EU-Kommission: Initiative »Die Bildung öffnen« soll Innovation und digitale Kompetenzen in Schulen fördern

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© (C) European Union PE-EP, Jacques Denier, European Union

"Die Bildung öffnen" ist der Titel eines Aktionsplans der EU-Kommission zur Lösung dringender digitaler Probleme. Ein Beispiel: Über 60 Prozent der Neunjährigen in der EU besuchen Schulen, die noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen sind. Der Aktionsplan soll daher die Schulen dabei unterstützen, eine zeitgemäße Bildung anzubieten und den Schülern die digitalen Kompetenzen zu vermitteln, die an ihren Arbeitsplätzen in Zukunft notwendig sein werden. Die Initiative konzentriert sich dazu auf drei Schwerpunkte: Erstens die Schaffung von Innovationschancen für Einrichtungen, Lehrkräfte und Lernende. Zweitens die intensivere Nutzung frei zugänglicher Lehr- und Lernmaterialien, wobei sicherzustellen sei, dass alle aus öffentlichen Haushalten finanzierten Lehrmittel für jeden zugänglich seien. Drittens bessere IKT-Infrastrukturen und Konnektivität in den Schulen. Die Initiative wird begleitet von der neuen Website Open Education Europa. Studierende, Anwender und Bildungseinrichtungen können hier frei verwendbare Lehr- und Lernmaterialien austauschen.

"Die Bildung öffnen" ist eine gemeinsame Initiative der EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend, Androulla Vassiliou, und der für die Digitale Agenda zuständigen Kommissionsvizepräsidentin Neelie Kroes.

Vassiliou erklärte: „Die Bildungslandschaft wandelt sich von Grund auf – von der Schule bis zur Hochschule und darüber hinaus: Eine auf offenen Technologien beruhende Bildung ist bald für alle Altersstufen nicht mehr nur ein ‚Plus', sondern wird zum ‚Muss'. Wir müssen uns mehr anstrengen, damit vor allem die jungen Menschen die digitalen Kompetenzen mitbekommen, die sie in Zukunft benötigen. Es reicht nicht, lediglich mit einer ‚App' oder einem Programm umgehen zu können. Die jungen Leute müssen in der Lage sein, ihre eigenen Programme zu schreiben. Bei der Initiative ‚Die Bildung öffnen' geht es darum, eine offenere Einstellung zu neuen Lernmethoden zu schaffen, um die Beschäftigungsfähigkeit, die Kreativität sowie den Innovations- und Unternehmergeist bei unseren jungen Menschen zu fördern.“

Kroes fügte hinzu: „Ich wünsche mir, dass bis 2020 jedes Klassenzimmer digital ausgestattet ist. Die Bildung muss den Anschluss an die Realität behalten und darf sich nicht in einem Paralleluniversum bewegen. Die jungen Menschen wollen die neuen Technologien in allen Lebenslagen nutzen. Sie brauchen digitale Kompetenzen, um eine Beschäftigung zu finden. Alle – nicht nur einige wenige – Schulen und Hochschulen müssen diesem Umstand gerecht werden.“

Die gegenwärtige Situation, die es zu überwinden gilt: Zwischen 50 und 80 Prozent der Schüler bzw. Studierenden in der EU nutzen keine digitalen Lehrbücher, kein Übungssoftware, keine Videos oder Podcasts und auch keine Simulationen oder Lernspiele. Die meisten Lehrer in der Primar- und Sekundarstufe halten sich selbst nicht für „digital versiert“ genug digitale Kompetenzen angemessen zu vermitteln. 70 Prozent von ihnen wünschen sich deshalb eine bessere Ausbildung in der Anwendung von digitalen Medien. Die IT-Infrastruktur in der EU ist heterogen: während es beispielsweise in Lettland, Litauen und der Tschechischen Republik gut aussieht und mehr als 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler einen Internetzugang in der Schule haben, ist die Lage in Griechenland und Kroatien anders: hier sind es nur rund 45 Prozent.

Projekte im Zusammenhang mit der Initiative »Die Bildung öffnen« werden gefördert durch Erasmus+, das neue EU-Programm für die allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport, Horizont 2020, das neue Forschungs- und Innovationsprogramm, sowie die EU-Strukturfonds. Erasmus+ beispielsweise bietet Unterstützung für Bildungsträger, die ihre Geschäftsmodelle an den technischen Wandel anpassen und die berufliche Entwicklung der Lehrkräfte mithilfe frei zugänglicher Online-Angebote fördern. Alle durch Erasmus+ kofinanzierten Lehrmittel werden dank offener Lizenzen für die breite Öffentlichkeit zugänglich sein.

Über diesen Artikel
Datum:
10.10.2013
Autor:
Sven Becker
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EU-Kommission: Initiative »Die Bildung öffnen« soll Innovation und digitale Kompetenzen in Schulen fördern
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