Über diesen Artikel
Datum:
06.04.2012
Autor:
Sven Becker
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/schulpraxis/einzelansicht/artikel/auswertung-des-schulversuchs-schulische-medienbildung-ii.html
Title:
Auswertung des Schulversuchs „Schulische Medienbildung" II
Kategorie:
Schulpraxis
redaktion sven becker

Auswertung des Schulversuchs „Schulische Medienbildung" II

Es herrscht noch Mangel in Mecklenburg-Vorpommern: an Wissen, Zeit, Organisation und Geld. Jedenfalls in den Schulen. So lässt sich der Endbericht zum Schulversuch „Schulische Medienbildung in Mecklenburg-Vorpommern“ knapp zusammenfassen. DIGITAL LERNEN berichtete bereits über wichtige Einzelergebnisse, nun sollen die Handlungsempfehlungen der Autoren des wissenschaftlichen Abschlussberichts beleuchtet werden.

Ziel des Schulversuchs „Schulische Medienbildung in Mecklenburg-Vorpommern“ war die deutliche Steigerung der Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler. Die Lehrer sollten medienfachlich fortgebildet werden und lernen, wie sie Medienerziehung in den Fachunterricht einbeziehen können. Der Versuch ist geglückt: Medienbildung ist in den beteiligten Schulen bis in den Fachunterricht hinein langfristig verankert. Darüber hinaus ist in der Lehrerschaft das Bewusstsein dafür gestiegen, dass Medienerziehung in der Schule wichtig ist. Die Autoren des Berichts sehen aber auch ungenutztes Potenzial vor allem bei der Internet-Nutzung. Aus ihren Ergebnissen leiten sie Vorschläge für weitere Verbesserungen ab.

Der Bericht fordert, den Kontakt zu schulexternen Einrichtungen zu vereinfachen. Hierfür müsse ein Informationssystem aus Broschüren, Infoblättern und Internetangeboten erstellt werden, um so vorhandene Strukturen, Ressourcen und Wissen verfügbar zu machen. Der Wissensstand der Kollegien sei heute sehr heterogen. Professionelle Medienpädagogen könnten dies ausgleichen, etwa durch Informationsveranstaltungen oder Broschüren, die inhaltlich und methodisch in die Medienarbeit einführen. Fortbildungen könnten praktisch zielgruppenspezifische Themen vermitteln. Der informelle Austausch der Lehrer zu inhaltlichen Fragen oder persönlichen Erfahrungen sei außerdem zu fördern.

Die Autoren bemängeln außerdem, dass Medienbildung sich noch zu sehr auf die Funktion und das Anwenden von Medien konzentriere. Die kritische Auseinandersetzung mit Medieninhalten müsse deshalb mehr beachtet werden: die Reflexion der Nutzung, gesellschaftliche Fragen zu ihrem Einfluss auf die Meinungsbildung oder soziales Lernen gehörten dazu. Das Thema Soziale Netzwerke solle dazu stärker im Unterricht genutzt werden. Ein weiterer Vorschlag lautet, dass Schülerideen in die Konzeption der Medienprojekte einbezogen werden könnten. Das erhöhe die Akzeptanz auch bei weniger medieninteressierten Schülern und hätte einen positiven Effekt auf die Ressourcenverteilung. Ein Ausleihsystem für Medien könne zudem eine reibungslose Medienarbeit ermöglichen.

Zur Organisation empfehlen die Autoren, es seien klare Zuständigkeiten und schnelle Erreichbarkeit für die Absprache zwischen allen Akteuren nötig. Es müssten auch geeignete Rahmenbedingungen geschaffen werden, um kurzfristige Projekte umzusetzen.  Überdies seien die zeitlichen Ressourcen für die Medienarbeit noch zu gering und das belaste die Lehrer. Sinnvoll sei es, eine konkrete Ansprechperson zu benennen, über die Informationen gebündelt werden und die strukturelle, organisatorische und kommunikative Aufgaben übernimmt. Auch hier könne man Schüler einbinden – etwa um die Medientechnik mitzuverwalten. Hier stockt der Leser jedoch und fragt sich, ob es sinnvoll ist, den Mangel an Ressourcen mit Schülerhilfe auszugleichen?

Ein weiterer Punkt ist die IT-Infrastruktur, die ständig ergänzt und erneuert werden müsse. Auch externe Medienpädagogen seien einzuplanen. Dazu müsse man finanzielle und organisatorische Strukturen schaffen: Ein Teil des Schuletats für Technik zu reservieren und Leihgaben zu nutzen seien denkbare Lösungen. Auch die Drittmittel-Akquise sei geeignet, was aber einen hohen bürokratischen Aufwand bedeute. Zudem seien die Förderzeiten meist begrenzt. Kontinuität sei jedoch wichtig für das langfristige Planen. Aber auch hier wieder eine Frage: Ist es sinnvoll, die allgemeine Schulbildung von externen Geldgebern abhängig zu machen, die teilweise nicht ganz ohne Eigeninteresse handeln werden?

Nicht zuletzt sei auch die Qualitätssicherung einzuplanen.

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06.04.2012
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Sven Becker
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