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Datum:
08.06.2012
Autor:
Sascha Steuer
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/netzpolitik/einzelansicht/artikel/freitagskolumne-die-schufa-vertraut-facebook-und-wem-vertrauen-wir.html
Title:
Update: Geplatzt - Plattner-Institut kündigt Schufa-Auftrag
Kategorie:
Netzpolitik
gastautoren stift

Update: Geplatzt - Plattner-Institut kündigt Schufa-Auftrag

Das wars, keine 48 Stunden hielt der 200.000 Euro Auftrag der Schufa an das Hasso-Plattner-Institut. Das Institut hat heute die Reißleine gezogen und den Auftrag zurückgegeben. "Angesichts mancher Missverständnisse in der Öffentlichkeit über den vereinbarten Forschungsansatz und darauf aufbauender Reaktionen kann ein solches wissenschaftliches Projekt nicht unbelastet und mit der nötigen Ruhe durchgeführt werden", erklärte HPI-Direktor Christoph Meinel.

 

Heute Früh hatten wir geschrieben:

 

Die Schufa will künftig auch das Web 2.0 als Quelle für ihre Expertise über die Kreditwürdigkeit der Deutschen nutzen. Dafür hat die Schufa das Hasso-Plattner-Institut beauftragt, zu untersuchen, wie die Daten aus Facebook, Twitter, LinkdIn, Google Streetview und anderen Plattformen genutzt werden können. Abgeguckt hat sich die Schufa diese Quellenarbeit womöglich bei der Polizei, die in einigen Bundesländern ebenfalls Soziale Netzwerke analysiert, um Verbrecher fassen zu können. Doch was bei der Polizei kriminologische Zusammenhänge aufdecken kann, ist bei der Schufa noch lange nicht logisch.

 

Was sagt die Anzahl der Follower bei Facebook oder Twitter über die Kreditwürdigkeit einer Person aus? Wer garantiert, dass das analysierte Profil überhaupt von der vorgegebenen Person erstellt wurde? Das Facebook-Profil von Helmut Schmidt hat 17.905 Follower, aber ist es von Helmut Schmidt? Ist Daniel Lopez kreditwürdig, nur weil er durch die Sendung DSDS und das Dschungelcamp viele Freunde im Netz hat? Welcher Art die Informationen sein könnten, die die Schufa als valide einstuft, hätten wir gerne erfahren, doch die Schufa-Pressestelle war gestern ganztägig telefonisch nicht zu erreichen.

 

Das absurde Beispiel der Schufa-Initiative hält uns vor Augen, was mit den Daten von Nutzern passieren kann, wenn sie privaten Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. Sukzessive hat Facebook in den vergangenen Jahren die Privatsphäre-Einstellungen zurückgefahren und so immer mehr persönliche Daten öffentlich gemacht. Der letzte Schritt war die Einführung der Timeline-Funktion, mit der nun ganze Lebensläufe offen liegen. Niemand kann heute sagen, was in der Zukunft mit den Daten passieren wird und wem Unternehmen wie Facebook die Daten wie zur Verfügung stellen werden. Was passiert, wenn Facebook irgendwann einmal zusammenbricht? Wer wird die Daten dann kaufen und für was nutzen? Es sind viele Interessenten vorstellbar: Die GEZ dürfte großes Interesse haben zu erfahren, wer online kommuniziert, aber kein Endgerät angemeldet hat. Vermieter könnten endlich erfahren, ob Wohnungsinteressenten häufig umgezogen und damit potentielle Mietnomaden sind. Nicht zuletzt könnten Krankenversicherungen den Lebenswandel ihrer Mitglieder analysieren und regelmäßige Partymacher mit Zusatzbeiträgen belegen.

 

Das Motto der Schufa „Wir schaffen Vertrauen“ ist Anlass zur Sorge. Eine Auskunft, die nicht auf belegbaren, validen Informationen beruht, sondern auf zusammengescharrten Teil- und Fehlinformationen, schafft kein Vertrauen. Die Hamburger Verbraucherschützerin Edda Castello hat deshalb Recht, das Vorhaben der Schufa ist eine Grenzüberschreitung. Doch da es sich bei der Schufa - entgegen des landläufigen Irrglaubens - nicht um eine Behörde, sondern um ein Unternehmen handelt, können Datenschützer nur appellieren, diesen Vorstoß wieder zurückzuziehen. Gleichzeitig sollten die Nutzer begreifen, dass sie es selbst in der Hand haben, wie viele persönliche Daten sie ins Netz stellen und wem sie ihre Daten für immer anvertrauen wollen.

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08.06.2012
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