbildung.html
Title:
Auswertung des Schulversuchs „Schulische Medienbildung"
Kategorie:
Schulpraxis, Studien
redaktion sven becker
Weiterführende Links
Diesen Artikel teilen
Anzeige
Anzeige
Anzeige