Über diesen Artikel
Datum:
10.07.2012
Autor:
Dipl.-Päd. Bettina Muratović
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/medienforschung/einzelansicht/artikel/lesenlernen-bedeutet-medienlernen.html
Title:
Lesenlernen bedeutet Medienlernen
Kategorie:
Medienforschung, Gastbeitrag / Interview
gastautoren bettina muratovic

Lesenlernen bedeutet Medienlernen

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© Foto Jahn GmbH, Bingen

Seit 2010 promoviert Bettina Muratović nach einem Studium der Erziehungswissenschaft in der Arbeitsgruppe Medienpädagogik am Institut für Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz bei Prof. Dr. Stefan Aufenanger. Eine interdisziplinär angelegte Doktorandengruppe widmet sich unterschiedlichsten Themen rund um das „Lesen im Kontext digitaler und Printmedien“. Bettina Muratović selbst verfolgt in ihrem Dissertationsprojekt die Frage, wie sich das Vorlesen als wichtigste Instanz des Lesenlernen mit digitalen Medien verändert.  

Solange Lesen in unserer Gesellschaft als Kulturtechnik für die Teilhabe in privaten und öffentlichen Lebensbereichen unverzichtbar bleibt, solange kommt auch dem Lesenlernen eine entscheidende Bedeutung zu. Eine Schlüsselkompetenz ist Lesen heutzutage ebenfalls in Bezug auf digitale Medien und muss als Teil einer umfassenden Medienkompetenz verstanden werden (vgl. Hurrelmann 1995/Rosebrock 2004). So ist Lesen schon lange eine Grundvoraussetzung sich auch neuen Medien zu bedienen, sodass sich der Begriff des Lesens nicht mehr nur ausschließlich auf traditionelle Lesemedien beschränken kann.

Der Prozess der Aneignung und Vermittlung der Lesekompetenz wurde immer wieder ausgiebig thematisiert und untersucht. Dennoch verändern sich die Bedingungen der Lesesozialisation und schon im Kindesalter etablieren Eltern zunehmend auch digitale Kinderbücher in ihre Leseerziehung. Dabei gilt die Familie weiterhin als entscheidendste Instanz des Lesenlernens (vgl. Hurrelmann 2004). Im Hinblick auf ein erweitertes Verständnis des Lesens bzw. der Lesekultur auf unterschiedlichste gedruckte und digitale Lesemedien muss auch der Prozess des Lesekompetenzerwerbs neu verortet werden. So eröffnet die Nutzung spezieller Kinder-E-books beim Vorlesen zusätzliche Handlungsoptionen, die gedruckte Bücher aufgrund ihrer Materialität nicht bieten, sodass E-books andersartige (Nutzungs)Kompetenzen erfordern, um die Geschichte überhaupt rezipieren zu können. Interaktive Elemente, so beispielsweise Animationen, gilt es für die Beteiligten zu entdecken bzw. zu aktivieren um auf diese Weise die Geschichte voranzutreiben. Zu einer reinen Verständnissicherung des Textinhaltes muss es den Vorlesern also gelingen auch über medienspezifische Komponenten jeweiliger Endgeräte angemessen zu kommunizieren. Kompetente Anschlusskommunikation bedarf beim Vorlesen mit digitalen Medien diese Integration medienspezifischer Elemente in eine rein inhaltliche Fokussierung des Text bzw. Bildergeschehens. Nur in diesem Zusammenspiel gelingen Vorlese-Interaktionen mit multimedialen Geräten.

Lesenlernen bedeutet somit mehr als den reinen Lesekompetenzerwerb. Lesenlernen bedeutet Medienlernen. So ist ein gedrucktes Buch nun einmal anders zu (be)nutzen als die elektronischen Varianten, welche im Verhältnis zum Printmedium ein entsprechend komplexeres Wissen über medieninhärente Strukturen bedürfen. Kinder kommen mit allen traditionellen und neuen Medien früher oder später in Berührung, sodass ein Lesenlernen im Sinne eines Medienlernens angemessen erscheint. Welche Rolle Eltern, Kinder und Medien beim digitalen Vorlesen dabei einnehmen, steht im Erkenntnisinteresse des aktuellen Forschungsprojekts „Vorlesen digital“. Vorlese-Interaktionen und die tatsächliche Realisierung einer Vorlese-Situation werden untersucht, um Unterschiede des Vorlesens mit traditionellen und digitalen Medien herauszuarbeiten. Erste Tendenzen verweisen diesbezüglich auf die Stabilität eines medienunabhängigen Vorlesestils. Inwieweit sich unterschiedliche Dimensionen der Medienkompetenz (vgl. Baacke, 1997, vgl. Groeben 2002) hinsichtlich medienabhängiger Interaktionsmomente von Beginn der Mediennutzung an kind- bzw. altersgerecht fördern lassen, bleibt jedoch abzuwarten. Da sich Medienkompetenz wiederum nur im (möglichst vielseitigen) Medienumgang erwerben lässt, erweist sich eine zusätzliche Nutzung digitaler (Vor)Lesemedien im Sinne eines erweiterten Lesebegriffs dennoch als vielversprechend.    

Ein Gastbeitrag von Dipl.-Päd Bettina Muratović

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Datum:
10.07.2012
Autor:
Dipl.-Päd. Bettina Muratović
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http://www.digital-lernen.de/nachrichten/medienforschung/einzelansicht/artikel/lesenlernen-bedeutet-medienlernen.html
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Lesenlernen bedeutet Medienlernen
Kategorie:
Medienforschung, Gastbeitrag / Interview
gastautoren bettina muratovic
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