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Datum:
12.07.2011
Autor:
Redaktion
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URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/medienforschung/einzelansicht/artikel/google-gruendet-forschungsinstitut-fuer-45-millionen-in-berlin-reaktion-auf-streetview-kritik.html
Title:
Google gründet Forschungsinstitut für 4,5 Millionen in Berlin – Reaktion auf Streetview-Kritik
Kategorie:
Medienforschung
gastautoren stift

Google gründet Forschungsinstitut für 4,5 Millionen in Berlin – Reaktion auf Streetview-Kritik

Google Forschungsinstitut
© Danish Puthan Valiyandi, Institut fIuG

Google gibt 4,5 Millionen Euro und die Humboldt Universität zu Berlin richtet ein neues Institut ein mit dem die gesellschaftspolitischen Auswirkungen des Internets erforscht werden sollen. Selbsterklärtes Ziel des „Instituts für Internet und Gesellschaft“ ist es „die vom Internet ausgelösten und verstärkten Veränderungen der Gesellschaft besser zu verstehen und allen Gruppen die Mitgestaltung der digitalen vernetzten Zukunft zu ermöglichen.“ Doch wie kann die Unabhängigkeit des privat finanzierten Instituts gewährleistet und kritische Forschung in allen Richtungen ermöglicht werden?

Die Grundlagen hierfür scheinen gelegt, mit den vier Abteilungsleitern von Humboldt-Universität, Universität der Künste Berlin, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und Hans-Bredow-Institut zeichnen vier namhafte Wissenschaftseinrichtungen für die Gründung verantwortlich. Auf der vorläufigen Website des Instituts wird erklärt: „Das neue Institut wird von Google finanziert, ist aber in seiner wissenschaftlichen Arbeit und Organisation autonom.“ Genau daran gibt es aber Zweifel. Ist die Bezuschussung mit 4,5 Millionen Euro lediglich eine PR-Aktion von Google, um den durch Streetview leicht angeschlagenen Ruf des Unternehmens in Deutschland zu verbessern? Oder erhofft sich Google auch Unterstützung für seine zahlreichen umstrittenen Vorstöße in Fragen der Netzneutralität, des Datenschutzes und des Urheberrechts? Welchen Einfluss wird das Institut auf andere Forschungseinrichtungen in diesem Bereich haben? Wie kritisch werden die Forschungsarbeiten an dem Institut zum Thema Datenschutz im Internet sein? Google räumte auf der Pressekonferenz bereits ein, die Forschungsergebnisse auch zur Verbesserung seiner Produkte nutzen zu wollen. Auf die Frage, warum die deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen nicht selbst in der Lage waren ein solches Institut einzurichten, sondern dafür ein amerikanisches Unternehmen brauchten, räumte die WZB-Präsidentin Jutta Allmendinger gegenüber dem Deutschlandfunk ein:

"Wir wollen diesen Bereich aufbauen und wir können es aus eigenen Mitteln nicht machen, weil wir uns programmatisch auf andere Felder festgelegt haben."

Den Befürchtungen wollten die Initiatoren schnell den Wind aus den Segeln nehmen, so wurde auf der Pressekonferenz sogleich die Organisationsstruktur des Instituts bekanntgegeben. Demnach wird die Finanzierung des Instituts durch eine Fördergesellschaft gewährleistet, das Institut als Forschungsgesellschaft bestimme hingegen die Inhalte und Ziele. Ein wissenschaftlicher Beirat wird die Forschungsarbeit des Instituts kritisch begleiten. Es wird also genau zu beobachten sein, ob diese Trennung von Geldgeber und Institut funktioniert und wie stark sich die Wissenschaftler ihrem Sponsor verpflichtet fühlen.

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