Über diesen Artikel
Datum:
12.04.2013
Autor:
Dipl.-Pol. Michael Görtler
Aktionen:
Drucken
URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/medienforschung/einzelansicht/artikel/gastbeitrag-medienkompetenz-als-aufgabe-der-politischen-bildung.html
Title:
Gastbeitrag: Medienkompetenz als Aufgabe der politischen Bildung?
Kategorie:
Medienforschung
Michael Görtler     

Gastbeitrag: Medienkompetenz als Aufgabe der politischen Bildung?

Michael Görtler
Michael Görtler     
© Michael Görtler

Michael Görtler ist Sozialwissenschaftler und Referent für politische Jugend- und Erwachsenenbildung. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Beschleunigung von Politik, Gesellschaft und Bildung sowie die Bildung für nachhaltige Entwicklung. Mit dem Themenbereich des Digitalen Lernens beschäftigt er sich vor allem in Bezug auf die Nachhaltigkeit von politischen Lernprozessen im Angesicht von Zeitknappheit im Unterricht.

Twitternde Politik, politische Entscheidungsträger mit Facebook-Profil, Arabischer Frühling und Schwarmintelligenz – diese Entwicklungen und Begriffe haben in der letzten Zeit darauf aufmerksam gemacht, wie eng die Verknüpfung von Politik und Medien ausfällt. Dabei geht es neben der positiven Selbstdarstellung seitens der Entscheidungsträger vor allem um emokratische Einflussnahme auf das politische Geschehen seitens der Bürger, weil die Medien nicht nur die Transparenz von politischem Handeln erhöhen, sondern auch die die Mitbestimmungsmöglichkeiten erweitern. Und dabei spielen nicht zuletzt die neuen Wege der Kommunikation über das Internet mittels digitaler Medien eine entscheidende Rolle. Dieser kurze Beitrag möchte sich daher mit der Frage beschäftigen, welchen Stellenwert die Medienkompetenz aus Sicht der politischen Bildung einnimmt und welchen Beitrag sie zur Medienbildung leisten kann. 

Was heißt Medienkompetenz aus Sicht der politischen Bildung?

Ein differenzierter Begriff der Medienkompetenz muss die eingangs skizzierten Entwicklungen aufgreifen. Zunächst ist es wichtig, in der Flut von Informationen, nicht die Orientierung zu verlieren – gerade in der Wissensgesellschaft kommt dieser Funktion eine immer wichtigere Bedeutung zu. Medienkompetenz hilft also bei dem Zurechtfinden in der digitalen Welt, beim Unterscheiden zwischen Wichtigem und Unwichtigem sowie bei der Suche nach der qualitativ hochwertigen Quellen. Im Strudel der Eindrücke gilt es auf Herkunft und Hintergründe von Informationen zu achten, um Oberflächlichkeiten zu vermeiden. In diesem Zusammenhang spielt auch die kritische Haltung gegenüber die Medienwirklichkeit, z.B. die Berichterstattung über Politik, aber auch die Selbstdarstellung der Entscheidungsträger eine wichtige Rolle – ganz zu schweigen von den Manipulationsversuchen der Unterhaltungsindustrie etwa durch die Werbung. In Bezug auf diese Herausforderung stellt sich immer die Frage, welcher Zweck mit der Art und Weise der Darstellung verfolgt wird und wie hoch der Grad der Neutralität dabei ausfällt. Das gilt nicht zuletzt auch für emotional aufgeladene Beiträge, die z.B. über Bilder oder Musik ansprechen wollen und den nüchternen Austausch von Argumenten in den Hintergrund rücken lassen. Weiterhin ist zu beobachten, dass Themen nicht selten schnell wieder von der Bildfläche verschwinden, wenn sie das öffentliche Interesse nachlässt (ein Beispiel dafür sind etwa die alljährlich wiederkehrenden Horrorszenarien von Grippewellen). Ein wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang betrifft die Tatsache, dass das Internet vergleichsweise nahe am Geschehen ist und damit bisweilen den Eindruck vermittelt, die Berichte spiegelten die Realität wieder. Aktualität heißt allerdings nicht notwendigerweise auch Richtigkeit, denn im Internet wacht kein Hüter über das Geschehen. In demokratischen Systemen ist der digitale Raum offen für Input von vielen Seiten, in autokratischen Systemen beanspruchen dagegen die Eliten die Informationshoheit für sich. Und damit wird der schmale Grat zwischen Gängelung und Offenheit, zwischen Freiheit und Zensur angesprochen. Daher ist nicht zuletzt auch eine kritische Haltung gegenüber der sog. Medienwirklichkeit, aber auch der sog. öffentlichen Meinung, die auch ein Konglomerat aus unreflektierten Ansichten und Meinungen sowie einseitig gestreuten Hintergrundinformationen darstellen kann, von Bedeutung.

1 2 3  
Über diesen Artikel
Datum:
12.04.2013
Autor:
Dipl.-Pol. Michael Görtler
Aktionen:
Drucken
URL:
http://www.digital-lernen.de/nachrichten/medienforschung/einzelansicht/artikel/gastbeitrag-medienkompetenz-als-aufgabe-der-politischen-bildung.html
Title:
Gastbeitrag: Medienkompetenz als Aufgabe der politischen Bildung?
Kategorie:
Medienforschung
Michael Görtler     
Weiterführende Links
Diesen Artikel teilen
Anzeige
Anzeige
Anzeige