Über diesen Artikel
Datum:
28.02.2012
Autor:
Sascha Steuer
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/netzpolitik/einzelansicht/artikel/meinung-joachim-gauck-mit-gegen-oder-ohne-das-internet.html
Title:
Meinung: Joachim Gauck - mit, gegen oder ohne das Internet
Kategorie:
Netzpolitik, Gastbeitrag / Interview
gastautoren stift

Meinung: Joachim Gauck - mit, gegen oder ohne das Internet

Um es gleich vorwegzunehmen, nein, das Internet ist nicht böse, es ist auch nicht gut, es besitzt schlicht keine eigene Seele und keinen eigenen Willen. Das Internet ist, was die Menschen aus ihm machen. Aber indem das Internet jede Information in Sekunden jedem anderen Menschen auf der Welt vermitteln kann, verändert es die Kommunikation der Menschen so stark, dass einige offenbar das Gefühl haben, das Internet wäre ein eigener Organismus. So hieß es, das Internet hätte den Freiherrn zu Guttenberg zu Fall gebracht, danach nahm sich das Internet Bundespräsident Köhler vor und danach Bundespräsident Wulff. Heute, gut zwei Wochen vor der Wahl eines neuen Bundespräsidenten, stellt sich daher die Frage nach dem Verhältnis „des Internets“ zum aussichtsreichsten Kandidaten für das Amt, Joachim Gauck.

Im Kontrast zu den Lobeshymnen im Sommer 2010 wird Gauck heute sachlich und kritisch analysiert. Mittlerweile füllen ganzseitige Persönlichkeitsprofile die Tageszeitungen. Auch im Internet trägt sich das Interesse an Joachim Gauck weiter. Wie so oft erleben wir die rasante Verbreitung von Satzfetzen, oder einzelnen Wörtern, die Gauck zugeschrieben werden. Im nächsten Moment werden die Zitate kommentiert und wiederum weiterverbreitet. Wer seine Informationen zum Hauptteil aus dem Internet bezieht, wird heute wissen, dass Joachim Gauck Herrn Sarrazin Mut attestiert habe, dass er Hartz 4-Demonstrationen als töricht bezeichnet habe und dass er für die Vorratsdatenspeicherung sei.  

Dass keine dieser Vorhaltungen zutrifft, hat Christian Jakubetz vor einer Woche in einem akribisch recherchierten Beitrag für Cicero online dargelegt. Tatsächlich hatte Gauck eine sehr kritische Position zu Sarrazins Thesen bezogen, tatsächlich hatte Gauck nur die Bezeichnung „Montagsdemonstrationen“ für die Hartz 4-Demonstrationen als töricht bezeichnet, nicht aber die Demonstartion selbst. Und schließlich hatte sich Gauck zur Vorratsdatenspeicherung sehr differenziert geäußert. Doch für diese kritische Darstellung der Wahrheit wurde Christian Jakubetz im Netz heftig angegriffen. Ihm wurde vorgeworfen, er habe mit der Kritik an den falschen Gauck-Zitaten, das Netz an sich angegriffen. Vor einigen Tagen ging Jakubetz in die Offensive und stellte im Berliner Tagesspiegel fest, dass er den Absolutheitsanspruch einiger „Schreihälse“ nicht gelten lassen werde, auch wenn er so zwischen allen Stühlen säße.

Im Vergleich zu der Akribie, mit der zu Recht die Guttenbergsche Doktorarbeit im Internet seziert wurde, war der Beitrag von Christian Jakubetz im Cicero eher ein kurzer Abriss.  Er war ein Fingerzeig, dass korrektes Zitieren von allen erwartet werden darf und, dass niemand frei von Kritik ist, kein Politiker und kein Blogger. Nur wenn darüber Einvernehmen herrscht, hat ein Bundespräsident im Internetzeitalter überhaupt eine Chance seinem Amt gerecht zu werden. Für diese Klarheit zu sorgen, bevor eine Person ins Amt kommt, ist zweifelsfrei Jakubetz´ Verdienst.

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28.02.2012
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Sascha Steuer
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Netzpolitik, Gastbeitrag / Interview
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