Über diesen Artikel
Datum:
12.08.2011
Autor:
Sascha Steuer
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/medienforschung/einzelansicht/artikel/gruendung-des-instituts-fuer-internet-und-gesellschaft-durch-google-weiter-umstritten-kritik-an.html
Title:
Gründung des Instituts für Internet und Gesellschaft durch Google weiter umstritten – Kritik an Zunahme der Drittmittel in der Forschung
Kategorie:
Medienforschung, Studien
Das Gründungsteam des Instituts     

Gründung des Instituts für Internet und Gesellschaft durch Google weiter umstritten – Kritik an Zunahme der Drittmittel in der Forschung

Das Gründungsteam des Instituts
Das Gründungsteam des Instituts     
© Danish Puthan Valiyandi, Institut fIuG

Während die durch Google finanzierte Gründung des Instituts für Internet und Gesellschaft in Berlin weiter umstritten ist, wird das Eröffnungssymposium für den Oktober vorbereitet. Der massivste Vorwurf erhebt sich gegen die Art der Finanzierung des Instituts, das grundlegende wissenschaftliche Arbeit leisten soll. Der Journalist Philip Banse nannte die private Finanzierung ein Armutszeugnis für die deutsche Forschungslandschaft. Die Befürworter des Google-Engagements heben hervor, dass bereits heute die halbe deutsche Forschungslandschaft durch Drittmittel finanziert wird und daher die Institutsgründung nichts Ungewöhnliches sei. Doch genau diesen Trend kritisiert nun der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Wolfgang Marquardt. Er führt an, dass mittlerweile sogar die öffentlichen Mittel für die Hochschulen partiell vom Erfolg in der Drittmitteleinwerbung abhängig gemacht werden. Während früher auf einen Euro Drittmittel noch zwei Euro staatliche Mittel kamen, ist es heute weniger als ein Euro.

Die Zunahme der Drittmittel ermöglichte bereits vielerorts den Aufbau von zusätzlichen Lehrstühlen und Instituten. Es ist jedoch ein Unterschied, ob beispielsweise in angewandte Medizinforschung investiert wird, also an konkreten Verbesserungen von Materialien oder Techniken geforscht wird - wovon dann Hochschulen und Unternehmen profitieren - oder ob Unternehmensphilosophien in hiesige gesellschaftswissenschaftliche und rechtswissenschaftliche Denkschulen Einzug halten. „Natürlich wird Google ihnen nicht vorschreiben, was sie zu erforschen oder zu unterschlagen haben; natürlich behaupten alle, sie seien unabhängig und würden ihre Arbeiten nicht von Google abnicken lassen. Das wäre ja auch noch schöner. Das Problem ist aber: Die Schere im Kopf fängt an zu schnippeln, lange bevor irgendjemand irgendwas verbieten könnte“, beschreibt Philip Banse das Dilemma.

Kritisch wird auch die Festlegung auf ein amerikanisches Großunternehmen gesehen. Die deutsche IT-Branche hat es ohnehin schon schwer gegen die übermächtige Konkurrenz aus Übersee anzukommen. Deutsche Innovationen werden immer wieder von amerikanischen Unternehmen aufgekauft. Bereits heute sprechen die Regierungschefs lieber mit Mark Zuckerberg und Eric Schmidt als mit den Bill Dermot von SAP in Walldorf oder Thomas Olemotz von Bechtle in Neckarsulm. Es wird für sie noch schwerer werden, sich im neuen Institut Gehör zu verschaffen. Vor allem wenn die Interessen der deutschen mittelständischen Unternehmen, den Interessen von Google widersprechen. Viele fragen, warum nicht die bereits bestehenden Forschungsansätze betrachtet und hier neue Kooperationen mit großen deutschen IT-Unternehmen gesucht wurden? Dass es zum Thema Internet und Gesellschaft in Deutschland schon etliche Forschungsansätze gibt, hat Dr. Martin Emmer vom Institut für Medien und Kommunikationswissenschaft an der Technischen Universität Ilmenau nun in einem umfangreichen Beitrag nachgewiesen.

Es bleibt nur am Rande zu bemerken, dass Google auch durch die großzügige Finanzspritze nicht den zahlreichen Debatten um Datenschutz, Patentrecht, Streetview und Klarnamenpflicht entgehen kann.

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12.08.2011
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Sascha Steuer
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